08.04.2016

Bosch-Betriebsrat für Ausgliederung von Anlassersparte

Autozulieferer Bosch will seine Anlassersparte veräußern. Der Betriebsrat hat vor einem Verkauf der Anlassersparte aber deren Ausgliederung durchgesetzt. Dadurch gelang es ihm, Mitarbeiterrechte für ein Leben nach Bosch festzuzurren. Die Hoffnung auf bessere Umsätze schwang dabei mit.

Ausgliederun

Herzstück des Traditionsunternehmens Bosch

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Geschäftsbereich Starter Motors and Generators ist das Herzstück des Traditionsunternehmens Bosch. Es wird herausgerissen werden. Daran besteht kein Zweifel mehr. Fragen waren nur, wie schnell und in welchen Schritten. Die sind jetzt geklärt.

Vor Verkauf Ausgliederung

Erst hatte die Ausgliederung der Anlassersparte schon bis Ende vergangenen Jahres erfolgen sollen. Doch nun setzte der Gesamtbetriebsrat eine dem Verkauf vorgeschaltete Ausgliederung durch. Und die soll erst im zweiten Halbjahr dieses Jahres erfolgen. Eine entsprechende Grundsatzvereinbarung wurde Mitte März geschlossen.

Schwierige Verhandlungen

Der Vereinbarung vorausgegangen waren nach Angaben der IG Metall lange Auseinandersetzungen und schwierige Verhandlungen. Der Geschäftsbereich SG soll bis Mitte des Jahres als eigenständige Organisationseinheit gebildet werden. Die Details dazu müssten noch mit den Betriebsräten vor Ort verhandelt werden.

In Deutschland 1400 Mitarbeiter betroffen

Bosch hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sich von dem Bereich trennen zu wollen. Weltweit sind davon gut 6500 Mitarbeitern betroffen. In Deutschland arbeiten in der Sparte etwa 900 Beschäftigte in Hildesheim und 500 in Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg). Der Bereich entwickelt und produziert Starter und Generatoren für Personenwagen und Nutzfahrzeuge, die zur Verbrauchsreduzierung führen sollen, zum Beispiel als Bestandteil des Start-Stopp Systems.

Hoffnung auf Ertragsverbesserungen

„Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich die Ertragssituation als eigenständige Gesellschaft noch weiter verbessern wird“, sagte Bosch-Gesamtbetriebsratschef Alfred Löckle „Merkur.de“ zufolge der Deutschen-Presse-Agentur. Ein potenzieller Käufer oder Partner könnte den Geschäftsbereich Starter und Generatoren auf lange Frist zukunftsfähig machen und somit Arbeitsplätze sichern.

Mitarbeiter müssen noch zustimmen

Löckle wirbt bei den Beschäftigten um Zustimmung zu einer Ausgliederung. Man könne Vertrauen in den Plan haben. Allerdings dürfte er nicht ohne Auswirkung auf den Verkaufspreis bleiben. Denn die neue Tochter muss sich an Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen halten:

  • Die betriebliche Altersversorgung bleibt unverändert.
  • Die Strukturen der heute bestehenden Arbeitnehmervertretungen werden durch einen besonderen Tarifvertrag abgesichert. Damit werden beide Betriebe als ein gemeinsamer behandelt.
  • Die Mitarbeiter gehen die in die neue Gesellschaft über. Sie können im Falle einer betriebsbedingten Kündigung außerdem eine Weiterbeschäftigung beim Mutterkonzern verlangen. Das gilt auch im Falle eines Verkaufs.

Betriebsrat sieht gute Zukunftschancen

Die Zukunftschancen der für einen Verkauf vorgesehenen Anlasser-Sparte vom Technologiekonzern Bosch haben sich nach Einschätzung des Betriebsrats erhöht. Hauptkonkurrenten sind der japanische Zulieferer Denso oder die französische Valeo. Die Sparte bei Bosch gilt als nicht groß genug für diesen Wettbewerb. Die beiden Konkurrenten gehören aus kartellrechtlichen Erwägungen allerdings nicht zum engeren Kreis der Kaufaspiranten.

100 Jahre Bosch-Anlasser

In den vergangenen zehn Jahren habe der Bereich einen Verlust im hohen dreistelligen Millionen-Bereich angehäuft, bei einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2014 – hundert Jahre nach Vorstellung des ersten elektrischen Anlassers für Autos durch Bosch.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)