News | Geschäftsführung Betriebsrat
28.09.2016

DMK-Betriebsrat wehrt sich gegen Betriebsratsbusting

Kein Mitarbeiter wird seinen Arbeitsplatz verlieren. Das versprach der Molkerei-Riese Deutsches Milchkontor (DMK). Wie sich jetzt immer mehr zeigt, gilt das offenbar nicht für den Betriebsratsvorsitzenden der Molkerei in Strückhausen. Er lehnt eine Versetzung an einen anderen Standort ab.

Betriebsrat Busting© GiZGRAPHICS /​ fotolia.com

Traditionsreicher Standort

Geschäftsführung Betriebsrat. Es ist ein traditionsreicher Standort. Das DMK-Werk Strückhausen (Landkreis Wesermarsch) ist allerdings in die Jahre gekommen. Nun wird es umgebaut. Die Pläne dafür stellte der Besitzer, der Molkerei-Riese Deutsches Milchkontor (DMK) bereits im Februar vor.

Erfahrener Molkereimeister gekündigt

Kein Mitarbeiter werde seinen Arbeitsplatz verlieren, versprach die Unternehmensleitung damals. Doch für einen Kollegen gilt die Zusage offenbar nicht. Der Vorsitzende des Betriebsrats, 50-jähriger Molkereimeister mit 26 Jahren Zugehörigkeit zum Werk eine erfahrene Fachkraft in der Produktion, erwartet seine Kündigung. Er gilt als „unbequemer“ Betriebsrat, berichtet „NWZ Online“.

NGG: Starker Tobak

„Starker Tobak“ ist das nach Meinung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Da soll ein Einzelner abgestraft und der Rest des Betriebsrats diszipliniert werden“, zitiert das Portal NGG-Geschäftsführer Matthias Brümmer in Oldenburg. So dürfe man mit Betriebsräten in Deutschland nicht umgehen. Das Kündigungsschutzgesetz stelle Betriebsratsmitglieder unter besonderen Schutz.

Babynahrung für DMK-Tochter

Das Werk in Strückhausen war jahrelang von Schließung bedroht. Im Februar waren der Presse damals „gute Nachrichten“ für die Mitarbeiter zu entnehmen. Am Standort werde fortan Babynahrung produziert. Der Haken: nicht mehr von der DMK GmbH, sondern von der Tochtergesellschaft DMK Baby Strückhausen GmbH. Dafür müsse eine neue Produktion aufgebaut werden. Deswegen seien Teile des Werks mittlerweile geschlossen. Sie würden frühestens im Herbst 2017 den Betrieb wieder aufnehmen.

Schicksal von 100 Beschäftigten

Ein sogenannter Interessensausgleich soll das weitere Schicksal der gut 100 Mitarbeiter in Strückhausen regeln. Danach bleibt ein Teil der Mitarbeiter vor Ort in Verwaltung, Technik oder als Bauhelfer tätig. Der andere Teil, größtenteils aus der Produktion, wechselt für die Umbauzeit an andere Standorte.

Beendigung der Betriebsratsarbeit

Auch der Betriebsratsvorsitzende hätte vorübergehend nach Zeven gewechselt – aber nicht unter Beendigung seiner Betriebsratsarbeit für die in Strückhausen verbleibenden Kollegen. Sein Einsatz am Standort Strückhausen sei aber nicht möglich, hatte man ihm mitgeteilt. So fand sich angeblich kein passender Arbeitsplatz für ihn.

Kündigungsschreiben ohne Angabe von Gründen

Nach NWZ-Informationen fragte ihn die Werksleitung in Zeven, ob er sich vorstellen könne, sein Mandat als Betriebsrat niederzulegen. Das habe er abgelehnt. Am Ende einer längeren Auseinandersetzung steht jetzt das Kündigungsschreiben. Darin sind nicht einmal Gründe genannt. Beobachter fragen: Soll hier ein unbequemer Betriebsrat bestraft werden?

Rücknahme der Kündigung und Entschuldigung gefordert

NGG-Chef Brümmer hält die Entlassung für „beispiellos“ und für rechtswidrig. „Ich erwarte eine Rücknahme und eine Entschuldigung“, sagte er. Der Betriebsratsvorsitzende selbst verweist auf das laufende Verfahren und will sich nicht öffentlich äußern. DMK will sich zu Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht äußern.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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