News | Geschäftsführung Betriebsrat
16.09.2015

Europas Löhne steigen nur zaghaft

Inflation – im vorigen Jahrhundert war es noch ein Schreckgespenst. Heute ist es weitgehend verflogen. Der europäische harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg im August zum Vorjahresmonat um 0,1 Prozent, zum Vormonat überhaupt nicht. Dabei können Europas Arbeitnehmer über das bisschen Inflation noch froh sein.

Löhne in Europa© K.-P. Adler /​ fotolia.com

Löhne in Europa zaghaft bergauf

Geschäftsführung Betriebsrat. Bei den Löhnen geht es in Europa wieder zaghaft bergauf. Die Zahl der Länder, in denen die Beschäftigten an Kaufkraft verlieren, ist stark gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Europäische Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung aufgrund von Daten der Europäischen Kommission.

Niedrige Inflation verantwortlich

Doch zur Bekämpfung der Krise in der EU reiche das nicht, meinen die Wissenschaftler. Die Binnennachfrage in der EU müsse belebt werden. Dafür halten sie deutlichere Steigerungen bei Reallöhnen für nötig. Europas Arbeitnehmer hätten eine lange Durststrecke hinter sich:

  • Preisbereinigt seien die Löhne seit 2010 in elf EU-Staaten gesunken,
  • in neun weiteren lägen die Zuwachsraten unter einem Prozent pro Jahr.
  • Deutschland rangiere mit einer kumulierten Reallohnsteigerung von 7,1 Prozent zwischen 2010 und 2015 im oberen Mittelfeld der Länder mit Zuwächsen. Allerdings gab es davor seit 2001 hier auch als einzigem europäischen Land einen Rückgang der Reallöhne, und das um 5,6 Prozent.

Absinken Reallöhne nur noch in sechs Ländern

Laut WSI geht es in der EU zwar mittlerweile langsam wieder bergauf. 2013 waren die Reallöhne noch in zwölf Ländern gesunken, 2014 in sechs, 2015 wohl nur in Kroatien.

Keine expansive Lohnpolitik

Aber die leichten Zuwächse in den meisten Staaten seien nicht einer expansiven Lohnpolitik zu verdanken, sondern in erster Linie der extrem niedrigen Inflation, so WSI-Experte Dr. Thorsten Schulten.

Tarifverdienste in der Eurozone

Die Tarifverdienste in der Eurozone sind nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank 2014 nominal im Schnitt um 1,7 Prozent gestiegen, die Effektivlöhne – also die tatsächlich gezahlten Gehälter – nur um 1,3 Prozent. Der WSI-Forscher führt diese negative Lohndrift auf zweierlei zurück:

  • Zum einen böten viele Unternehmen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit kaum noch übertarifliche Leistungen an.
  • Zum anderen habe die Politik der EU und der Troika in vielen Ländern Änderungen erzwungen, die auf  weniger Tarifbindung hinauslaufen. Insbesondere den Krisenstaaten werde bei der Lohnfindung Flexibilität nach unten verordnet.

Löhne in Deutschland, Österreich, Spanien

Für Deutschland, Österreich und Spanien ergibt sich der Studie zufolge folgende Tariflohnentwicklung:

  • Deutschland 2014: nominal plus 3,1, preisbereinigt plus 2,3 Prozent,
  • Österreich: nominal 2,3 real 0,8 Prozent,
  • Spanien real deflationsbedingt 0,8 Prozent über der nominalen Steigerung von 0,6 Prozent.

 

Seit 2009 haben sich die Tariflöhne deutlich auseinanderentwickelt:

  • Deutschland verzeichnete real ein solides Wachstum
  • Österreich erreichte erst 2014 wieder das Niveau von 2009,
  • in Spanien wurde der reale Rückgang bei den Tariflöhnen erst 2014 durch die negative Preisentwicklung gestoppt.
Autor: Friedrich Oehlerking 

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