News | Geschäftsführung Betriebsrat
03.08.2016

Edelmann-Betriebsrat widerspricht Geschäftsführung

Dierk Schröder sieht die Situation des Faltschachtelherstellers Edelmann positiv. Das kann er wohl auch, die Ergebnisse bestätigen das. Doch die Situation seiner Mitarbeiter sehen diese etwas anders als er. Allzu vollmundige Aussagen des Geschäftsführers stoßen auf Widerspruch.

Wochenarbeitszeit© Rudie /​ fotolia.com

Zuversicht Schröders

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Beschäftigungssicherung bei der Carl Edelmann GmbH in Heidenheim steht. Im Gegenzug wird unter anderem 37,5 statt 35 Stunden in der Woche gearbeitet. Zwei Jahre soll der Frieden halten, mindestens. Derartige Zuversicht strahlte Dierk Schröder noch vor kurzem in einem Interview mit der „Heidenheimer Zeitung“ aus.

Rosarote Brille

Ein Blick durch die rosarote Brille, der wohl den Tatsachen nicht ganz standhält. Jedenfalls nicht durch die Brille von Teilen der Beschäftigten, allen voran des Betriebsratsvorsitzenden Hans Schneiderhan. Der widerspricht einem Folgebericht der Zeitung zufolge in einer schriftlichen Stellungnahme jetzt im Namen seines Gremiums Schröders Aussagen.

Positive Umsatzentwicklung

Das Unternehmen steigerte voriges Jahr seinen Umsatz um sechs Prozent, von 238 auf nun 252 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter weltweit um rund 100 auf nun 2370. An 14 Standorten in aller Welt produziert Edelmann alles, was an Verpackung edel sein kann: vom Digitaldruck mit Metall-Lackierung über eingedruckte Schaltkreise und Batterien bis hin zu Verpackungen, die leuchten, aber gar keine Fernsehschirme enthalten.

Streit mit Betriebsrat vor einem Jahr

Schon vor einem Jahr war die Geschäftsleitung mit Betriebsrat und Gewerkschaft ver.di in Streit geraten. Damals hatte der Betriebsrat bei Fragen der Arbeitszeiterfassung und der Einhaltung der Tarifverträge erfolgreich für die Rechte der Belegschaft gekämpft – und die Geschäftsleitung damit herausgefordert.

Unverständnis und Unmut

Jetzt sind die Äußerungen des Geschäftsführers generell wieder „bei vielen Mitarbeitern auf Unverständnis und Unmut gestoßen“, so Schneiderhan. Die Mitarbeiter am Heidenheimer Standort seien sehr flexibel und arbeiteten durchaus auch am Wochenende. „Zehn-Stunden-Schichten sind zum Teil inzwischen angesagt, von den 37,5 Stunden Arbeitszeit sind zwei Stunden unbezahlt und eine halbe Stunde geht auf ein Freizeitkonto“, heißt es in der Stellungnahme.

Verhandlungen über die Standortsicherung

Die Verhandlungen über die Standortsicherung hätten bereits vor einem Jahr abgeschlossen werden können. Die Geschäftsleitung habe sie jedoch abgebrochen. „In der Zwischenzeit sind dann noch zudem die Streichungen von Prämien, Zulagen und freiwilliger Leistung erfolgt, was zum Teil zu einem Lohnverlust von bis zu 20 Prozent geführt hat“, schreibt der Betriebsrat.

Keine guten Zeiten für Mitarbeiter

Schröders Aussagen zu dem positiven Trend der Edelmann-Gruppe mögen weltweit stimmen, für Heidenheim jedoch sehen die Mitarbeiter keine guten Zeiten kommen. „Weniger Personal – Mitarbeiter-Kündigungen kommen fast täglich – wird die Flexibilität auf jeden Fall beeinflussen“, heißt es in der Stellungnahme Schneiderhans.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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