23.06.2022

Elektronische AU-Bescheinigung (eAU): Erste positive Bilanz der Pilotphase

Seit Beginn dieses Jahres übermitteln die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen eines Pilotprojekts die elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) an Arbeit gebende Unternehmen. Die Bilanz des GKV-Spitzenverbands fällt nach den ersten 12 Wochen positiv aus. Mehr als eine Million Datensätze wurden im ersten Quartal zwischen den Krankenkassen und Arbeit gebenden Unternehmen ausgetauscht. Ausreichend ist dies allerdings nicht. Es wird die Unterstützung und kurzfristige Umsetzung der Ärzte gefordert, um einen funktionierenden Regelbetrieb zu erzielen.

elektronische AU-Bescheinigung

Erste Ergebnisse der Pilotphase stimmen zuversichtlich

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Dr. Doris Pfeiffer, zeigt sich dennoch zuversichtlich aufgrund der ersten Ergebnisse der Pilotphase. Sie ist der Ansicht, dass die elektronische AU-Bescheinigung in absehbarer Zeit und in vollem Umfang umgesetzt werden könne. Über eine Million zwischen Kassen sowie Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen übermittelte Datensätze seien ein positives Zeichen dafür, dass dieser Teil des Verfahrens funktioniere.

Ärzte noch in der Bringschuld

Unter den Datensätzen sind es etwa 500.000 Anfragen von Arbeit gebenden Unternehmen und knapp 600.000 Rückmeldungen der Kassen. Alle Anfragen von Arbeitgebern konnten die Kassen beantworten, in 80 Prozent der Fälle auch mit eAU-Daten. Probleme bei der Beantwortung der Anfragen resultierten meistens daraus, dass keine eAU bei der Kasse vorlag, weil die jeweilige Arztpraxis sie nicht übermittelt hatte. Ärztliche Praxen sind allerdings seit Beginn dieses Jahres verpflichtet, die elektronische AU-Bescheinigung für ihre Patientinnen und Patienten an die Krankenkasse zu senden. Die Übermittlung unterstützt eine Telematikinfrastruktur, mit der allerdings noch nicht alle Praxen ausgestattet sind. In diesen Fällen werden die Krankmeldungen noch auf herkömmliche Weise ausgedruckt und den Patienten mitgegebenen.

Pilotphase bis Ende des Jahres

Doris Pfeiffer appelliert daher an die Mediziner und Medizinerinnen, die eAU kurzfristig umzusetzen und möglichst viele digitale Krankmeldungen auszustellen. Das sei die Voraussetzung für einen funktionierenden Regelbetrieb. Besonders im ersten Teil des Verfahrens – also bei der Übermittlung der eAU von ärztlichen Praxen an die Kassen – seien reibungslose Abläufe notwendig. Diese Pilotphase für Arbeit gebende läuft nach der aktuellen gesetzlichen Änderung bis zum 31. Dezember 2022. Bis dahin sind Beschäftigte weiterhin verpflichtet, ihren Arbeitgebern die Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen.

Durch eAU Entlastung der Versicherten

Arbeit gebende Unternehmen sind nicht verpflichtet, an dem Pilotprojekt teilzunehmen, es wird aber empfohlen, da sie in dieser Testphase die Möglichkeit haben, ihre internen Abläufe auf eAU-Tauglichkeit zu erproben. Bereits seit Jahrzehnten erfolgt der Austausch über Prozesse, die zwischen Arbeit gebenden und Kassen mittlerweile etabliert sind. Anstelle der Telematikinfrastruktur wird der dafür eingerichtete Kommunikationsserver genutzt. Die Einführung der eAU bedeutet eine Entlastung der Versicherten, insbesondere durch Neuverteilung der Aufgaben innerhalb des Krankmeldungsprozesses. Die Arztpraxen stehen in der Pflicht, die Arbeitsunfähigkeitsdaten an die Krankenkasse zu übermitteln. Die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen wiederum müssen die eAU ihrer Mitarbeitenden aktiv bei den Kassen einfordern. Die versicherten Patienten müssen ihre Unternehmen nach wie vor über ihre Arbeitsunfähigkeit sowie die voraussichtliche Dauer informieren.

Autor*in: Andrea Brill (Andrea Brill ist Pressereferentin und Fachjournalistin.)