16.04.2018

Facebook weiß seit 2015 von dem Datenklau

Mittlerweile rumort es in vielen Ländern. Der Datenklau bei Facebook schockt die Welt. Auch der Ausschuss „Digitale Agenda“ des Deutschen Bundestags hat sich in einer Sondersitzung am 23. März 2018 mit dem Thema befasst und Firmenvertreter dazu befragt. Danach hat Facebook schon 2015 erfahren, dass Daten seiner Nutzer illegal an das britische Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica weitergegeben worden sind. Statt betroffene Plattform-Nutzer darüber zu informieren, habe sich Facebook auf die Zusage von Cambridge Analytica verlassen, die Daten zu löschen.

Facebook

Nutzer sollen künftig eingreifen können

Zeitungsmeldungen zufolge will Facebook inzwischen auf die unerlaubte millionenfache Weitergabe persönlicher Daten der Nutzer reagieren. Letztere sollen künftig Zugriff auf jene persönlichen Daten bekommen, die von Facebook gespeichert werden. Diese Daten sollen sie herunterladen und löschen können.

Wirksamer Schutz für die Zukunft

Die neue Bundesjustizministerin sagte zu dem Skandal: „Facebook muss erklären, wie es zu dem Datenskandal kommen konnte und wie es die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer künftig wirksam schützen möchte. Das ist eine zentrale Frage des Verbraucherschutzes, die für mehr als 30 Millionen deutsche Facebook-Nutzer unmittelbare Bedeutung hat. Natürlich stehen die Nutzerinnen und Nutzer hier einer geballten Wirtschaftsmacht entgegen. Das ist eine Situation „David gegen Goliath“. Der Rechtsstaat und der Verbraucherschutz müssen dieses Machtgefälle ausgleichen. Wir tun das zum Beispiel durch die Datenschutz-Grundverordnung, die ab Mai 2018 in der ganzen EU gilt. Vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes als Geldbuße können auch großen Digitalkonzernen richtig wehtun. Das wirkt abschreckend.“

Illegale Auswertungen im Wahlkampf des US-Präsidenten Trump?

Auch aus dem Deutschen Bundestag wurde bekannt, dass Facebook illegal Nutzerdaten an das britische Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica weitergegeben und davon abgesehen habe, darüber die betroffenen Plattform-Nutzer zu informieren. Man habe sich auf die Zusage von Cambridge Analytica verlassen, die Daten zu löschen. Die parlamentarische Sondersitzung war kurzfristig einberufen worden, um die Hintergründe des Datenskandals zu klären, bei dem rund 87 Millionen Facebook-Profile illegal ausgewertet und für den Wahlkampf des jetzigen US-Präsidenten Trump benutzt worden sein sollen.

Ist auch Deutschland betroffen?

Dass auch die Daten von Plattform-Nutzern in Deutschland weitergeleitet worden sind, sei ihr bislang nicht bekannt, sagte eine in den Ausschuss geladene Facebook-Managerin nach mehrmaligem Nachhaken der Abgeordneten. Dem widersprach der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar: Bei 87 Millionen betroffenen Profilen sei das vielmehr sehr wahrscheinlich. „Was passiert ist, war absehbar“, sagte Caspar.

Viele Fragen blieben unbeantwortet

Eine fraktionsübergreifende Unzufriedenheit über die Auskünfte des Digitalkonzerns zeigte sich im Ausschuss deutlich. „Wie sich Facebook hier verhält, finde ich unterirdisch“, sagte ein Vertreter der CDU-Fraktion. „Sie haben uns eine halbe Stunde genommen, indem sie uns Pressetexte vorlesen“, kritisierte er. Auch die Grünen betonten, dass der Digitalkonzern auf frühere Einladungen zu Ausschussanhörungen nicht reagiert habe. Die überwiegende Mehrheit der Fragen blieb in der einstündigen Sitzung unbeantwortet.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)