News | Betriebsvereinbarung
05.08.2016

Daimler-Betriebsrat stimmt mobilem Arbeiten zu

Arbeit 4.0 – Arbeitsministerin Andrea Nahles hat soeben einen Dialogprozess dazu angestoßen. Neu ist die Idee nicht. Einige Firmen sind bereits Vorreiter. So Autobauer Daimler. Dort können Mitarbeiter mobil arbeiten – wenn die Aufgabe es zulässt. Eine neue Betriebsvereinbarung präzisiert, wann genau.

Gesamtbetriebsvereinbarungen© UBER IMAGES /​ fotolia.com

Mobil arbeiten kann nicht jeder

Betriebsvereinbarung. Mobil arbeiten – als Mitarbeiter von Versicherungsunternehmen, Softwarehäusern oder in der Verwaltung kein Problem. Doch am Fließband eines Automobilherstellers? Auch wohl so schnell nur schwer vorstellbar. Trotzdem hat man bei der Daimler AG in Stuttgart jetzt erste Weichen in die Zukunft gestellt.

Eckpunkte für Gesamtbetriebsvereinbarung

Dort einigten sich Konzern und Arbeitnehmervertreter auf Eckpunkte für eine neue Gesamtbetriebsvereinbarung. Danach sollen Beschäftigte des Unternehmens künftig ein Recht auf mobiles Arbeiten haben. Allerdings nur, sofern die Aufgabe dies zulässt. Damit wolle man die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben seiner Beschäftigten stärken, heißt es in einer Pressemitteilung dazu.

Absprachen zum mobilen Arbeiten

Führungskräfte und Beschäftigte sollen sich danach auf

  • Zeitpunkt,
  • Dauer und
  • Häufigkeit

des mobilen Arbeitens absprechen. Die Beschäftigten müssen dabei einhalten:

  • Gesetzliche und tarifliche Arbeitszeitregeln,
  • betriebliche Gleitzeitrahmen und
  • alle Schutzmechanismen der Arbeitszeitgesetze etwa für Ruhezeiten und Sonntagsarbeit.

Grenzen für Erreichbarkeit

Die Erreichbarkeit hat damit klare Grenzen. Wenn die Anwesenheit von Mitarbeitern im Betrieb erforderlich ist, wird auch dies zwischen Führungskräften und Teams abgesprochen. Mobiles Arbeiten außerhalb der örtlichen Gleitzeitrahmen ist stundenweise an Samstagen möglich. Die mobil geleistete Arbeitszeit wird blockweise pro Tag über das Zeitsystem erfasst.

Tarifliche Zuschläge

Tarifliche Zuschläge werden der Betriebsvereinbarung gemäß nur bei Anordnung der Arbeitsleistung zu zuschlagpflichtigen Zeiten durch die Führungskraft gezahlt. Die Väter der Vereinbarung versprechen sich von ihr Kreativ- und Produktivphasen der Beschäftigten sowie verbesserte Arbeitsprozesse. Sie sollen in Summe einen Mehrwert für das Unternehmen schaffen.

Betriebsrat sehr zufrieden

Der Betriebsrat des Konzerns zeigt sich sehr zufrieden mit der getroffenen Vereinbarung. Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Daimler AG: „Mit den neuen Regeln für mobiles Arbeiten machen wir einen großen Schritt in Richtung Selbstbestimmung und Vertrauen. Privat- und Berufsleben können damit noch besser vereinbart werden.“ Das Eckpunktepapier sei das Ergebnis eines breit angelegten Beteiligungsprozesses. Er spiegle Wünsche, Anregungen und Ideen der Belegschaft wider.

Beratung durch Wissenschaft

Schon im Sommer 2015 hatten rund 33.500 Mitarbeiter einen ausführlichen Online-Fragebogen zum Thema beantwortet. Der Fragebogen war gemeinsam von Unternehmen, Betriebsrat und dem wissenschaftlichen Partner Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) konzipiert und ausgewertet worden. Die Ergebnisse der Befragung waren dann in 37 Workshops in ganz Deutschland von Mitarbeitern aller Hierarchien diskutiert und weiterentwickelt worden.

Inkrafttreten noch in diesem Jahr geplant

Die Gesamtbetriebsvereinbarung soll in den nächsten Wochen endgültig verabschiedet werden. Noch in diesem Jahr soll sie in Kraft treten. Bei Daimler gibt es bereits seit 2009 eine Gesamtbetriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten. Mobiles Arbeiten am Produktionsband ist allerdings nicht umsetzbar. Das weiß man auch bei Daimler. Deswegen will man nach anderen Wegen suchen, um auch den dort beschäftigten Kollegen eine bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben zu ermöglichen.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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