14.01.2016

BP-Betriebsrat wehrt sich gegen Arbeitsplatzabbau

Vielen ist noch die Ölkatastrophe „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexico 2010 in Erinnerung. Strafzahlungen in Milliardenhöhe für Betreiber BP waren die Folge. Jetzt kommen Überkapazitäten am Ölmarkt und fallende Ölpreise hinzu. In Europa zieht BP die Notbremse – zuerst zulasten der Arbeitsplätze.

BP Europa plant größeren Stellenabbau

Geschäftsführung Betriebsrat. Die in Hamburg ansässige BP-Tochter BP Europa plant offenbar einen größeren Stellenabbau. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Die Rede ist von bis zu 800 Arbeitsplätzen in Deutschland. Damit wäre etwa jeder siebte der rund 5.000 BP-Jobs hierzulande gefährdet.

BP, Aral, Rosneft mit im Boot?

BP betreibt über die Bochumer Tochter Aral die größte deutsche Tankstellenkette und das zweitgrößte Raffineriesystem mit Werken in Lingen sowie gemeinsam mit der russischen Rosneft an den Gelsenkirchener Standorten Scholven und Horst.

Management verhandelt mit Betriebsrat

Das Management verhandele derzeit mit dem Betriebsrat über die Streichung von „mehreren Hundert Arbeitsplätzen“. Das habe ein Sprecher bestätigt. Konkrete Zahlen habe er jedoch nicht genannt. Ob betriebsbedingte Kündigungen geplant sind, habe er ebenfalls offengelassen.

Schwieriges Marktumfeld

Nur so viel: Der Konzern leide wie alle Mineralölfirmen derzeit „unter einem schwierigen Marktumfeld mit starkem Wettbewerb und hohen Überkapazitäten“. Derentwegen fällt der Preis für Rohöl derzeit ins Bodenlose. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete letzte Woche 37,36 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 70 Cent auf 37,17 Dollar.

Ölpreis eingebrochen

Der Einbruch der Rohölpreise trifft die Mineralölkonzerne hart, viele Anleger fliehen aus Ölwerten. BP ist dem Zeitungsbericht zufolge an der Börse gerade noch 61 Milliarden Pfund (rund 82 Milliarden Euro) wert – so wenig wie seit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nicht.

Weiterhin sinkender Ölpreis

Seit dem 1. Januar haben laut „Handelsblatt“ vor Weihnachten die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Für dieses Jahr rechnen demnach die Experten mit einem KGV von 15,3. Eine eher gewagte Prognose; denn angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten müsse mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen.

Strafe für „Deepwater Horizon“

Für die Folgen der Explosion seiner Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko im April 2010 muss BP 20,8 Milliarden Dollar (18,5 Milliarden Euro) Strafe zahlen. Darauf einigte sich der Konzern mit der US-Regierung im vergangenen Herbst. Elf Menschen kamen seinerzeit ums Leben, 3,19 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen nach Berechnung eines US-Gerichtes ins Meer.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)