13.10.2017

Coca-Cola-Betriebsrat gegen Schließung Werk Weimar

Trink Coca-Cola! Der Aufforderung wollen offenbar Menschen kaum noch folgen. Der Getränkekonzern setzt immer weniger seiner Koffeinbrause um. Nicht unschuldig seien die Verbraucher, mutmaßt der Betriebsrat in Weimar. Er will die Schließung des Werkes verhindern. Prinzip Hoffnung.

Coca Cola Werksschließung Weimar

Verhandlungen mit der Geschäftsleitung

Geschäftsführung Betriebsrat. Lothar Ladusch, Betriebsratsvorsitzender am Coca-Cola-Produktionsstandort Weimar, will die Hoffnung nicht aufgeben. Betriebsrat und Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) haben vor dem Wochenende Verhandlungen mit der Geschäftsleitung aufgenommen. Rund 180 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. „Zum Glück haben wir einen Unternehmenstarifvertrag ‚Struktur‘, der den Ablauf der Gespräche regelt“, sagt Ladusch dem MDR. Er rechnet damit, schon am Montag oder Dienstag nach Berlin eingeladen zu werden. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hatte einen „Blick in die Bücher“ angekündigt. Die Belegschaft werde Vorschläge unterbreiten, den Weimarer Standort zu retten.

Gewerkschaft: Coca-Cola tut zu wenig

Für dessen Wirtschaftlichkeit zu wenig getan zu haben, wirft die Gewerkschaft Coca-Cola vor. Die in Ostdeutschland rentablen 0,5- und 1,5-Liter Mehrwegflaschen seien nicht mehr abgefüllt worden. Coca-Cola beklagt seinerseits Rückgänge beim Geschäft mit 1-Liter-PET-Flaschen. Es seien in Weimar Überkapazitäten produziert worden. Dagegen spricht die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten von einer schon lange getroffenen Management-Entscheidung, „einseitig auf Einweg- statt auf umweltschonende Mehrwegverpackungen zu setzen“.

Weitere Schließungen?

Nicht nur die Weimarer Niederlassung scheint vom aktuellen Sparkurs der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH betroffen. Laut dem MDR-Bericht werden in Berlin bald sieben weitere Maßnahmen verhandelt. Konsequenzen gingen bisher vom Abbau von Arbeitsplätzen bis zu Schließungen der Niederlassungen. So hat Coca-Cola die Zahl seiner deutschen Standorte nach Gewerkschaftsangaben seit 2012 von 60 auf 30 halbiert, darunter auch 17 produzierende.

Henselin: Schlechtes Gefühl

Der Referatsleiter für Getränke in der NGG-Hauptverwaltung Ulf Henselin kennt die Coca-Cola-Aktivitäten europaweit. In Sachen Weimar habe er ein schlechtes Gefühl. Der weltweit größte Getränkeproduzent setze auch in Deutschland verstärkt auf Einwegflaschen. Solange das vom Gesetzgeber nicht sanktioniert werde, sei die Verpackungsverordnung ein „stumpfes Schwert“, werde der Kunde zu den vermeintlich billigeren Einwegflaschen gelockt.

Waldquell gegen Einwegflaschen-Lobby

Auch Thomas Heß, Geschäftsführer der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH, kennt dieses Argument. Doch in Schmalkalden widersetzt man sich noch der Einwegflaschen-Lobby. Seine Erfolgsmarke „Vita Cola“, Marktführer in Thüringen und Nummer Zwei in Ostdeutschland, bietet Heß aktuell zur Hälfte in beiden Flaschenarten an. Und Mineralwässer zu über 80 Prozent als Mehrweg. Hier gehe der Trend sogar zurück zur Glasflasche. Die Kalkulation, drei Arbeitsplätze für die Getränkeproduktion in Mehrweg- und nur einer für Einwegflaschen, nimmt Waldquell dem MDR-Bericht zufolge in Kauf. „Wir sind unseren Preis wert und leben von der regionalen Verwurzelung“, zitiert der Sender Heß. Um die Coca-Cola-Mitarbeiter sei ihm nicht bange. Viele seien Facharbeiter, und an denen herrsche bekanntlich Mangel.

Kritik an Einwegstrategie

Mit dem Preis entscheide der Verbraucher am Kaufregal auch über regionale Arbeitsplätze. So kommentiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die neueste Entwicklung in Weimar. Seit Jahren kritisiert der Verbraucherschutzverband den Getränkekonzern wegen seiner Einwegstrategie. Weil Coca-Cola aktuell mit billigen Einwegflaschen in die Regale dränge, erhöhe der Konzern den Preisdruck auf seine eigenen Mehrwegangebote. Und die Listung bei Discountern sei momentan der einzige Wachstumsmarkt, sagt Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft der DUH. Dafür opfere man sogar das „Zugpferd“, die 0,5-Liter-Mehrwegflasche.

Wann stirbt die Hoffnung?

Die Hoffnungen der Coca-Cola-Mitarbeiter in Weimar werden diese Prognosen nicht stärken. Die meisten sind über 50, schätzen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt pessimistisch ein. Aber aufgeben will Betriebsrat Ladusch drei Tage nach der Botschaft nicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt, so Ladusch.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)