01.09.2015

Betriebsratsarbeit bei Randstad und Co.

Wer ist zuständig, wenn Leiharbeitnehmer Probleme in dem Betrieb haben, indem sie gerade eingesetzt werden? Sofern vorhanden ist das der Betriebsrat der Verleihfirma. Doch kann sich dieser bei der Vielzahl der Leiharbeitnehmer und Betriebe um alle kümmern? Und wie ist die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten am jeweiligen Einsatzort? Ruth Wiebusch von Betriebsrat intern befragte Veronica Kühlborn, Betriebsrätin beim Personaldienstleister Randstad.

Geschäftsführung Betriebsrat. Betriebsrat intern: Frau Kühlborn, Sie sind Mitglied in einem Betriebsrat, der nicht nur für die festangestellten Arbeitnehmer bei Randstad, sondern auch für Tausende von Leiharbeitnehmern verantwortlich ist. Das scheint eine anspruchsvolle Aufgabe zu sein.

Veronica Kühlborn: Es ist eine anspruchsvolle, aber nicht unmögliche Aufgabe. Ich bin seit Juni 2014 freigestelltes Mitglied des Betriebsrates für die Business Area South. Dort sind wir 41 Kollegen, davon 21 freigestellt. Wir betreuen den süddeutschen Raum und sind einer von drei Regional-Betriebsräten, außerdem haben wir einen Gesamtbetriebsrat.

Betriebsrat intern: Wie ist der Betriebsrat bei Randstad organisatorisch aufgestellt?

Veronica Kühlborn: Zwei bis drei Betriebsräte arbeiten in bestimmten Regionen zusammen und betreuen die internen sowie die Kollegen im Kundeneinsatz. Wir besuchen in den Niederlassungen die Teammeetings, sind vor Ort, wenn die Werksärzte kommen, organisieren mit den Kundenbetriebsräten Sprechstunden und begleiten Gespräche zwischen Disponenten und Zeitarbeitnehmern. Natürlich sind wir auch telefonisch und per Mail erreichbar. Unsere Büros sind dezentral im Süden verteilt, so dass die Wege zu den Kollegen kurz sind. Einmal im Monat sehen wir uns zur Betriebsratssitzung und etwas häufiger in den verschiedenen Ausschüssen und Arbeitsgruppen, um uns fachlich mit den Themen auseinanderzusetzen, die speziell unsere Kollegen im Kundeneinsatz betreffen.

Betriebsrat intern: Sie sind sowohl für die fest Angestellten als auch für Leiharbeitnehmer zuständig. Wie unterscheidet sich die Betriebsratsarbeit zwischen diesen Gruppen?

Veronica Kühlborn: Die eigentliche Arbeit unterscheidet sich nicht, denn wir sind ja für alle Kollegen bei Randstad da. Aufgrund der Doppelfunktion der Disponenten als Arbeitgeber und Arbeitnehmer hat es sich bewährt, bei jedem Besuch zu betonen, wen man jeweils vertritt. Ich habe es noch nie erlebt, dass die internen Kollegen dafür kein Verständnis aufbringen, im Gegenteil: Es kann passieren, dass wir uns heute wegen eines Kollegen im Kundeneinsatz streiten, aber morgen vertrete ich die Rechte desselben internen Kollegen vor seinem Vorgesetzten.

Betriebsrat intern: Die Situation der Zeitarbeitnehmer ist in den Betrieben vor Ort sehr unterschiedlich. Wie sichern Sie ab, dass deren Arbeitnehmerrechte eingehalten werden?

Veronica Kühlborn: Wir sind immer ganz nah am Geschehen. So gehen wir sicher, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Mit unseren Betriebs- und Gesamtbetriebsratsvereinbarungen sind wir gut aufgestellt. Sie beinhalten Regelungen, die über die allgemeinen Arbeitnehmerrechte hinausgehen.

Betriebsrat intern: Reagieren Sie ausschließlich auf Beschwerden oder prüfen Sie die Situation vor Ort, zum Beispiel mit Stichproben?

Veronica Kühlborn: Beides kommt vor. Bei konkreten Anlässen führen wir entweder ein Telefonat oder besuchen die Niederlassung. Meist ist die Sache dann geklärt und der beanstandete Vorfall kommt kein weiteres Mal vor. Ansonsten arbeiten wir präventiv. Beispielsweise prüft die Arbeitsgruppe Eingruppierung bei jeder Einstellung, ob der Arbeitnehmer die korrekte Entgeltgruppe hat. Oder nehmen wir den Arbeits- und Gesundheitsausschuss: Die Kollegen arbeiten sehr eng mit den FaSis (Fachkraft für Arbeitssicherheit) zusammen und führen gemeinsame Arbeitsplatzbegehungen durch.

Betriebsrat intern: Einmal ganz konkret: Ein Arbeitnehmer beschwert sich bei Ihnen über die Arbeitsbedingungen in seinem Einsatzbetrieb. Wie geht es dann weiter?

Veronica Kühlborn: Je nachdem, ob es beispielsweise um eine sicherheitsrelevante oder um eine zwischenmenschliche Angelegenheit geht, schalte ich weitere Betriebsratskollegen ein, um fachliche Unterstützung zu erhalten, oder ich vermittle selbst. Ziel ist immer, die bestmögliche Lösung für den Kollegen zu finden. Glücklicherweise hatten wir es bisher noch nicht mit Kollegen zu tun, die von Repressalien bedroht waren: Der Betriebsrat bei Randstad besteht schon seit über 40 Jahren und hat bei den Disponenten und Vorgesetzten eine hohe Akzeptanz.

Betriebsrat intern: Was raten Sie Betriebsräten, die zum ersten Mal mit Leiharbeitnehmern zu tun haben?

Veronica Kühlborn: Ich empfehle ihnen, sich mit dem Betriebsrat des Personaldienstleisters in Verbindung zu setzen. Wir im Betriebsrat bei Randstad gehen gerne auf die Betriebsräte unserer Kunden zu und freuen uns über jede Kontaktaufnahme.

Betriebsrat intern: Frau Kühlborn, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung