31.10.2018

Fachkräftemangel: Immer mehr Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt

Nicht nur Niedersachsens Unternehmen mangelt es an Personal, sondern auch den Kommunen. Sie kämpfen mit Lücken in der Verwaltung. In einem Alarmruf fordern sie Unterstützung von Bund und Land. So zu lesen im Online-Dienst der Wolfsburger Allgemeinen vom 7.10.2018.

Fachkräftemangel

Das Problem werde immer massiver

Der Fachkräftemangel in Deutschland wirkt sich zunehmend auf den öffentlichen Dienst aus. Vor allem Flächenländer wie Niedersachsen sind stark betroffen. Nach Angaben des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB) sind landesweit zehntausende Stellen bei den Kommunen nicht besetzt. Das Problem werde immer massiver, soll Verbandssprecher Thorsten Bullerdiek der Hannoverschen Allgemeinen gegenüber erklärt haben. Es würden aktuell nicht nur Ingenieure, technische Sachbearbeiter, Bademeister und Verwaltungskräfte benötigt. Großer Mangel herrsche auch bei Erziehern für Kindertagesstätten und in den Pflegeberufen in Krankenhäusern.

Studie alarmiert die Kommunen

Der NSGB beruft sich auch auf eine Prognose der Prüfgesellschaft PWC, nach der bis zum Jahr 2030 rund 816.000 Stellen im öffentlichen Sektor nicht besetzt sein könnten. Der öffentliche Dienst sei damit die „Branche“ mit dem größten Fachkräftemangel überhaupt, heißt es in der Studie. Betroffen seien Rathäuser, Bürgerbüros und andere kommunale Einrichtungen. Nach der Studie fehlen rund 151.000 Verwaltungskräfte in den Kernbereichen des öffentlichen Dienstes. Hinzu kämen 194.000 Fachkräfte bei lehrenden Berufen.

PWC erwartet für den ländlichen Raum in Niedersachsen und in vielen anderen Flächenländern ein „überproportionales Absinken das Fachkräftepotenzials“ – mit Ausnahme der Boomregionen im westlichen Niedersachsen. Die Städte seien weniger betroffen. Der NSGB sieht aber vor allem bei den Pflegeberufen und der Kindererziehung ein flächendeckendes Problem.

Arbeitsagentur bestätigt den Mangel

Auch die Bundesagentur für Arbeit bestätigt: Stellenbesetzungen werden inmitten eines mittlerweile europaweiten Kampfes um fachkundige Mitarbeiter zunehmend schwieriger. Da selbst Verwaltungsmitarbeiter aber auch in der freien Wirtschaft beschäftigt sein könnten, hat die Agentur keine konkreten Zahlen für Berufe in den einzelnen Ämtern oder kommunalen Fachbereichen. Sie stellt allerdings fest: „Bei den Berufen in der öffentlichen Verwaltung ohne Spezialisierung standen im September 2013 noch 302 Arbeitslose 187 freien Stellen in Niedersachsen gegenüber.“ Statistisch betrachtet wären das 1,6 Arbeitslose pro freie Stelle gewesen.

Dieses Verhältnis habe sich mittlerweile jedoch drastisch geändert. „Aktuell sind es 270 Arbeitslose und 481 Stellen – also nur noch 0,6 Arbeitslose pro Stelle“, erklärte eine Sprecherin der Arbeitsagentur für Niedersachsen und Bremen. Befeuert wird diese Ausgangslage durch den demografischen Wandel, die boomende Wirtschaft, die niedrigste Arbeitslosenquote seit Jahren sowie Konkurrenz unter Arbeitgebern.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)