14.12.2016

Daimler-Betriebsrat fordert Batterie-Produktion für Untertürkheim

Den Vorreiter machte der Betriebsrat von Volkswagen. Unter der Bedingung künftiger Batterie-Produktion stimmte er dem Zukunftspaket zu (wir berichteten). Nun fordern Betriebsräte auch anderer Autobauer eine solche in Deutschland. Bei BMW und Daimler ist man hellhörig geworden.

Batterieproduktion Elektroauto

Batterien made in Germany!

Geschäftsführung Betriebsrat. Batterien aus Deutschland für Elektroautos! Wie ein Schlachtruf erschallt es zunehmend vernehmbarer aus den Betriebsratszentralen von Wolfsburg, München und Stuttgart. Der Trend zur Elektromobilität wird nachhaltiger als bislang gedacht. Mittlerweiler machen sich nach Volkswagen auch die Betriebsräte von BMW und Mercedes Gedanken um die Arbeitsplätze. Grund: Für den Bau eines Elektromotors werden weitaus weniger Mitarbeiter benötigt als für die Produktion eines Verbrennungsmotors.

Investitionen am Batteriestandort Kamenz

Der Betriebsrat des Mercedes-Benz-Motorenwerkes in Stuttgart-Untertürkheim strebt den Aufbau von Fertigungskapazitäten von Batterien für Elektroautos am hiesigen Standort. „In der Belegschaft wird erwartet, dass das Unternehmen die Investitionen am Batteriestandort Kamenz in Sachsen nochmals prüft und auch Kapazitäten für die Produktion von Batterien in Untertürkheim schafft“, zitieren die „Stuttgarter Nachrichten“ den Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Nieke im Anschluss an eine Betriebsversammlung. Sie dauerte gut fünf Stunden. Mehr als 5000 Mitarbeiter aus dem Stuttgarter Werk hätten teilgenommen.

Hohe Flexibilität

Die Beschäftigten hätten bisher immer eine hohe Flexibilität gezeigt. Sie hätten die von den Fahrzeugwerken angeforderten Getriebe, Motoren und Achsen immer pünktlich geliefert. „Deshalb erwarten Belegschaft und Betriebsrat jetzt auch, dass das Werk Untertürkheim in Zukunft Batterien und elektrifizierte Antriebsstränge in die Fahrzeugwerke liefert“, fügte Nieke hinzu.

500 Millionen Euro für Kamenz

Bisher fertigt Daimler Batterien nur in Kamenz. Dort sollen laut einem Bericht der „Automobilwoche“ 500 Millionen Euro investiert werden. Noch einmal so viel soll in den Ausbau der Batterieproduktion nahe am Produktionsnetz fließen.

Neuausrichtung des Traditionsstandorts Untertürkheim

Im vergangenen Jahr hatte der Hersteller eine Neuausrichtung des Traditionsstandorts Untertürkheim angekündigt. Aus dem Motorenwerk bei Stuttgart soll ein Standort für CO2-effiziente Technologien wie Hybrid-Antriebe werden. Dafür investiert der Konzern mehrere Milliarden Euro bei erwarteten Einsparungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Zuletzt waren in Untertürkheim rund 19.000 Menschen beschäftigt. Für das kommende Jahr sind Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat über die Frage angekündigt, welche Teile für künftige E-Autos dort hergestellt werden.

Batteriezellen von BMW

Der Betriebsratsvorsitzende von BMW, Manfred Schoch, fordert angesichts der Absatzpläne bei Elektroautos auch eine eigene Produktion von Batteriezellen. „Ab einer gewissen Größenordnung lohnt sich die Eigenfertigung“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Eine tägliche Einfuhr von zweieinhalb Tausend Tonnen Batteriezellen per Container und just-in-time aus Korea hält er für wenig praktikabel.

Gemeinsame Batteriezellenproduktion

BMW-Chef Harald Krüger hat für das laufende Jahr das Ziel von rund 60.000 verkauften Elektroautos und Autos mit Hybridantrieb ausgegeben, für das kommende Jahr sogar von rund 100.000. Im Gespräch ist auch eine gemeinsame Batteriezellenproduktion mit anderen deutschen Herstellern. Krüger glaubt allerdings nicht, dass dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen würden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)