News | Geschäftsführung Betriebsrat 18.12.2015

Wiedereingliederung: Bochumer Opelaner empört über Rabatt-Brief

Vor einem Jahr gingen bei Opel in Bochum in Lichter aus. Vor einem Jahr wurden 3600 Beschäftigte am Standort arbeitslos. Gut ein Jahr später sind immer noch 2500 von ihnen ohne Job. Da bedankt sich jetzt der Autobauer aus Rüsselsheim bei Ehemaligen mit Rabatten für ein „erfolgreiches Jahr“.

„Ein erfolgreiches Jahr“?

Geschäftsführung Betriebsrat. „Ein ereignisreiches und zugleich erfolgreiches Jahr neigt sich dem Ende.“ Diese Zeile aus einem Brief der Opel-Unternehmensleitung in Rüsselsheim an ehemalige Beschäftigte erregt derzeit in Bochum die Gemüter. Aus ihm zitiert jetzt die „WirtschaftsWoche“. Den Empfängern des Briefs werden zwanzig Prozent Rabatt beim Kauf eines Neuwagens angeboten, nach dem Motto: „Wir bei Opel fahren Opel.“

Kündigung ein Schock

Nach 52 Jahren im Ruhrgebiet hatte Opel die Produktion in seinem Bochumer Werk vor einem Jahr eingestellt. Von den 3600 Mitarbeitern sind dem Bericht zufolge noch 2500 ohne Job. Einer von ihnen ist Dieter Welwei. Für ihn sei die Kündigung ein Schock, „mein Herz hing an dem Unternehmen“, sagte er dem Magazin.

Brandbrief Welwei an Neumann

Es zitiert aus einem Brief, mit dem Welwei dem Opel-Management in Rüsselsheim unter Vorstand Karl-Thomas Neumann antwortet. Darin geht Welwei harsch ins Gericht mit Weihnachtsbrief, Management und Transfergesellschaft:

  • Die Transfergesellschaft sei „nichts anderes ist als die Verwaltung von Massenarbeitslosigkeit“.
  • Man sei zum ersten Mal im Leben arbeitslos, in einem Unternehmen, von dem es früher immer geheißen habe: „Wenn du bei Opel anfängst, kannst du bei denen auch in Rente gehen.“
  • Welwei: „Und dann kommt ein Jahr später, kurz vor Weihnachten, ein Brief, der mit den Worten beginnt: ‚Ein erfolgreiches Jahr geht zu Ende.‘“

2015 ein „schreckliches Jahr“

Welwei weiter an Neumann: „Wie würden Sie das finden? Was ist das für ein Einfühlungsvermögen?“ 2015 sei ein schreckliches Jahr gewesen. Hier seien Tausende Mitarbeiter entlassen worden. Die meisten seien über 50 und würden nie mehr einen Job finden. Sie befänden sich „im Tal der Tränen“, hätten „Angst vor der Zukunft, Angst vor einem Leben in Hartz IV“. Welwei: „Ist Ihnen das klar? Wahrscheinlich nicht, sonst hätten Sie diesen Brief verhindert.“

Rabatte für Mitarbeiter

Mitarbeitern, auch ehemaligen, würden schon immer Rabatte für Opel-Autos angeboten. Das sei nichts Neues. Derlei Briefe kämen jeden Monat. Welwei: „Meistens schmeiße ich sie ungelesen weg.“ Die Rabatte auch für ehemalige Mitarbeiter begrüße man, leisten könnten sie sich die Ehemaligen derzeit aber sowieso nicht.

Ohne Dank, ohne Bedauern

Doch die Formulierung „erfolgreiches Jahr“ habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Kein Ausdruck des Bedauerns, kein Wort des Dankes. Welwei: „Das liest sich für mich wie eine Provokation.“ Zorn, Wut und Enttäuschung hätten ihn überkommen. Er habe mehr als sein halbes Leben in die Hände dieser Firma gegeben. Dann sei man einfach entlassen worden. Und jetzt solle man Opel auch noch Geld geben für ein neues Auto? Welwei: „Niemals!“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)