News | Mitbestimmung 17.08.2015

Betriebsstilllegung bei Johnson Controls in Grefrath

Das Aus für Autozulieferer Johnson Controls in Grefrath war abzusehen. Der Betriebsrat hatte zeitig vor der Zeit nach Ende des Opel-Werkes in Bochum gewarnt. Offenbar nicht ungehört. Man traf Vorkehrungen für die Zeit danach. Die tragen jetzt Früchte.

Betriebsstilllegung nach 60 Jahren

Mitbestimmung. Eine Transfergesellschaft wurde ins Leben gerufen, ein Sozialplan mit dem Betriebsrat vereinbart. Schon im Oktober vergangenen Jahres hatten die Mitarbeiter die Kündigung erhalten. Auch wenn die Lichter im Werk Grefrath an der Mülhausener Straße von Autozulieferer Johnson Controls, Vorläuferfirmen Dr. Kurt Müller und Deutsche Fibrit Gesellschaft eingerechnet nach 60 Jahren zum 31. Dezember dieses Jahres ausgehen und die Beschäftigten überwiegend der Generation „50 plus“ angehören – von Untergangsstimmung bei der Belegschaft keine Spur.

Stimmung in der Belegschaft

Jedenfalls wenn im Großen und Ganzen zutrifft, was die Betriebsratsvorsitzende Ute Wiegmann der „Rheinischen Post“ jetzt dazu mitteilt. Danach ist „die Stimmung in der Belegschaft entspannt“. Noch immer werde in drei Schichten gearbeitet. Derzeit arbeite man einen Auftrag für Daimler Benz ab. Es gebe sechs befristete Arbeitsverträge, einige Leasing-Arbeiter und noch einen Auszubildenden. Der könne seine Ausbildung in Neuss beenden.

Transfergesellschaft und Transfer-Agentur

Einen Grund für die entspannte Stimmung in der Belegschaft sieht Wiegmann in der Transfergesellschaft. Sie wurde letzten Oktober gegründet und soll am 1. Januar 2016 die Arbeit aufnehmen. Bereits jetzt ist die Transfer-Agentur im Werk tätig. Sie stehe den Mitarbeitern helfend zur Seite. Wiegmann: „Wir sind froh über die Transfergesellschaft.“

Superzufriedenheit dank Sozialplan

Ein weiterer Grund für die gute Laune im Werk ist Wiegmann zufolge der bestehende Sozialplan. Ihn hat der Betriebsrat beizeiten mit dem Unternehmen ausgehandelt. Der habe, so Wiegmann, eine „Superzufriedenheit“ ausgelöst.

Abfindungen nach Alter und Betriebszugehörigkeit

Er enthalte Regelungen zu Abfindungen. Sie seien an Alter und Betriebszugehörigkeit gekoppelt. Die Mitarbeiter könnten den Zeitpunkt der Auszahlung selbst bestimmen. Wiegmann in der „RP“: „Rund 70 Prozent sind bereits ausgezahlt worden.“

Weitere Erfolge des Betriebsrates

Doch gebe man sich als Betriebsrat mit den Abfindungen allein nicht zufrieden. Weitere Erfolge für die Mitarbeiter seien zu verbuchen. So habe man ausgehandelt:

  • ein zusätzliches halbes Urlaubsgeld,
  • ein zusätzliches halbes 13. Monatsgehalt und
  • zu den 30 Tagen Urlaub im Jahr weitere 15 freie Tage.

Hoffnung auf die Zeit danach

Was bleibt? Das Werksgelände ist bereits verkauft. Bis Anfang 2017 hat Johnson Controls das Areal selbst angemietet. Ein klein wenig hoffen laut „RP“ die Mitarbeiter, dass sich an diesem alten Grefrather Industriestandort neue Firmen ansiedeln werden. Und diese Hoffnung kann ihnen niemand nehmen – erst einmal wenigstens nicht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)