News | Geschäftsführung Betriebsrat
20.11.2015

Einkaufsverband drängt auf Sozialstandards

BME Strategie 2030: Sozialstandards bei weltweitem Einkauf.

Die Globalisierung macht eine Pause. Ob alle aus der Pause wieder so zurückkehren, wie sie hineingegangen sind, ist noch die Frage. Im Sozialbereich deuten sich jedenfalls nicht unwichtige Umwälzungen an. Darauf lassen Einschätzungen von Seiten der Einkäufer hoffen.

Einkauf Sozialstandards© fotomek /​ fotoilia.com

Textilfabrikbauten in Billiglohnländern Asiens

Geschäftsführung Betriebsrat. Berlin. 20. November 2015 – Einstürzende Textilfabrikbauten in Billiglohnländern Asiens bald Vergangenheit? Wie lange sich das Fragezeichen hält, hängt nicht unwesentlich vom Verhalten der Einkäufer in den Industrieländern, nicht zuletzt in Deutschland ab. Anzeichen für einen Wandel im Einkaufsverhalten gab es auf dem 50. Symposium Einkauf und Logistik des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) in Berlin vorige Woche.

Entwicklungsschritte in aufstrebenden Volkswirtschaften

Viele aufstrebende Volkswirtschaften hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten den ersten großen Entwicklungsschritt gemacht, indem sie ihre Industriesektoren aufbauten. Nun komme diese Phase zu einem Abschluss. „Die Globalisierung macht eine Pause“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank auf der Veranstaltung.

Entwicklungen im sozialen Bereich

Die seinen Einschätzungen zugrunde liegenden Zahlen seien kompatibel zu den Entwicklungen im sozialen Bereich. Kater bezeichnete „Themenwelt Betriebsräte“ gegenüber die extremen Kostenunterschiede zwischen der Ersten und der Dritten Welt in den letzten Jahrzehnten als eine „eher unnormale Phase der Ausbeutung“. Derzeit ebneten sich diese Kostenunterschiede langsam ein.

Einkäufer in Deutschland gefordert

In diesem Kontext sehen sich vor allem Einkäufer in Deutschland gefordert. Sein Verband habe mit seinen 9.300 Mitgliedern und deren jährlichem weltweiten Beschaffungsvolumen von 1,25 Billionen Euro 2013 die Notwendigkeit zum Handeln auch für sich selbst erkannt, sagte Dr. Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des BME. Der Einkäuferverband bereite sich im Rahmen seiner Strategie „BME 2030“ mit neuen Ansätzen, Leistungsangeboten und internationaler Ausrichtung auf die Zukunft vor.

Ethisch verantwortungsvoller Einkauf und Logistik

Feldmann gegenüber „Themenwelt Betriebsräte“: „Wir haben seit vielen Jahren einen entsprechenden Code of conduct.“ Damit verpflichten sich die Mitgliedsunternehmen von Mindeststandards beim Einkauf, von Kinderarbeit über Umweltschutz bis hin zu Antikorruption und Wettbewerbsrecht. Feldmann: „Unser Verständnis von ethisch verantwortungsvollem Einkauf und Logistik bildet das Fundament auch von ‚BME 2030‘.“

Zusammenarbeit mit Bundesregierung

Feldmann wandte sich in diesem Zusammenhang gegen Bestrebungen, die Probleme durch staatliche Eingriffe weltweit regeln zu wollen. Man arbeite aber zusammen mit der Bundesregierung etwa an Zulieferkooperationen zur Förderung von nachhaltiger Beschäftigung in Billiglohnländern.

Erster Pharma-Supply-Chain- und –Logistikkongress

Als Beispiel für seine nachhaltige Strategie und Sozialstandards nannte Feldmann den vom BME durchgeführten, seinen Angaben zufolge ersten weltweiten Pharma-Supply-Chain- und -Logistikkongress vom 22. bis 25. Februar 2016 in Frankfurt/M. Hier werde neben Best Practices des Einkaufes erstmals für eine Branche, hier der Pharmaindustrie, deren Verantwortung etwa im Rahmen der Versorgung mit Arzneimitteln in Drittweltländern schwerpunktmäßig berücksichtigt.

 

Autor: Friedrich Oehlerking 

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