29.04.2016

Energieindustrie will Betriebsräte für Energiewende gewinnen

„Wir schaffen das“ – gemeint ist diesmal die Energiewende. Bundeskanzlerin Angela Merkel legte 2011 den Schalter um – weg vom Atom, hin zur erneuerbaren Energie. Skepsis blieb. Vor allem unter Beschäftigten der Energieindustrie. Sie will man jetzt mit einer Infokampagne gewinnen.

Energiewende

Keine Wende ohne Speicher

Geschäftsführung Betriebsrat. „Vorrang für Speicher“ – unter diesem Slogan startete vergangene Woche das Innovationsforum Energiewende (If.E) eine Informationskampagne. Damit will man auf derzeit noch ungelöste Probleme im Energiesektor aufmerksam machen. Die werden nach wie vor unter den Beschäftigten vor allem des Energiesektors gesehen.

Betriebsräte von Energieunternehmen

Bereits dreimal hatte man sich vorrangig an die Betriebsräte von Energieunternehmen gewandt. Auf der ersten If.E-Betriebsrätekonferenz im Mai 2013 in Düsseldorf diskutierte eine nicht genannte Zahl „Betriebsräte und weitere Akteure der Mitbestimmung“ mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

170 Betriebsräte und Akteure der Mitbestimmung

An der 2. If.E-Betriebsrätekonferenz ein halbes Jahr später im September 2013 nahmen dann nach Angaben der Organisatoren bei der IG BCE immerhin schon 170 „Betriebsräte und weitere Akteure der Mitbestimmung“ teil. Wie viele Betriebsräte an der 3. Betriebsrätekonferenz teilnahmen, wurde nicht mitgeteilt. Immerhin so viel: 170 Betriebsräte hätten sich angemeldet. Wie viele es bei der 4. Veranstaltung ihrer Art letzte Woche in Berlin waren, wurde nicht mitgeteilt.

Arbeitgeberseite überwiegt

Umso stärker dafür ist die Arbeitgeberseite bei der maßgeblich von der Initiative der IG BCE (Bau-Chemie-Energie) vertreten. Dem Steuerungskreis der Initiative gehören Vertreter großer energieerzeugender und energieintensiver Unternehmen an, Vorstandsvorsitzender des If.E ist Vassiliadis. Gemeinsames Ziel ist es, mehr wirtschafts- und industriepolitischen Sachverstand in die Energiewende einzubringen. Die Liste der Akteure liest sich wie das Who-is-Who der Vorstandsetagen der deutschen Energieindustrie von BASF und BP über Continental, E-on und Evonik bis RWE, Vattenfall und Wacker.

Vassiliadis: Frage der Stromspeicherung entscheidend

Vor ihnen und Betriebsräten aus der Energiewirtschaft mahnte IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis letzte Woche in Berlin: „Ohne die Frage zu lösen, wie Strom aus Erneuerbaren gespeichert werden kann, wird die Energiewende nicht ihr Ziel erreichen.“ Deshalb müsse die Bundesregierung jetzt umsteuern: „Wir brauchen eine große Initiative für Speichertechnologie mit dem klaren Ziel, zwei Wochen trübe Flaute im Winter überbrücken zu können.“ Das erfordere einen Ausbauplan mit klaren Zwischenschritten für den Speicherausbau – genauso wie bereits für den Ausbau der Erneuerbaren und der Netze.

Aktionsplan für die Energiewende

Vassiliadis: „Was wir nicht haben, ist ein Aktionsplan für die Energiewende insgesamt, der aufzeigt, wie die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, um tatsächlich auf Braun- und Steinkohle, Öl und Gas verzichten zu können. Von daher verbieten sich kurzsichtige und allein klimapolitisch motivierte Ausstiegsdiskussionen. Wir brauchen keine leichtfertigen, ideologischen Wettrennen um Ausstiegspläne.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)