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03.03.2015

Sparprogramm bei Daimler heftig umstritten

Verbessern ja, sparen um jeden Preis nein. Der Daimler-Konzern will die Effizienz in der Produktion verbessern – zu Lasten der Beschäftigten. So nicht mit uns, sagt der Betriebsrat. Er wirft der Konzernführung bei ihren Programmen zur Effizienzsteigerung unterschwellig „Unfug“ und „Blenderei“ vor – und hält mit eigenen Vorschlägen dagegen.

Startknopf für Startprogramm© imagefactory-studio /​ iStock /​ Thinkstock

Stuttgart. 3. März 2015 – Konzernchef Dieter Zetsche will die Effizienz des Unternehmens steigern. Vor kurzem hatte er einem Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ zufolge angekündigt, auf das auslaufende Sparprogramm „Fit for Leadership“ (bereit zur Führung) das Projekt „Next Stage“ (nächste Stufe) folgen zu lassen. Kernziele davon:

  • Umsatzrendite bei Pkw rauf auf 10 Prozent von bisher 8,5 Prozent,
  • Umsatzrendite Fahrzeuggeschäft insgesamt über den Marktzyklus hinweg rauf auf 9 Prozent.

Sparprogramm: Nächste Stufe angekündigt

Zetsches Vorschläge zu deren Erreichung beim Material:

  • Gleichteilestrategie: Kosten für Module und Baugruppen runter durch Vereinheitlichung über verschiedene Modelle hinweg,
  • Plattformstrategie: Kosten bei Entwicklung, Einkauf und Produktion runter: die vier Baureihen werden in sich stark standardisiert.

Aber zu Lasten der Beschäftigten auch:

  • Taktzeiten am Band runter,
  • produktionsnahe Tätigkeiten wie etwa der Logistik, also Belieferung der Produktion mit den benötigten Teilen, raus ins Ausland,
  • Produktion raus ins Ausland.

Effizienzsteigerung schon jetzt jährlich beträchtlich

Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hält der Zeitung zufolge dagegen. Man unterstütze das Ziel der Effizienzsteigerung. Allerdings werde sie jetzt schon jedes Jahr um zwei bis drei Prozent erhöht. Man liege derzeit unter zehn Prozent und könne trotzdem eine attraktive Dividende zahlen. Daimler hatte vor drei Wochen angekündigt, der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Rekorddividende von 2,45 Euro pro Aktie vorzuschlagen.

Zielerreichung nicht zulasten der Beschäftigten

Auch die Methoden zur Erreichung der Ziele unterstütze man. Sie dürften jedoch nicht zulasten der Beschäftigten gehen. Die Alterung der Belegschaft erfordere ohnehin Ausgleichsarbeitsplätze. Mit ihnen werde vermieden, dass die Beschäftigten durch die immer gleiche Tätigkeit am Fließband allzu einseitig belastet werden.

Produktion von Kernkomponenten

Bei der Verlagerung ins Ausland ließen sich bestimmte „Kernkomponenten“ festlegen, die auf jeden Fall weiter an inländischen Standorten produziert werden. Dadurch komme das Wachstum im Zusammenhang mit der Erschließung ausländischer Märkte auch den deutschen Standorten zugute, an denen für diese Teile dann entsprechend höhere Stückzahlen gebündelt werden.

Spargrogramm: Teilweise Unfug und Blenderei

Es sei zwar richtig, so Brecht, immer wieder zu schauen, wo man etwas verbessern kann. Dabei müsse man aber aufpassen, dass „kein Unfug geschieht“, zitiert das Blatt den Betriebsrat. Brecht wörtlich: „Bei solchen Programmen ist teilweise auch Blenderei im Spiel.“

Bildnachweis: © imagefactory-studio / iStock / Thinkstock

Autor: Friedrich Oehlerking 

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