25.09.2017

Bombardier-Betriebsrat dankt Bürgern

Waggonbauer Bombardier wollte im Werk Görlitz Personal abbauen. Dagegen standen Bürger, Belegschaft und Betroffene wie ein Mann auf. Sie protestierten dagegen. Der Betriebsrat bedankte sich dafür. Jetzt will man den Nachbarstandort Bautzen ausbauen – mit Hilfe vom Freistaat.

Dank Bobardier-Betriebsrat

Protestaktionen gegen Personalabbau

Geschäftsführung Betriebsrat. Görlitzer Bürger, Einrichtungen und Vereine, Institutionen, Einzelhändler und Handwerksbetriebe aus Stadt und Umland – alle halfen im März mit. Sie unterstützten damals die Waggonbauer am Standort Görlitz des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier bei Protestaktionen gegen den geplanten Personalabbau – „mit sehr großem Engagement“, wie einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ zufolge der Betriebsratsvorsitzende René Straube auf einer Dankesbekundung vor Einwohnern der Stadt jetzt hervorhob.

Nachmittag bei der Görlitzer Oldtimerparkeisenbahn

Man bedanke sich bei allen Unterstützern. Die Waggonbauer wollten es aber nicht bei Worten belassen. Sie luden alle Bürger mit ihren Familien zu einem Nachmittag bei der Görlitzer Oldtimerparkeisenbahn ein. Sämtliche Fahrtkosten der Parkeisenbahn wurden übernommen. Die finanziellen Mittel für die Aktion stammen aus einer Spendenaktion der Waggonbauer. Ein Großteil der gespendeten Summe wurde an die Kinderstation des Görlitzer Klinikums übergeben.

Fördermittelbescheid für Bombardier Bautzen

Bei einem Termin auf dem Werksgelände in Bautzen sollte nun Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) einen Fördermittelbescheid an den Bombardier-Deutschlandchef übergeben. Das Unternehmen hatte bereits Medienvertreter dazu eingeladen. Es sagte den Termin aber kurzfristig wieder ab. „Der Förderantrag bedarf bei Bombardier einer weiteren internen Bearbeitung“, lautet der einzige Satz einer offiziellen Begründung, aus der die Zeitung zitiert. 20 Millionen Euro will Bombardier in Bautzen investieren, hat Deutschlandchef Michael Fohrer angekündigt. Das Werk soll innerhalb des weltweiten Konzerns ein Leitstandort für den Schienenfahrzeugbau werden. An dieser Aussage werde nicht gerüttelt, betont Unternehmenssprecher Andreas Dienemann. Der Freistaat sagte Fördermittel zu.

Technologieförderung für Entwicklungsprojekt

Auf die Frage nach dem dafür zugrundeliegenden Problem gebe es weder vom Sächsischen Wirtschaftsministerium in Dresden noch von der Bombardier-Geschäftsleitung eine Antwort. Das sei Sache von Bombardier, heißt es aus der Landeshauptstadt. Der Freistaat will die Mittel zweckgebunden als Technologieförderung für das von Bombardier angekündigte Forschungs- und Entwicklungsprojekt im Schienenfahrzeugbau ausreichen. Dulig hatte stets betont, dass der Freistaat das Unternehmen unterstützt, wenn dadurch Forschung, Entwicklung und Arbeitsplätze in der Region erhalten werden. „Der Freistaat steht zu seiner Zusage“, so ein Ministeriumssprecher laut dem Zeitungsbericht. Auch Bombardier stehe zu seinen Zusagen, erklärt Dienemann. Es gebe keine ernsten Probleme, es bestünde lediglich noch Beratungsbedarf. „Die Investitionen in Bautzen werden planmäßig vorangetrieben“, betont Dienemann.

Stahlkonstruktion und erste Seitenwände

Auf dem Werksgelände in Bautzen wächst bereits die neue Produktionshalle. Noch keine drei Monate nach Grundsteinlegung stehen Stahlkonstruktion und erste Seitenwände. Noch vor dem Winter soll das Dach fertig sein, es dann zügig mit dem Innenausbau weitergehen. Man liege voll im Plan. Schon im Frühsommer soll die Produktion anlaufen – digital vernetzt und auf dem modernsten Stand der Technik. Gegenüber der neuen Halle entsteht zeitgleich ein neues Testgelände für die Bahnen, die künftig in Bautzen gebaut werden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)