News | Personalrat
24.06.2016

Eine Ausbildung für Kinderkrankenpflege und Altenpflege?

Der Pflegekraftmangel soll u.a. durch eine Ausbildungsänderung behoben werden. Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Ausbildung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege ab 2018 zusammengelegt werden. Vor kurzem fand im Deutschen Bundestag eine kontrovers geführte Anhörung aller wichtigen Gruppierung zu dem Vorhaben statt.

Kinderkrankenpflege© nonmim /​​​​​​​​​​​​ iStock /​​​​​​​​​​ ​​​​​​Thinkstock

Mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel sei die nachhaltige Sicherung der Fachkräftebasis eine wichtige Aufgabe. Das Ziel sei, ,,die Pflegeberufe zukunftsgerecht weiterzuentwickeln, attraktiver zu machen und inhaltliche Qualitätsverbesserungen vorzunehmen. Diese von der Bundesregierung geplante Ausbildungsreform in den Pflegeberufen wird von vielen Fachleuten grundsätzlich unterstützt und als Chance für eine Aufwertung der Branche angesehen. Für den Caritasverband sei die generalistische Pflegeausbildung in Modellprojekten erprobt und europaweit üblich. Die Herausforderung des demografischen Wandels ließe sich mit einer weiter getrennten Ausbildung nicht bewältigen.

Die Zusammenführung der bisher drei getrennten Ausbildungen Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung hält jedoch ein Teil der Fachleute für kritisch. Vor allem in der Kinderkrankenpflege wird ein Verlust an Fachkompetenz befürchtet.

Niveau der Kinderkrankenpflege erhalten

Die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland erklärte, unter keinen Umständen dürfe die Reform dazu führen, „dass sich das Qualitätsniveau im Bereich der Kinderkrankenpflege verschlechtert“. Eine zusätzliche Nachqualifizierung sei den Pflegenden nicht zuzumuten, zumal in der Kinderkrankenpflege schon jetzt in vielen Bereichen, etwa der Kinderonkologie oder Intensivmedizin, eine zusätzliche zweijährige Weiterbildung nötig sei. Zahlreiche Fachverbände der Kinder- und Jugendmedizin verlangten ebenfalls nachdrücklich, das grundlegend differenzierte Berufsbild der Kinderkrankenpflege zu erhalten.

Auch die Fachverbände für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie warben für die Erhaltung der getrennten Ausbildungszweige. So habe Deutschland mit der Altenpflege einen Beruf geschaffen, der auf die Pflege älterer und demenzkranker Menschen hervorragend abgestimmt sei. Pflegegeneralisten könnten in einer dreijährigen Ausbildung nicht die gleichen theoretischen und praktischen Kenntnisse erwerben, die heute in den Fachberufsausbildungen vermittelt würden. Aus Sicht der Verbände ist mit der geplanten Novelle „weder eine Steigerung der Attraktivität der Pflegeberufe noch eine Steigerung der Ausbildungszahlen zu erwarten“, sondern eher das Gegenteil. Die nötigen Nachschulungen kosteten Zeit und Geld.

Nach Ansicht des Arbeitgeberverbandes BDA kann mit der Einheitsausbildung der wachsende Fachkräftebedarf speziell in der Altenpflege nicht gedeckt werden. Die Reform werde dazu führen, dass der Personalmangel in der Altenpflege verstärkt werde. Statt Aufwertung der Altenpflege werde diese faktisch abgeschafft. Eine BDA-Sprecherin sagte in der Anhörung, Spezialwissen sei in der Pflege zwingend geboten. Es sei ein großer Unterschied, ein Frühchen oder einen dementen Patienten zu pflegen. Zudem könnte eine „Superkönner“-Ausbildung manche Schüler überfordern.
Auch der DGB wandte sich gegen eine bloße Zusammenlegung der drei unterschiedlichen Ausbildungen. Er setzt sich für das Modell der integrierten Berufsausbildung in der Pflege ein. Dabei würde einer ein- bis zweijährigen einheitlichen Grundausbildung eine Schwerpunktsetzung in allgemeiner Pflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege folgen.

Andere Experten loben aber gerade die geplante interdisziplinäre Ausrichtung der Ausbildung, weil in den Krankenhäusern immer mehr ältere Patienten gepflegt werden müssen und in den Pflegeheimen oft sehr kranke Bewohner lebten. Auch die Einführung eines Pflegestudiums und die Abschaffung des Schulgeldes für die Pflegeausbildung werden an dem Gesetzentwurf positiv hervorgehoben.

Nach Angaben der Bundesregierung entsteht mit der Reform der größte Ausbildungsberuf in Deutschland mit mehr als 133.000 Auszubildenden. Die generalistische Ausbildung solle auf alle Arbeitsfelder vorbereiten und einen Wechsel zwischen Pflegebereichen erleichtern. Ausgebildet wird mit dem Berufsziel Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird außerdem „angemessen“ vergütet. Der praktische Ausbildungsanteil soll künftig überwiegen. Das Studium dauert auch drei Jahre und soll vertieftes Wissen über Grundlagen der Pflegewissenschaft vermittel

Autor: Werner Plaggemeier 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen