News | Mitbestimmung
26.08.2016

Ergo-Betriebsrat stimmt Interessenausgleich zu

Bundesweit bis zu 3000 Stellen sollten abgebaut werden. Von „einschneidenden Umstrukturierungen“ und „brutalen Kürzungen im Personalkostenbereich“ war die Rede. Jetzt einigte man sich bei Versicherer Ergo auf einen weitgehenden Interessenausgleich.

Interessenausgleich© blende11.photo /​ fotolia.com

Einigung mit Betriebsrat und Gewerkschaften

Mitbestimmung. Das Düsseldorfer Versicherungsunternehmen Ergo Group AG einigte sich mit dem Betriebsrat sowie den Gewerkschaften NAG und ver.di auf einen Interessenausgleich. Darin sind die Modalitäten für den fälligen Stellenabbau festlegt. Das berichtet das Finanzportal „OnVista“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Über die Einzelheiten sei Stillschweigen bis Anfang September vereinbart worden.

Vertrieb von Streichungen am stärksten betroffen

Zu Ergo gehören der Krankenversicherer DKV, der Direktversicherer Ergo Direkt (ehemals KarstadtQuelle Versicherungen), der Rechtsschutzversicherer D.A.S., der Reiseversicherer ERV und die aus Hamburg-Mannheimer und Victoria entstandene Ergo Leben. Ergo-Chef Markus Rieß hatte seine neue Strategie Anfang Juni vorgestellt. Danach werden 18 Standorte in Deutschland geschlossen. Des Weiteren ist der Vertrieb, der den Außendienst des Konzerns steuert, von der Streichung von netto 1800 Stellen mit Abstand am stärksten betroffen. Bisher war der Vertrieb der sechs Marken weitgehend eigenständig. Mit der Neuorganisation soll er zusammengelegt werden.

NAG: 2.000 Stellenstreichungen geplant

Angaben der alternativen „Neuen Assekuranz Gewerkschaft“ (NAG) zufolge hatte der Vorstand des Versicherungskonzerns ursprünglich einschneidende Umstrukturierungen im Konzern mit einem bundesweiten Stellenabbau von über 2.000 Stellen geplant. Alleine in Hamburg sei es um einen mittleren dreistelligen Abbau gegangen. Darüber hinaus sah NAG die Gefahr des Outsourcings von Stellen in vergleichbarer Größenordnung.

ver.di: 3.000 Stellenstreichungen geplant

Nach ver.di-Berechnungen sollten ursprünglich sogar um die 3.000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren – aus Sicht der Gewerkschaft „der größte Personalabbau in der Geschichte der Ergo“. Eine sozialverträgliche Umsetzung schien zunächst kaum möglich zu sein. Gleichwohl begrüßte ver.di Bestandteile der Umstrukturierung des Unternehmens. Dies betrifft vor allem die Investitionen in IT und die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte.

NAG verhandlungsmächtig für Versicherungsbereich

Die NAG sieht sich als die eigentlich verhandlungsmächtige Gewerkschaft für den Versicherungsbereich. Auf einer Betriebsversammlung Anfang Juli der Gewerkschaft hatte der Betriebsrat von Ergo Hamburg die Beschäftigten über die Planungen im Detail informiert. Im Anschluss daran hatte die NAG zu einem Protestmarsch zum Verwaltungsgebäude in die City-Nord aufgerufen.

Tausend Teilnehmer an Marsch in Hamburg beteiligt

An dem Marsch nahmen NAG-Angaben zufolge über 1.000 Beschäftigte teil. Es folgte ein Warnstreik – mit Übergabe einer schriftlichen Abmahnung der Mitarbeiter an den Vorstand. In wie fern diese Abmahnung Einfluss auf das jetzt erzielte Ergebnis gehabt haben könnte, wurde nicht mitgeteilt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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