News | Geschäftsführung Betriebsrat
05.02.2016

Enercon-Mitarbeiter wehren sich gegen Zwangsversetzung

Der Windkraft-Riese Enercon will fünf Metaller gegen ihren Willen versetzen. Vor dem Arbeitsgericht Emden wehren diese sich dagegen. Vorerst mit Erfolg. Sie dürfen auf ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Doch IG Metall sieht in der Versetzung eine Schikane gegen Betriebsräte.

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Zwischenvergleich

Geschäftsführung Betriebsrat. Das Guss-Zentrum Ostfriesland (GZO), eine Tochterfirma von Windkraftanlagenbauer Enercon, wollte die fünf Metaller zwangsversetzen. Letzten Donnerstag war ein erster Gerichtstermin. Man einigte sich auf einen Zwischenvergleich. Ergebnis: Die fünf Metaller können auf Arbeitsplätze in der Werkhalle zurückkehren.

Betriebsvereinbarung soll Tätigkeiten vorerst regeln

Außerdem sollen Betriebsrat und Arbeitsgeber eine Betriebsvereinbarung aushandeln. Darin soll geregelt werden, wer bei GZO zu welchen Tätigkeiten eingesetzt wird. Anfang April soll es einen weiteren Gerichtstermin geben.

Betriebsräte: „benachteiligt und gemobbt“

Kläger sind fünf über die IG Metall-Liste gewählte Betriebsräte. Diese sehen laut einem Bericht der „Emder Zeitung“ sich benachteiligt und gemobbt. Sie müssten aus ihrer Sicht schlechtere Tätigkeiten in dem Betrieb ausführen. Das habe mit ihrem Engagement für die IG Metall zu tun. Ob das tatsächlich so ist, sei unklar. Das Thema habe während der Verhandlung nicht zur Debatte gestanden.

Unterstützer des GZO in der Mehrzahl

Rund 400 Interessierte begleiteten nach Angaben der Zeitung den Prozess am Donnerstag, aus Platzmangel nur 200 im Verhandlungssaal in der Integrierten Gesamtschule. Die Unterstützer des GZO seien dabei klar in der Mehrzahl gewesen. Die IG Metall hatte im Vorfeld vor der Schule protestiert. Es sei friedlich geblieben, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Solidarität einer ganzen Region

Die IG Metall berichtet von „großer Solidarität einer ganzen Region“. Ihr zufolge hatten sich vor der Schule rund 500 Kollegen versammelt, um den fünf GZO-lern den Rücken zu stärken. Im Kern geht es für sie um die Frage, ob die Zwangsversetzung der fünf Metaller rechtens war. In einer Pressemitteilung gibt die Gewerkschaft der Vermutung Raum, es könne sich dabei „um eine reine Schikane gegen engagierte Betriebsräte“ gehandelt haben.

Gründung eines Betriebsrats 2014

Ausgangspunkt des Konflikts war nach Darstellung der Gewerkschaft die Gründung eines Betriebsrats im Juli 2014. Die fünf Metaller seien Kandidaten gewesen und hätten für die IG Metall geworben. Daraufhin habe die GZO die fünf Metaller zweimal versetzt, jeweils auf schlechtere Arbeitsplätze mit weniger Verdienstmöglichkeiten und weit weg von anderen Kollegen, so die IG Metall. Zuletzt hätten sie vor der Werkshalle Stahlteile mit Brennschneidern zerkleinern müssen – obwohl sie alle eine abgeschlossene Ausbildung hätten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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