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22.01.2015

Fab-Gründer und Hem-Chef Goldberg wollte Betriebsrat verhindern

In den Betriebsrat kann man sich erst wählen lassen, wenn man mindestens ein halbes Jahr im Betrieb gearbeitet hat. Und eine Reihe solcher Kandidaten hatten sich auch gefunden in dem Berliner Start-up-Unternehmen Hem GmbH. Gegen die Gründung eines Betriebsrates hatte aber offenbar Start-up-Gründer Jason Goldberg (Fab, Hem) grundsätzlich etwas. Er sann auf Abhilfe und bot den potenziellen Kandidaten Aufhebungsverträge an – im Grunde gesetzeswidrig. So jedenfalls die Sicht von ver.di.

Fab-Gründer und Hem-Chef Goldberg wollte Betriebsrat verhindern© Eduard Lysenko /​ iStock /​ Thinkstock

Berlin. 22. Januar 2015 – „Das Ziel war offenbar, dass man diese Leute aus dem Unternehmen haben wollte“, zitiert „Gründerszene“ Markus Hoffmann-Achenbach von der Dienstleistungsgewerkschaft verdi. Er hat die Hem-Mitarbeiter bei der Vorbereitung der Betriebsratswahl begleitet.

Goldbergs Angebot: Aufhebungsvertrag mit Abfindung

Goldberg hat demzufolge am 18. November 2014 allen Mitarbeitern, die seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen waren, einen Aufhebungsvertrag angeboten, im Denglisch der Start-ups ein „Voluntary Leave Package“   – mit einer Abfindung von vier Monatsgehältern.

Ultimo am 28., Betriebsratswahl am 30. November

Wer dem nicht widerstehen konnte, für den sollte der 28. November Ultimo sein – zwei Tage vor dem Wahltag zum neuen Betriebsrat, am 30. des Monats. Das Angebot richtete sich an 20 in Frage kommende Mitarbeiter der insgesamt 50. Zwölf konnten nicht widerstehen, der Belegschaft blieben noch ganze acht wählbare Kollegen.

Von der Schwulen-Community zum Design-Anbieter

Goldberg ist in der Gründerszene in USA kein Unbekannter. Er hat mit „Fab“ eine, so „Gründerszene“, „kleine Schwulen-Community“ gegründet. Diese baute er dort mit Riesensummen an Risikokapital (Venture Capital, VC), die Rede ist von 300 Millionen US-Dollar, zu einem Flash-Sales-Shoppingclub und später zu einem klassischen inventarbasierten Online-Shop für Designprodukte mit weltweit 700 Mitarbeitern aus.

Fab entlässt haufenweise Mitarbeiter

Letztes Jahr zog  es Goldberg nach Deutschland. Von Berlin aus startete Goldberg als neues Start-up die Firma Hem GmbH, einen vertikal integrierten Möbel-Anbieter mit eigener Produktion. „Fab“ war derweil offenbar so erfolgreich, dass Konkurrenz nicht lange auf sich warten ließ. Sie kam aus – Deutschland. Dort zog das VC-Unternehmen Rocket Internet (u.a. Zalando) der Brüder Samwer letztes Jahr ein ähnliches Unternehmen auf, „Bamarang“.

Konkurrenz von den Zalando-Gründern Samwer

Ebenfalls offenbar überaus erfolgreich und nicht ohne Auswirkung auf Goldbergs Unternehmungen. Goldberg musste reagieren. Bei „Fab“ habe er „haufenweise Leute“ entlassen, im Sommer in der Berliner Europa-Zentrale allein 150, im Herbst nochmal 100 und in diesem Vierteljahr sollen nochmal so viel folgen, berichtet „Gründerszene“.

Und nun der Aderlass an Personal bei der Hem GmbH in Berlin. Hier arbeiten mittlerweile wieder 45 Angestellte, neben weiteren 105 in Skandinavien, Indien, Polen und USA.

Package angeblich lange vorher geplant

Goldberg widerspricht kaum. Allerdings sei das Package schon lange vorher geplant gewesen, das hätte „nichts mit der späteren Bildung eines Betriebsrats zu tun“ gehabt, so Goldberg laut der Gründerplattform. Als ob Goldberg nicht schon vorher das Betriebsverfassungsgesetz hätte lesen können. Eine gerichtliche Klärung wird es wahrscheinlich aber trotzdem nicht geben. Der Betriebsrat will es sich „Gründerszene“ zufolge nicht mit Goldberg verderben. Hoffmann-Achenbach: „Es herrscht ein Klima der Angst.“

Bildnachweis: © Eduard Lysenko / iStock / Thinkstock

Autor: Friedrich Oehlerking 

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