08.11.2017

Coty einigt sich mit Betriebsrat

Monatelang rang man. Zeitweise war Wirtschaftsministerin Zypries eingeschaltet – vergeblich: US-Kosmetik-Konzern Coty macht das Wella-Werk in Hünfeld dicht. 380 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Zuletzt stimmte auch der Betriebsrat zu – unter Auflage sozialverträglicher Regelungen.

Sozialplan Coty

Starker Sozialplan

Geschäftsführung Betriebsrat. Am Ende zeigen sich beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden. Man habe einen „starken Sozialplan entwickelt“, so Norbert Herr, Betriebsratsvorsitzender der HFC Manufacturing GmbH Hünfeld, in der „Fuldaer Zeitung“. Der Plan gehe auf die lokalen Bedürfnisse ein. Herr: „Das war uns als Betriebsrat besonders wichtig bei der Verhandlung.” HFC Manufacturing GmbH ist mit der Kosmetik-Marke Wella eine Tochterfirma des US-Kosmetikherstellers Coty. Coty will das Wella-Werk in Hünfeld schließen.

Zypries eingeschaltet

In mehreren Gesprächsrunden hatten Arbeitgeber und Arbeitnehmer diskutiert, wie die Schließung womöglich abgewendet werden könne. Zeitweise war sogar Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) eingeschaltet. Der Betriebsratsvorsitzende hatte den Abbau von 100 auf 280 Stellen, eine längere Wochenarbeitszeit und weniger Lohn ins Gespräch gebracht. Doch es nützte alles nichts, die Vorschläge konnten das Ende nicht verhindern.

Vereinbarungen für Interessensausgleich

2015 hatte US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble begonnen, seine Sparten für Kosmetikprodukte inklusive der Shampoo-Marke Wella an Coty zu veräußern. Der zog jetzt seinerseits die Notbremse. Die Produktion soll in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2018 auslaufen. Die in Hünfeld angesiedelten R&D-Kapazitäten verbleiben am Standort. Coty wird eigens dafür eines der vorhandenen Gebäude umrüsten.

Einzelgespräche mit Mitarbeitern

Im Ergebnis traf man nun für alle 345 betroffenen Mitarbeiter der Produktion von Wella in Hünfeld entsprechende Vereinbarungen für Interessensausgleich und Sozialplan. In den nächsten Wochen und Monaten will man die Einzelgespräche mit den Mitarbeitern führen, um auf Basis des Sozialplans die jeweils individuelle Lösung zu konkretisieren.

Zweifel an Rentabilität

Der Grund für das Aus des Wella-Werks durch Coty jetzt: Auf Dauer werde nicht rentabel genug produziert. Das habe eine Analyse ergeben. Im Rahmen der Reorganisation seiner weltweiten Produktions- und Logistikkapazitäten war Coty zu dem Ergebnis gekommen, dass es für die Produktion am Standort Hünfeld keine langfristige, nachhaltige Perspektive gibt. Coty will sich weiter für zusätzliche Optionen für den Standort in Hünfeld einsetzen.

Fremdunternehmen soll Investorenangebote einholen

Ein eigens engagiertes spezielles Unternehmen soll in einem standardisierten Verfahren Investorenangebote einholen und evaluieren. Coty produziert in Deutschland weiter in Rothenkirchen in Sachsen und in Köln. Diese Standorte sollen den Angaben zufolge ausgebaut werden. Der deutsche Hauptsitz befindet sich in Darmstadt. Im südhessischen Weiterstadt werde ein Verteilzentrum für Europa ausgebaut.

Möglicher Käufer Unternehmer Martin

Als derzeit heißester Interessent gilt der osthessische Unternehmer Marc Martin (49) aus Bad Salzschlirf. Nachdem Coty ihm zunächst die kalte Schulter gezeigt hatte, will man nun doch mit ihm über einen Verkauf des Wella-Werkes in Hünfeld sprechen. Das sagte Martin der Zeitung. Er will das Werk im Fall eines Kaufes weiterführen – mit wie vielen der heute 380 Mitarbeitern, hänge von den Verhandlungen zwischen Martin und Coty ab.

Umdenken bei Coty-Chef De Bruin

Ursprünglich wollte der Unternehmer das Werk nur kaufen, wenn Coty die Aufträge, die der Konzern jetzt in Hünfeld abwickelt, noch fünf Jahre dort ließe. Noch im September erklärte Martin dem US-Unternehmen, dass er das Wella-Werk auch dann kaufen wolle, wenn Coty nach dem Verkauf des Standorts alle Aufträge abziehen würde. „Marius de Bruin, Senior Vice President bei Coty, hat sich bei mir gemeldet. Das Unternehmen sei bereit, zeitnah Gespräche über einen Verkauf aufzunehmen“, zitierte das Blatt Martin. Er wolle Wella gemeinsam mit einem vermögenden Frankfurter Banker kaufen. Martin soll sein ursprüngliches Kaufangebot angepasst haben. Vermutlich reagiere Coty mit seiner neuerlichen Verhandlungsbereitschaft hierauf.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)