News | Geschäftsführung Betriebsrat
25.01.2016

Betriebsratsgründer haben bei Goodgames ausgespielt

Rien ne va plus – Nichts geht mehr im Roulette um eine Betriebsratsgründung bei dem Spiele-Start-up Goodgames. Eine Mehrheit der Mitarbeiter habe sich letzte Woche dagegen ausgesprochen. Allerdings soll im Vorfeld nicht alles mit einwandfreien Dingen zugegangen sein.

Betriebsratsgründung© Trueffelpix /​ fotolia.com

40 Mitarbeiter gekündigt …

Geschäftsführung Betriebsrat. Sicher ist so viel: die Unternehmensleitung des Hamburger Spiele-Start-ups Goodgames hat rund 40 Mitarbeiter gekündigt. Die Frage ist: Warum?

… Wegen Einsatzes für Betriebsrat …

Verschiedenen einschlägigen Medien wie „Gründerszene“, „Golem“, „Bento“ oder „Gamereactor“ zufolge erfolgten die fristlosen Entlassungen, weil die Mitarbeiter sich für die Gründung eines Betriebsrats eingesetzt haben. Sogar ein Schwerbehinderter sei betroffen. Das Unternehmen habe dabei nicht einmal das Integrationsamt vorab informiert und damit gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen.

… oder nur leistungsbedingt?

Das Unternehmen selbst bestritt das gegenüber „Gründerszene“, habe von „leistungsbedingten Kündigungen“ gesprochen. Wie auch immer: Offenbar hat das Unternehmen sein Ziel mit dem wie auch immer erfolgten Aderlass der Belegschaft erreicht. Das präzisierte im Vorfeld der Betriebsratswahlen Maximilian Schneider, Chief Strategy Officer von angeblich Deutschlands größtem Computerspielehersteller, auf einer internen Veranstaltung mit deutlichen Worten.

Schneider: „Betriebsrat veraltetes Instrument“

Ein Betriebsrat hält er danach für ein „veraltetes Instrument“ der Mitbestimmung. Es habe in der modernen Goodgame-Welt keinen Platz, zitiert „Gründerszene“ den „Spiegel“. Schneider demzufolge weiter: „Wir müssen ein Auge auf Wirtschaftlichkeit haben, damit jeder von euch nächstes Jahr noch ein Gehalt bekommt.“ „Gründerszene“: „Eine überaus deutliche Drohkulisse.“

Mehrheit gegen Betriebsrat

Die Warnung verhallte nicht ungehört. Eine Mehrheit von 62,8 Prozent der bei einer Betriebsversammlung am Dienstag letzter Woche anwesenden 1.035 Mitarbeiter hat sich „Gründerszene“ und dem Unternehmen zufolge gegen die Gründung eines Betriebsrates ausgesprochen.

Statt Betriebsrat Retention Working Group

Statt eines Betriebsrates favorisiere die Goodgame-Führung ein anderes Mitbestimmungsmodell. Eine „Retention Working Group“ habe ihr Modell einer alternativen Mitarbeitervertretung vor allen Goodgamern vorstellen dürfen. Zuvor hatte die Arbeitsgruppe in einem Pitch ihr Modell vorgestellt. Dafür habe die Unternehmensleitung alle Beschäftigten mehrere Stunden lang freigestellt. Das Goodgame-Management habe das Modell ganz offenbar sanktioniert mit der Botschaft: „Wenn ihr eine eigene Vertretung wollt, geht zur Betriebsversammlung am 19. Januar, aber wählt nicht!“, zitiert das Fachblatt die „Hamburger Morgenpost“.

Alternative Mitarbeitervertretung

Statt eines Betriebsrats solle es nun jene „alternative Mitarbeitervertretung“ geben, habe der Spielehersteller verlauten lassen. Welche Mitbestimmungsrechte diese den Goodgame-Angestellten konkret bieten wird, habe das Unternehmen nicht mitgeteilt.

Rückschlag für Gewerkschaften

Das Abstimmungsergebnis sei vor allem auch ein Rückschlag für die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Doch auch andere Gewerkschaften können ein Lied singen von einer Abneigung von Belegschaften in der Computerbranche gegen von Gewerkschaften initiierten Betriebsräten. So gibt es bei Marktführer Microsoft zwar Betriebsräte – von einer Bindung an Gewerkschaften wollen deren Vorsitzende jedoch nichts wissen.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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