12.12.2016

Bombardier-Betriebsrat will um Jobs kämpfen

Wieder soll ein Traditionsstandort stillgelegt werden. Entsprechende Pläne des kanadischen Waggonbaukonzerns Bombardier zum Standort Hennigsdorf bei Berlin wurden jetzt bekannt. Lediglich die Entwicklung soll bleiben. Zum Überleben müsste man jedoch auch die Produktion am Standort fortführen.

Werksschließung Bombardier

Katastrophe für Beschäftigte und Region

Geschäftsführung Betriebsrat. „Eine Katastrophe“ nennt die Arbeitnehmerseite die Pläne des Bombardier-Konzerns. Er will in Hennigsdorf (Oberhavel) keine Züge mehr bauen. Als reiner Entwicklungsstandort sei das Werk nicht überlebensfähig. Der Standort ist das größte Werk in Deutschland.  2.500 Mitarbeiter sind dort derzeit beschäftigt.

500 Stellen bedroht

Die Arbeitnehmervertreter in dem Bombardier-Werk rechnen bei sich mit dem Wegfall von rund 500 Stellen bis Ende 2018. Diese Zahl nannte der Betriebsratsvorsitzende Michael Wobst am Dienstag voriger Woche im „rbb-Inforadio“. Unklar sei allerdings, ob die derzeitigen Pläne auch in die Tat umgesetzt würden. Möglicherweise könnte Wobst zufolge in Hennigsdorf doch noch die Fertigung von Prototypen verbleiben.

Keine Züge mehr aus Hennigsdorf?

Sicher ist demnach so viel: Der kanadische Bahntechnik-Konzern will die Produktion von Zügen in dem Werk nördlich von Berlin einstellen. Stellen werden schrittweise abgebaut, ein Teil wird nach Bautzen verlagert, ein Teil nach China. Die Entwicklung und Konstruktion von Zügen sollen dagegen weitergehen.

Kombination aus Entwicklung und Produktion notwendig

Wobst zufolge hätte nur eine Kombination aus Entwicklung und Produktion an einem Standort eine Chance.  Wobst: „Wir haben entsprechende Erfahrung.“ Das damalige AEG-Werk in Nürnberg habe den gleichen Weg genommen, erst Schließung der Produktion, dann Einrichtung als Entwicklungskompetenzzentrum, schließlich auch dessen Schließung. Die Überlebensfähigkeit eines Betriebes sei mit beidem verbunden: Produktion und Entwicklung an einem Standort.

Politik schaltet sich ein

Unterdessen haben führende Politiker Maßnahmen angekündigt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) wird damit zitiert, er wolle gemeinsam mit dem Berliner Senat eine Lösung suchen. „Möglicherweise werden wir Druck machen“, sagte er. Man müsse Arbeitsplätze erhalten. Etwa die Hälfte der Belegschaft in dem Betrieb nordwestlich der Hauptstadt stamme aus Berlin. „Arbeitsplätze, die einmal verschwunden sind, kommen nicht wieder zurück“, so Gerber.

Linke: Fördermöglichkeiten prüfen

Die Linksfraktion forderte den Konzern auf, die vom Land angebotenen Fördermöglichkeiten zu prüfen. Ihr Arbeitsmarktexperte Andreas Bernig teilt die Befürchtungen des Betriebsrats. Die Entscheidung von Bombardier sei der Einstieg in den Ausstieg des Bahnstandortes Hennigsdorf. Die CDU-Fraktion warf der Landesregierung vor, zu wenig für den Bahnstandort getan zu haben.

Mehr Informationen verlangt

Die Unternehmensleitung von Bombardier hat die Pläne noch nicht bestätigt. Man will sich in den nächsten Wochen äußern.  „Erste Informationen bekamen wir im Wirtschaftsausschuss vorige Woche“, erklärte Wobst dazu. Jetzt ziehe sich das Unternehmen darauf zurück, Mitte Dezember konkrete Aussagen zu treffen. Die Menschen brauchen Klarheit – jetzt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)