Interview | Wirtschaftswissen
28.01.2015

Einenkel nach Opel-Aus in Bochum: Falschinformation und Manipulation

Über zehn Jahre Kampf gegen die Schließung des Bochumer Opel-Werkes. Ende letzten Jahres ist es soweit. Opel stellt seine Automobilherstellung hier ein. Doch der Kampf der Bochumer Kollegen geht weiter, im Interesse der anderen Opel-Standorte, der Mitarbeiter in der Transfergesellschaft, eines Lebens nach Opel, wie Rainer Einenkel (60), bis Ende 2014 Betriebsratsvorsitzender Werke Bochum und Aufsichtsratsmitglied der Adam Opel AG, jetzt erklärt. Einenkel lässt derzeit gerichtlich das Aus für Opel-Bochum klären. Der Hauptvorwurf: Falschinformation und Manipulation durch das Management.

Einenkel nach Opel-Aus in Bochum: Falschinformation und Manipulation@ Stahlkocher /​ Wikipedia (zur Wiederverwendung gekennzeichnet)

Bochum. 27. Januar 2015 – Das gerichtliche Nachspiel der Werksschließung von Opel Bochum Ende letzten Jahres nimmt Fahrt auf. Wie Rainer Einenkel jetzt im ersten Interview nach Beendigung seiner Betriebsratstätigkeit bei Opel Bochum mit dem Informationsdienst „getfax.de“ ankündigt, gehe es dabei um nicht weniger als den Vorwurf der Falschinformation. Der gesamte Aufsichtsrat soll demnach durch das Management über die Pläne falsch informiert worden sein, die Produktion des Familienwagens „Zafira“ Ende 2014 von Bochum ins Stammwerk nach Rüsselsheim zu verlagern.

Einenkel: Werks- und Kostenvergleiche manipuliert

Einenkel: „Die vorgelegten Werks- und Kostenvergleiche wurden nachweisbar zum Nachteil des Werkes Bochum manipuliert.“ Daneben gehe es um die Zusammensetzung des Aufsichtsrates. Sie sei nicht rechtmäßig zustande gekommen. Einenkel: „Wir wollen vom Gericht konkret feststellen lassen, ob die Vertreter von General Motors im Opel-Aufsichtsrat ordnungsgemäß bestellt waren, als sie im April 2013 das Ende der Fabrik im Ruhrgebiet einleiteten.“

Schließung nicht rückgängig zu machen

Die Klage wurde bereits im Sommer 2013 eingereicht, wie Treffpunkt Betriebsrat berichtete. Die Schließung des Werkes in Bochum werde damit nicht rückgängig gemacht werden, so Einenkel jetzt. Aber der Gerichtsstreit müsse auch im Interesse der Kollegen anderer Standorte fortgeführt werden. Man müsse wissen, dass Zusagen auch eingehalten werden und alles zur Wahrung von Arbeitsplätzen getan wird, dass „man Arbeitnehmerrechte nicht mit Füßen treten kann“, so Einenkel.

Rechtsstreit wichtig bei eventuellen weiteren Werksschließungen

Dies könnte wichtig werden, sollten weitere Standorte von einer Schließung bedroht werden. Einenkel: „Es kann nicht sein, dass europäische Mitbestimmungsstandards nach dem Willen der US-Mutter als beliebig verschiebbare Verhandlungsmasse behandelt werden.“

Sanierungsplan des Managements

Am Anfang hätte ein Sanierungsplan des Managements gestanden. Danach hätte Opel zum Jahresende 2014 unwiderruflich die Autoproduktion im Ruhrgebiet beenden sollen. Dazu gehörte ferner ein mit der IG Metall ausgehandelter Tarifvertrag.

Keine verbindlichen Zugeständnisse an Bochumer Opelaner

Im Gegenzug sei lediglich angeboten worden, die Fahrzeugfertigung erst Ende 2016 zu schließen. Das Management sollte aber jederzeit aus den Zusagen für Bochum aussteigen können. Alle anderen Werke hätten langfristige Produktionszusagen bekommen.

Bochum als einzige Belegschaft dagegen

Als einzige Belegschaft in Deutschland habe man in Bochum mit 76 Prozent der Belegschaft dagegen gestimmt. Man wollte so faire Verhandlungen und einen Verzicht auf die Schließung erreichen. Bis zum Schluss hatte man auf ein Einlenken der Unternehmenseigner in Detroit gehofft. Vergebens, resümiert Einenkel heute. Ihm zufolge habe es keinen Kompromiss gegeben.

Detroit bleibt hart

Einenkel: „Die Konzernspitze in Detroit ließ sich nicht erweichen.“ Sie habe bis zum Schluss in der Schließung der traditionsreichen Bochumer Fabrik einen wichtigen Bestandteil in ihrer Strategie gesehen, um das defizitäre Europageschäft bis Mitte des Jahrzehnts in die Gewinnzone zu bringen.

2.500 Opelanern droht Arbeitslosigkeit

Von ursprünglich 3200 Beschäftigten zum Jahresbeginn haben mittlerweile rund 300 einen neuen Job in anderen Opel-Werken und außerhalb von Opel gefunden. Weitere 265 werden noch in das Warenverteilzentrum in Bochum wechseln, das vom Opel-Partner Neovia betrieben wird. Über 2.500 Opelanern droht die Arbeitslosigkeit.

Sozialtarifvertrag ohne Beteiligung des BR Opel-Bochum verhandelt

552 Millionen Euro stellt der Konzern unter anderem für Abfindungen und die Einrichtung von Transfergesellschaften bereit. In der Transfergesellschaft, die je nach Alter ein bis zwei Jahre, im Einzelfall sogar drei Jahre genutzt werden kann, wird im ersten Jahr 80 Prozent, im zweiten 75 und im dritten 70 Prozent des letzten Nettoverdienstes als Bruttozahlung gezahlt.

Dem ganzen liegt ein Sozialtarifvertrag zugrunde. An den Verhandlungen dazu sei man nur auf dem Umweg als Mitglieder der IG Metall beteiligt gewesen – nicht mehr aber als Betriebsrat von Opel Bochum. Der ist Geschichte.

Den vollen Wortlaut des Exklusivinterviews lesen Sie auf www.getfax.de. 

Aktuelle Berichterstattung über die Verhandlungen bei Opel finden Sie auch hier: www.wir-gemeinsam.eu 

Bildnachweis: Wikipedia (zur Wiederverwendung gekennzeichnet), hochgeladen von: Stahlkocher

Autor: Friedrich Oehlerking 

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