20.08.2020

Der gezwungene Wechsel ins Homeoffice war eine positive Erfahrung

Nach einer von der Krankenkasse DAK in Auftrag gegebenen Studie war der aus Gründen des Infektionsschutzes nötige Wechsel ins Homeoffice für viele Arbeitnehmer eine positive Erfahrung, weil weniger Stress, mehr Zeit für die Familie, weniger Fahrzeit und -kosten und sogar eine höhere Produktivität bestand. Viele Betroffene wollten das Homeoffice nicht mehr missen. Die Öffentlichkeit wurde über die Studie in breitem Rahmen Mitte Juli 2020 informiert. Doch es gibt auch andere Meldungen.

Homeoffice

Homeoffice durch Corona – eine Zwischenbilanz

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Forschungsinstitute IGES und Forsa hatten für die DAK-Studie vor und während der Pandemie jeweils rund 7000 Beschäftigte befragt. Von denen, die inzwischen regelmäßig zu Hause arbeiten, sagten 56 Prozent, sie seien dort produktiver als im Büro. Zwei Drittel erklärten zudem, sie könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Ähnlich viele freuten sich über den Zeitgewinn, seit das Pendeln zum Arbeitsplatz weggefallen ist.

Fühlten sich vor der Pandemie 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, waren es während der Corona-Krise nur 15 Prozent. Der Anteil der Erwerbstätigen, die nie oder nur gelegentlich gestresst waren, stieg unterdessen von 48 auf 57 Prozent.

Trennung zwischen Job und Privatleben

Der DAK-Vorstandschef Andreas Storm erklärte hierzu: „Von zu Hause aus zu arbeiten, senke nicht nur die Ansteckungsgefahr vor Virusinfektionen, sondern zahle sich auch für das seelische Gleichgewicht aus. Die positiven Erkenntnisse müsse man für die Zukunft nutzen – ohne die negativen Aspekte des Homeoffice zu übergehen, die es ebenfalls gebe.“ Denn fast jeder Zweite vermisst laut der Studie die klare Trennung zwischen Job und Privatleben. Bei den 18- bis 29-Jährigen bemängelt das sogar eine Mehrheit von 52 Prozent. Drei Viertel der Befragten fehlt zudem der direkte Kontakt zu den Kollegen.

Eine Arbeitsform für die Zukunft?

Viele Betroffene wollen das Homeoffice trotzdem nicht mehr missen: 76,9 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Coronakrise regelmäßig in der eigenen Wohnungen arbeiten, möchten diese Arbeitsform auch in Zukunft – zumindest teilweise – beibehalten.

Doch es gibt auch andere Meldungen zur Entwicklung beim Homeoffice. So meldete das ZDF in seinem Online-Dienst am 25.7.2020, dass es nach der ersten Corona-Welle einen klaren Trend vom Homeoffice zurück ins Büro gegeben habe. Anfang Juli sollen angeblich gerade mal sieben Prozent ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet haben. Vor der Krise hätten knapp 20 Prozent der Beschäftigten mindestens gelegentlich im Homeoffice gearbeitet. Nun seien es in der alternierenden Form gerade mal 22 Prozent. Doch der für diese Zahlen verantwortliche Forscher Voigtländer beim Institut der Deutschen Wirtschaft erklärte gegenüber dem ZDF, dass es mittelfristig deutlich mehr Beschäftigte im Homeoffice geben werde.

Firma Siemens erweitert sogar auf Mobile Arbeit

Mitarbeiter von Siemens sollen auch nach der Corona-Pandemie nicht mehr jeden Tag in ihr angestammtes Büro kommen müssen. Der Vorstand habe ein „New Normal Working Model“ verabschiedet, das ortsunabhängiges Arbeiten in weit größerem Ausmaß als bisher möglich machen soll.

„Ziel ist, dass alle Beschäftigten weltweit im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche mobil arbeiten können – und zwar immer dann, wenn es sinnvoll und machbar ist“, teilte der Münchener Technologiekonzern Mitte Juli 2020 mit. „Damit verbunden ist auch ein anderer Führungsstil, der sich an Ergebnissen orientiert, nicht an der Präsenz im Büro“, sagte der designierte Vorstandschef Roland Busch.

Bei dem Konzept gehe es ausdrücklich nicht nur um Arbeiten am heimischen Schreibtisch, wie es in der Coronakrise wegen der Ansteckungsgefahr für bis zu 300.000 Siemens-Mitarbeiter Alltag geworden war. Jeder Mitarbeiter solle – in Absprache mit seinem Vorgesetzten – den Arbeitsort wählen, an dem er am produktivsten sei. Das könnten auch gemeinsame Büros außerhalb der Siemens-Standorte sein, etwa wenn der Weg dorthin kürzer ist. Absprachen seien etwa durch Online-Konferenzen möglich, von denen es schon jetzt bei Siemens über 800.000 pro Tag gebe. „Präsenz-Zeiten im Büro sollen das mobile Arbeiten sinnvoll ergänzen“, hieß es in der Mitteilung. Das Konzept, das während der Corona-Pandemie erarbeitet worden sei, solle sofort umgesetzt werden. Es gelte für mehr als 140.000 Mitarbeiter an rund 125 Standorten in 43 Ländern.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)