10.08.2016

Betriebsrat ZF Saarbrücken beauftragt Marktstudie des Standortes

Automobilzulieferer ZF Saarbrücken schreibt schwarze Zahlen. Trotzdem will man Prozesse nach Ungarn verlagern. Die Unternehmensleitung begründet dies mit Wettbewerbsfähigkeit. Der Betriebsrat hat eine Marktstudie zum Standort Saarbrücken in Auftrag gegeben – und einen Anwalt hinzugezogen.

Verlagerung Arbeitsplätze

Der nächste Schock

Geschäftsführung Betriebsrat. Erst vor wenigen Wochen hatte ZF Sparmaßnahmen angekündigt. Mitarbeiter müssen dabei auf Zuschläge verzichten. Jetzt berichtet die „Saarbrücker Zeitung“ über den „nächsten Schock“. Mit umfassenden Verlagerungsplänen nach Osteuropa soll das Unternehmen „wettbewerbsfähig“ gehalten werden.

Dienstleistungen nach Osteuropa

Innerhalb der kommenden zwei Jahre will das Unternehmen erstmals Dienstleistungen nach Osteuropa auslagern:

  • In Ungarn will es ein Werk für Automatikgetriebe bauen.
  • Die Buchhaltung soll nach Polen gehen. Dadurch fallen laut ZF deutschlandweit zwischen 100 und 120 Arbeitsplätze und 24 Stellen im Saarland weg.
  • Ein Getriebe-Werk soll in Osteuropa entstehen. Ein konkreter Standort stehe noch nicht fest. Die aktuelle Produktion von 2,4 Millionen Getrieben jährlich am Standort Saarbrücken werde nicht angerührt.

Vollendete Tatsachen

Vor vier Wochen hatte die Unternehmensleitung den Betriebsrat „vor vollendete Tatsachen“ gestellt. „Das war ein Paukenschlag, der nichts mit dem Stiftungscharakter und der Tradition des Konzerns mehr zu tun hat“, sagt Matthias Scherer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Saarbrücken.

Schleichende Entwicklung

Scherer sieht eine „schleichende Entwicklung“, die dem Standort Saarbrücken langfristig schaden könnte. Aufträge würden gegeneinander ausgespielt. Saarbrücken müsse gegen den Billigstandort Ungarn konkurrieren. Die Mitarbeiter hätten für das Vorgehen nur wenig Verständnis, sagt Scherer. In den vergangenen 40 Jahren hätten sie Konzernentscheidungen stets mitgestaltet. „Das, was ZF über Jahrzehnte stark gemacht hat, die volle Identifikation mit dem Unternehmen, ist am Bröckeln“, so Scherer.

Buchhaltungen von ZF an zentralen Standort

Ein ZF-Sprecher bestätigte der Zeitung gegenüber „die Zusammenlegung der europäischen Buchhaltungen von ZF an einem zentralen Standort“. Er führte dafür Effizienzgründe an. Darüber sei man mit dem Gesamtbetriebsrat in Verhandlungen. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Vielmehr sollen in Osteuropa „zusätzliche Getriebestückzahlen“ produziert werden. Richtig sei, dass die Unternehmensleitung den Betriebsrat nicht in die Werksplanung einbezogen, aber „frühzeitig informiert“ habe.

Rechtsanwalt eingeschaltet, Studie in Auftrag gegeben

Für die weiteren Verhandlungen hat der Betriebsrat erstmals einen zusätzlichen Rechtsanwalt engagiert. Zusätzlich hat er eine Markteinschätzung des Standorts Saarbrücken in Auftrag gegeben. Es sei ein offener Prozess, man werde nun die Ergebnisse dieser Studie abwarten.

IG Metall ebenfalls überrascht

Auch für die IG Metall sind die Pläne des Konzerns eine Überraschung. Die Zeitung zitiert Gewerkschaftssekretär Thorsten Dellmann mit entsprechenden Äußerungen. Man habe befürchtet, dass auch andere Dienstleistungen ins Ausland wandern werden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)