21.06.2018

Digitalisierung: Mehr Eigenverantwortung, mehr Druck

Die Digitalisierung und Automatisierung ist schon längst in den Betrieben angekommen. Als Betriebsrat geht es darum, mitzugestalten und mögliche Nachteile für die Arbeitnehmer abzuwehren. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung liefert Ansatzpunkte für die Betriebsratsarbeit.

Digitalisierung der Arbeitswelt

Überraschend an der Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist, dass im Zusammenhang mit Digitalisierung nicht unbedingt die Ängste vorherrschen: Fast 40 % der befragten Betriebsräte verbinden die neuen digitalen Technologien mit positiven Erwartungen und glauben, dass Beschäftigte mehr Möglichkeiten haben, eigenverantwortlich zu arbeiten.

Der Betriebsrat fordert Hilfe auf dem Weg zur Eigenständigkeit

Hier können Betriebsräte einhaken und beim Arbeitgeber einfordern, dass für eigenverantwortliches Arbeiten die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört die Qualifizierung der Arbeitnehmer auch in punkto Arbeitsorganisation. Schließlich bedeutet eigenverantwortliches Arbeiten auch, sich selbst sowie die Kommunikation mit Kollegen, Vorgesetzten und Personen außerhalb des Betriebes zu organisieren. Vor allem aber müssen die Arbeitnehmer lernen, sich selbst Grenzen zu setzen.

Kernthema Solidarität

Die zunehmende Konkurrenz unter Kollegen ist ein ernstes Thema für den Betriebsrat. Appellieren Sie in Betriebs-versammlungen und der allgemeinen Kommunikation immer wieder an die Solidarität.

So holen Sie den Arbeitgeber mit ins Boot

Der Hinweis auf sinkende Arbeitszufriedenheit könnte eine Chance sein, den Arbeitgeber mit ins Boot zu holen. Denn unzufriedene Arbeitnehmer sind selten motiviert. Versuchen Sie mit dem Arbeitgeber eine Befragung zur Motivation und Arbeitszufriedenheit auf die Beine zu stellen. Daraus können sich Ansatzpunkte für Verbesserungen ergeben, die im beiderseitigen Interesse liegen.

Folgen der Arbeitsintensivierung

Arbeitnehmer sind starkem Druck ausgesetzt. Sie müssen immer mehr Aufgaben in der gleichen Zeit erledigen oder Aufgaben übernehmen, für die sie nicht richtig qualifiziert sind. Die Folge können psychische Gefährdungen bis hin zum Burnout sein. Unter diesem Licht lässt sich auch der in vielen Studien (z.B. vom Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, BAuA) dargestellte Anstieg der psychisch bedingten Krankheitstage erklären. Betriebsräte haben hier zwei Ansatzpunkte:

  • Versuchen Sie eine Betriebsvereinbarung zum Thema Arbeitnehmerqualifizierung abzuschließen. Achten Sie darauf, dass auch die geringer qualifizierten Arbeitnehmer mitgenommen werden.
  • Achten Sie im Arbeitsschutzausschuss darauf, dass neue Gefährdungen (insbesondere auch die psychischen) beurteilt und entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung eingeleitet werden.

Computer geben immer mehr Arbeitsschritte vor

Datenschutz immer wichtiger

Wie die Befragung zeigt, ist der Datenhunger der Geschäftsführungen groß: Die Arbeitnehmervertreter berichten von mehr Verhaltens- und Leistungskontrollen durch die Arbeitgeber. Hier empfiehlt es sich, die seit 1. Mai 2018 geltende Datenschutzgrundverordnung sorgfältig zu prüfen und zu analysieren, inwieweit die datenschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Betriebsräte sollten sich auch wehren, wenn Arbeitgeber einfach so neue Verfahren und Kontrollen
einführen. In sehr vielen Fällen sind solche Maßnahmen mindestens beteiligungs-, oft sogar mitbestimmungspflichtig.

Download Symbol

Wie Sie als Betriebsrat beim Datenschutz effektiv mitbestimmen, erfahren Sie im kostenlosen Download

Mitbestimmen beim Datenschutz als Betriebsrat

Digitalisierung in Betrieben

Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)