Fachbeitrag | Arbeitsrecht
04.08.2016

Chemikalienschutzhandschuhe: Es liegt in Ihrer Hand

Beim Umgang mit Chemikalien müssen die Beschäftigten in besonderem Maße geschützt werden. Das gilt besonders dann, wenn die Stoffe nicht durch ungefährlichere Substanzen ersetzt oder mit sichereren Verfahren verarbeitet werden können. In solchen Fällen brauchen die Kollegen eine persönliche Schutzausrüstung (PSA). Dazu zählen vor allem auch Chemikalienhandschuhe.

Arbeitsschutzausrüstung© Kaesler Media /​ fotolia.com

Arbeitsrecht. Hauterkrankungen nehmen eine traurige Spitzenposition unter beruflich bedingten Erkrankungen ein: Mehr als ein Drittel der bestätigten Berufskrankheiten der gewerblichen Wirtschaft entfällt auf Hauterkrankungen. Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten durch diese Ausfälle werden auf ca. 1,25 Milliarden Euro geschätzt. Bei der Arbeit mit Chemikalien werden die Hände – ohne Handschuhe – neben den Chemikalien selbst auch Feuchtigkeit und Hitze bzw. Kälte ausgesetzt. Bedenken Sie, dass die Wirkung der Substanzen nicht immer unmittelbar spürbar ist und teilweise verzögert auftritt.

Hinweis

Es genügt nicht, „irgendeinen“ Handschuh zu tragen. Der Handschuh muss sehr genau an den Einsatz angepasst sein.

Der Arbeitgeber muss die PSA zur Verfügung stellen

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Beschäftigten eine für ihre Tätigkeit geeignete persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Das bestimmt § 2 PSA-Benutzungsverordnung. Vor der Bereitstellung muss er den Mitarbeiter anhören (§ 29 Abs. 1 BGV A1). Bei der Auswahl und Erprobung der PSA haben Sie als Betriebsrat ein Mitwirkungsrecht. Dieses basiert auf § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG. Das heißt, es ist sinnvoll, die Situation in Ihrem Betrieb zu ermitteln: Wie gut sind die Beschäftigten durch ihre Handschuhe vor den Chemikalien geschützt? Wenn Sie hier Verbesserungsbedarf erkennen, sollten Sie gemeinsam mit dem Arbeitgeber und den Mitgliedern des Arbeitsschutzausschusses nach wirksamen Schutzmaßnahmen suchen.

Expertentipp

Am besten regeln Sie solche und weitere Fragen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes in einer Rahmen-Betriebsvereinbarung, die ein verbindliches Verfahren und verbindliche Beteiligungsrechte des Betriebsrats festlegt.

Legen Sie den Fokus auf die Auswahl

Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Schutzhandschuhe entsprechend der verwendeten Chemikalie ausgewählt werden. Nur so lässt sich ein wirksamer Schutz gewährleisten. Gute Handschuhe sollten folgende Kriterien erfüllen:

– Sie müssen gegenüber der Chemikalie eine Beständigkeit aufweisen und

– gegen eine Durchdringung der Chemikalie durch das Material schützen.

Beachten Sie die maximale Tragedauer

Ein Chemikalienschutzhandschuh ist nicht unbegrenzt tragbar. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Handschuh beim Tragen durch unsere Körpertemperatur auf etwa 33 Grad Celsius erwärmt. Das hat zur der Folge, dass die Dauer der tatsächlichen Schutzwirkung auf ein Viertel der nach der Norm bestimmten Zeit sinken kann. Am sichersten ist es daher, den Handschuh nach Chemikalienkontakt für maximal ein Viertel der vom Hersteller angegebenen Tragedauer zu benutzen. Eine längere Nutzungsdauer kann sich ergeben, falls die Angaben des Herstellers nicht bereits auf die erhöhte Temperatur abgestimmt sind.

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Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT)

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