News | Geschäftsführung Betriebsrat 02.03.2016

Bombardier-Betriebsrat kämpft gegen Stellenabbau

Bei dem Hersteller von Eisenbahnwaggons Bombardier werden in Deutschland die Weichen gestellt. In Richtung Stellenabbau. Vor allem die Werke im Osten sind betroffen. Die Betriebsräte haben angekündigt, für die Jobs zu kämpfen. Sie riefen zu Protestaktionen auf.

Stellenabbau

Zunächst wenig konkrete Zahlen der Arbeitgeberseite

Geschäftsführung Betriebsrat. Zahlen hatte die Arbeitgeberseite dem Wirtschaftsausschuss der Betriebsräte vorgelegt. Doch die seien zunächst nicht eindeutig. Auch seien sie „im Augenblick nicht zu verwerten“, gibt die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ Hans-Jürgen Korstian, Vorsitzender des Dreis-Tiefenbacher Betriebsrates, wieder.

930 Arbeitsplätze betroffen

Erst am letzten Donnerstag gab es konkrete Zahlen. Das Unternehmen will danach an seinen sächsischen Standorten in Bautzen und Görlitz insgesamt 930 Arbeitsplätze streichen, im Werk Hennigsdorf bei Berlin einschließlich Verwaltung bis Ende des kommenden Jahres 270 Stellen.

Betriebsrat reagiert mit Protestaktionen

Der Betriebsrat hier reagierte mit Protestaktionen am Standort, berichtet „Radio Berlin-Brandenburg“. In Hennigsdorf sind nach Unternehmensangaben derzeit rund 2.800 Mitarbeiter beschäftigt – fast so viel wie in Kassel, Siegen und Mannheim zusammen.

1.430 Jobs in Deutschland fallen weg

Weltweit will Bombardier Transportation 3200 Stellen streichen, im gesamten Konzern weltweit nach Angaben des „Handelsblatts“ rund 7.000. 1430 davon werde es in Deutschland treffen. „Dreis-Tiefenbach wird nicht in großem Ausmaß betroffen sein“, hofft Korstian.

Dreis-Tiefenbach weniger betroffen

Bombardier hat in den letzten Jahren massiv in den Standort investiert. Er ist die Zentrale der Drehgestellfertigung. Hier steht seit 2014 das neue Technikzentrum. In ihm forschen und entwickeln 115 Ingenieure. Zudem haben Belegschaft und Unternehmensleitung einen Standortsicherungsvertrag vereinbart. Er wurde gerade für drei Jahre verlängert.

Belegschaft hat geliefert

Eine Vereinbarung dieser Art gab es schon lange – mit unbezahlter Mehrarbeit. Damit habe die Belegschaft die Entscheidung, Dreis-Tiefenbach zum „Headquarter“ zu machen, mitbezahlt. „Wir haben unsere Ergebnisse geliefert“, so Korstian.

Standorte mit Leiharbeitern

Bombardier entwickelt und baut in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen Züge, Straßenbahnen und Lokomotiven. Möglicherweise wird der Abbau vor allem Standorte mit einem hohen Anteil von Leiharbeitern treffen, also Kassel und Görlitz. So hat der Betriebsrat des Görlitzer Werkes letzten Donnerstag seine Mitarbeiter zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung eingeladen. Die Belegschaft sollte zu Restrukturierung und Stellenabbau informiert werden.

Umsatz bei Zugsparte schrumpfte

Der Umsatz der Zugsparte schrumpfte nach Angaben im vergangenen Jahr von 9,6 Milliarden auf 8,3 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank leicht von 469 Millionen Dollar auf 465 Millionen Dollar. Der Konzern hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stellen gestrichen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)