News | Personalrat 03.08.2015

Demographischer Wandel: Personalräte sollen „vor Ort“ beobachten

Der demografische Wandel ist auch für Personalräte bedeutend, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht sofort bemerkt wird. Die Bevölkerungsstruktur wird sich in Deutschland schon bald spürbar verändern. Die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung werden in den kommenden Jahren neu gewichtet werden müssen, nicht nur weil das Durchschnittsalter der Einwohner steigt und der Pflegebedarf zunimmt. Auch Personalmangel wird sich in vielen Regionen wegen des Wegzugs junger Menschen bemerkbar machen. Während die größeren Städte eher wachsen, dünnt der ländliche Raum weiter aus. Die Kommunen stellt das vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Das können Sie dem Datenportal „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung entnehmen.

Demographischer Wandel

In den Amtsstuben vieler Kommunalverwaltungen wird die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung nur selten Begeisterung finden. Die größeren Städte wachsen, was nicht immer nur positiv ist. Kleinere Gemeinden werden bevölkerungsmäßig weiter schrumpfen. Eine feste Strategie gegen diese Entwicklung fehlt auf nationaler Ebene, wenngleich zumindest der Bund über dieses Thema – besonders wegen der Sorge über die Fachkräftegewinnung – in den Gremien, u.a. in Ausschüssen des Deutschen Bundestags, schon seit einigen Jahren diskutiert. Klar ist nur: Die Kommunen werden zu Gestaltern des Wandels vor Ort. Doch vielen fehlt immer noch ein Konzept dazu. Konzeptionell ist auch festzulegen, wie mit dem demografischen Wandel einhergehend der personelle Wandel in den einzelnen öffentlichen Verwaltungen vonstattengehen kann. Begriffe wie Personalplanung oder Personalentwicklung sollten auch die Personalräte in ihren Gesprächen mit der Dienststellenleitung zum Thema machen. Dazu kommt die bessere Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit im Zusammenhang mit der Personalgewinnung.

Aus dem Datenportal „Wegweiser Kommune

Deutschland wird bis zum Jahr 2030 um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen. Das zeigt eine Bevölkerungsprognose aus dem Datenportal „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung. Für die Studie wurde die zahlenmäßige Entwicklung der Bevölkerung für Städte und Gemeinden ab 5.000 Einwohner sowie aller Landkreise berechnet. Demnach werden in 15 Jahren trotz zu erwartender hoher Zuwanderung in Deutschland nur noch 79,97 Millionen Menschen leben, 0,7 Prozent weniger als 2012.

Der Bevölkerungsrückgang verteilt sich alles andere als gleichmäßig. Die einzelnen Bundesländer und Regionen nehmen sogar eine teils gegensätzliche Entwicklung. Während Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland zum Teil mehr als jeden zehnten Bewohner verlieren, werden andere Länder wachsen. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gewinnen ebenso an Einwohnern wie die Flächenländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein – auch dies teilweise im zweistelligen Prozentbereich.

Städte wachsen, ländlicher Raum verliert

Vor allem für viele Gemeinden im ländlichen Raum dürften die Folgen des Bevölkerungsrückgangs dramatisch werden. Im sächsischen Hoyerswerda, in Bitterfeld-Wolfen und Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt oder im thüringischen Roßleben wohnen 2030 gut 26 Prozent weniger Menschen als 2012. Unterföhring und Feldkirchen bei München, das nordbadische Ilvesheim und Teltow im brandenburgischen Kreis Potsdam-Mittelmark hingegen erwarten einen Anstieg der Einwohnerzahl um mehr als ein Viertel.

Generell setzt sich der Trend fort: Städtische Regionen wachsen, der ländliche Raum verliert. Laut Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, ist es die zentrale Herausforderung, auch in einwohnerschwachen Regionen flexible Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine angemessene Gesundheitsversorgung in erreichbarer Nähe anzubieten.

Gefahr von Versorgungslücken für alte Menschen

Die zunehmende Alterung der Bevölkerung bedeutet einen erhöhten Pflegebedarf in den Kommunen. 2030 wird die Hälfte der Bundesbürger älter als 48,1 Jahre sein, während das sogenannte Medianalter 2012 noch 45,3 Jahre betrug. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg liegt es 2030 bei etwa 43 Jahren am niedrigsten. Am höchsten ist das Medianalter mit jeweils rund 53 Jahren in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Auch dieser Wert verändert sich regional ganz unterschiedlich. Auf der Ebene der Städte und Gemeinden wird die Spanne von 41 bis 63 Jahren (2012: von 37 bis 56 Jahren) reichen. „Jüngste“ Kommunen sind dann München, Unterföhring und Münster, „älteste“ Kommunen sind 2030 Bad Füssing im Kreis Passau, das brandenburgische Guben und Grömitz in Ostholstein.

In den kommenden 15 Jahren steigt die Zahl der Hochbetagten über 80 Jahre bundesweit um 47,2 Prozent auf über 6,3 Millionen. Mit seiner relativ jungen und wachsenden Bevölkerung wird sich Berlin gleichwohl auf einen Anstieg in dieser Altersgruppe um drei Viertel einstellen müssen. Hohe Zuwächse wurden auch für Schleswig-Holstein und Brandenburg errechnet. Moderater verläuft die Entwicklung im Saarland und in Nordrhein-Westfalen, die bis 2030 etwa ein Drittel mehr Hochbetagte verzeichnen werden.

Nur in vereinzelten Gemeinden werden 2030 weniger über 80-Jährige leben als 2012. So gibt es einen Rückgang von 17 Prozent und mehr im thüringischen Bad Blankenburg und Heringen in Osthessen. Die Zuwächse fallen sehr viel drastischer aus: So müssen Kirchheim bei München, Kropp in Schleswig-Holstein und Karlsfeld im Kreis Dachau mit einem Anstieg von mehr als 180 Prozent bei den Hochbetagten rechnen. „Mit dem Anstieg dieser Altersgruppe vergrößert sich auch der Unterstützungs- und Pflegebedarf in den Kommunen. Es gilt, frühzeitig der Gefahr von Versorgungslücken aufgrund fehlender Pflegekräfte entgegenzuwirken“, sagte Brigitte Mohn.

Autor: Werner Plaggemeier (Werner Plaggemeier ist Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“. )