News | Mitbestimmung 14.06.2017

Dura-Betriebsrat einigt sich nicht mit Konzernspitze

Leisten und Blenden – bei Automotive-Zulieferer Dura in Plettenberg kann man das doppelt verstehen: die Mitarbeiter leisten, die Chefs blenden. Seit Monaten ringen Betriebsrat und Konzernspitze um sozialverträglichen Abbau von 250 Arbeitsplätze in dem Bereich „Leisten und Blenden“.

Erstellung eines Sozialplans gescheitert

Die Verhandlungen zur Erstellung eines Sozialplans sind gescheitert. Bis Ende April sollten sie eigentlich abgeschlossen, bis Ende des Jahres der Abbau von 250 der insgesamt 800 Stellen durchgeführt worden sein. Das jedenfalls hatte die Konzernspitze als Zeitrahmen vorgegeben. Doch ob der noch eingehalten werden kann, scheint nun mehr als fraglich.

Dura USA: Verhandlungen mit Betriebsrat gescheitert

Die Online-Plattform „come-on.de“ zitiert aus einer Pressemitteilung der US-Konzernleitung. Danach hält sie die Verhandlungen mit dem Betriebsrat definitiv für gescheitert. „Die Geschäftsführung bedauert das Scheitern der Gespräche. Wir erkennen an, dass beide Seiten die Verhandlungen in bester Absicht geführt haben und sich dabei entgegengekommen sind. Dennoch lagen wir am Ende zu weit auseinander“, meldet sich darin Dave Pettyes, Vize-Präsident Personal bei Dura Automotive (Executive Vice President for Human Resources) zu Wort.

IG Metall: inakzeptables Angebot

Die IG Metall spricht von einem inakzeptablen Angebot bei den Abfindungen. Dura soll jedem Entlassenen insgesamt nur 6.000 Euro angeboten haben. „Das ist sehr, sehr weit unter der Regelabfindung“, erklärt laut „come-on.de“ Torsten Kasubke, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis. Würde ein Arbeitnehmer vor Gericht gegen seine Kündigung klagen, würden ihm in der Regel pro Jahr der Beschäftigung rund 0,5 Gehälter als Abfindung gezahlt, rechnet Kasubke vor.

Das Prinzip hire and fire

Kasubke bestätigte, dass sich beide Parteien bereits vor Pfingsten vor dem Arbeitsgericht getroffen hätten. Dort habe der Richter auf Betreiben der Konzernleitung entschieden, dass eine Einigungsstelle eingerichtet werden soll. Diese besteht aus Vertretern der Konzernleitung und des Betriebsrates.  Beide Seiten könnten gegen die Einrichtung einer solchen Stelle Rechtsmittel einlegen. Die Dura-Geschäftsführung habe erklärt, dass eine Einigungsstelle vor allem bald Klarheit für alle Beteiligten schaffen und einen Sozialplan „im Rahmen der von Dura Leisten und Blenden begrenzten Möglichkeiten“ festlegen soll. Egal, ob nun die Einigungsstelle eingesetzt wird oder nicht – Kasubke hofft auf einen Abschluss der Verhandlungen noch in diesem Jahr.

Pettyes: Mindestanforderungen der Kunden nicht erfüllt

Die Dura-Konzernleitung will trotz oder gerade wegen der neuesten Entwicklungen bei Dura Leisten und Blenden weiter einen guten Kontakt zu den Kunden zu pflegen. „Höchste Priorität hat für uns nach wie vor die Erfüllung der Ansprüche unserer Kunden an Liefertreue, Stückzahl und Qualität zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Solange Mindestanforderungen der Kunden und zentrale Leistungskriterien jedoch nicht erfüllt werden, bleibt die Zukunft des Standorts weiter ungewiss“, erklärt Pettyes.

US-Konzerne machen keine Kompromisse

Kasubke findet es persönlich schade, dass nicht im Vorfeld der jetzigen Entwicklungen bereits vor Ort ein Kompromiss geschlossen werden konnte. „Mit ein bisschen gutem Willen hätten wir eine Lösung erzielt“, erklärt er. Große Probleme bei den Verhandlungen hätten laut des zweiten Bevollmächtigten der IG Metall im Kreis die Entscheidungen der Konzernspitze in den Vereinigten Staaten verursacht. Die US-Konzerne seien es nicht gewohnt, in Fällen wie Dura Kompromisse einzugehen. Die Rechte der Arbeitnehmer seien in den USA wesentlich stärker beschränkt als in Deutschland. „In den Vereinigten Staaten“, so Kasubke, „gilt nun mal leider das Prinzip hire and fire.“ Zu Deutsch: Heuern und Feuern.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)