07.12.2015

Betriebswirtschaft: Keine Angst vor dem Bilanzrecht

In vielen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber wird dieser die wirtschaftliche Situation des Unternehmens als Grund für bestimmte Maßnahmen nennen. Dabei bezieht er sich oft auf die Gewinn- und Verlustrechnung, die das wirtschaftliche Ergebnis eines Geschäftsjahrs abbildet. Um hier mitreden zu können, ist es ratsam, sich für die Betriebsratsarbeit wirtschaftliches Fachwissen anzueignen.

Die Gewinn– und Verlustrechnung ist Teil des Jahresabschlusses. Sie zeigt, aus welchen Quellen der Erfolg bzw. Misserfolg eines Unternehmens in einem Geschäftsjahr stammt. Im Einzelnen stellt sie die gewinnerhöhenden Erträge den gewinnmindernden Aufwendungen gegenüber. Erträge entstehen z. B. aus Umsatzerlösen, Zinserträgen usw., sie wirken positiv auf den Gewinn. Aufwendungen entstehen z. B. aus Materialverbrauch, für Personal, für Zinsen. Sie wirken negativ auf den Gewinn, der nach den Anforderungen des Handelsgesetzbuches (HGB) als Jahresüberschuss (Verlust = Jahresfehlbetrag) bezeichnet wird.

Übersicht 1: Inhalt der Gewinn- und Verlustrechnung

Betriebsergebnis

+ Finanzergebnis

(= Summe: Ergebnis der

gewöhnlichen Geschäftstätigkeit)

+ außerordentliches Ergebnis

Steuern

= Jahresüberschuss/

Jahresfehlbetrag

Zwei Bereiche der GuV

Im ersten Bereich der GuV wird das Betriebsergebnis in seinen einzelnen Bestandteilen dargestellt. Das Betriebsergebnis ist das Resultat der sich aus dem Betriebs- oder Sachzweck des Unternehmens ergebenden Erträge und Aufwendungen. Sachzwecke sind z. B. Herstellung und Verkauf bestimmter Produkte, Handel mit bestimmten Produkten, Bereitstellung von Dienstleistungen. Die Unterschiede zwischen der Darstellung nach dem Gesamtkostenverfahren und der nach dem Umsatzkostenverfahren liegen nur in diesem Bereich des Betriebsergebnisses. Der zweite Bereich präsentiert das Finanzergebnis. Es setzt sich aus Erträgen und Aufwendungen im Zusammenhang mit einem finanziellen Engagement des Unternehmens zusammen, z. B. aus Zinserträgen, Gewinnabführungen von Tochterunternehmen sowie Zinsaufwendungen. Zusammen bilden das Betriebsergebnis und das Finanzergebnis das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit.

Besondere Ereignisse werden gesondert aufgeführt

Dieses gewöhnliche, also zum normalen Geschäftsalltag gehörende Geschehen kann ergänzt werden durch außerordentliche Sachverhalte, die im dritten Bereich in entsprechenden Erträgen und Aufwendungen dargestellt werden (z. B. einmalige Aufwendungen aus einer Betriebsstilllegung). Ein außerordentliches Ergebnis wird aufgrund strenger rechtlicher Kriterien allerdings selten ausgewiesen.

Das Jahresergebnis ist die Quintessenz der GuV

Am Ende zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung das Jahresergebnis als Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag. Der Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag ist somit das Ergebnis der gesamten Unternehmenstätigkeit.

Auf die Aussagekraft der GuV kommt es an

Nach § 108 Abs. 5 BetrVG hat der Unternehmer dem Wirtschaftsausschuss unter Beteiligung des Betriebsrats bzw. des Gesamtbetriebsrats den Jahresabschluss und damit die Gewinn- und Verlustrechnung zu erläutern. Sie sollten sich daher den Jahresabschluss, vor allem die Gewinn- und Verlustrechnung detailliert ansehen. Dabei sind die absoluten Zahlen eines Jahres nicht immer aussagefähig genug. Ein Jahresüberschuss von einer Mio. Euro z. B. wird für die Deutsche Bank ein schlechtes Ergebnis darstellen, für einen mittelständischen Betrieb kann dies hervorragend sein. Wichtig sind Zeitvergleiche mit den Jahresabschlüssen der Vorjahre, wenn möglich auch Betriebsvergleiche unter Heranziehung der Jahresabschlüsse vergleichbarer Unternehmen. In der Regel wird eine genauere Analyse des Jahresabschlusses unter Bildung von Kennziffern notwendig sein. Wichtig ist es, den Jahresüberschuss ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital zu bringen und eine Rentabilität zu errechnen, die mehr aussagt als die absolute Gewinngröße.

 

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Autor: Silke Rohde (Silke Rohde ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin von "Betriebsrat kompakt".)