News | Mitbestimmung
22.08.2016

Betriebsrat VW Baunatal: Kurzarbeit noch nicht beantragt

Der Zulieferboykott bei Volkswagen zieht immer weitere Kreise. Politiker schalten sich ein. Das Gericht erließ eine Einstweilige Verfügung gegen Zulieferfirmen. Doch die beharren: VW müsse nachgeben. Betriebsräte aus Baunatal melden „große Probleme“. Diese Woche stehen erste Bänder still.

Zulieferboykott VW© RAM /​ fotolia.com

Beschäftigtenvertretungen zurückhaltend

Mitbestimmung. Noch hält man sich auf Seite der Beschäftigtenvertretung zurück. Weder aus den Betrieben der Zulieferfirmen Car Trim GmbH in Plauen mit weiteren Standorten in Wolfsburg, Kraslice und Nymburk und ES Automobilguss GmbH im sächsischen Schönheide noch aus den VW-Werken in den besonders betroffenen Standorten Emden und Wolfsburg sind Stimmen laut geworden.

Betriebsrat VW-Baunatal: Kurzarbeit noch nicht beantragt …

Lediglich aus dem Werk Kassel-Baunatal meldet sich der Betriebsrat zu Wort. „Es macht große Probleme“, beschreibt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob die Situation im zweitgrößten deutschen VW-Werk mit 17.000 Beschäftigten. Noch habe man Kurzarbeit nicht beantragt, betont Jakob.

… aber wahrscheinlich unausweichlich

Man komme aber sehr wahrscheinlich um Kurzarbeit nicht herum, sagte sie am Freitag auf Anfrage der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA). Wann Kurzarbeit für die Mitarbeiter in Baunatal bei der Arbeitsagentur beantragt wird, ist nach Angaben des Betriebsrates noch nicht ganz klar. In Emden wurde sie bereits beantragt.

Rechtliche Dinge noch ungeklärt

Man rücke aber diesem Schritt auch in Baunatal näher und müsse sich „zunehmend darauf einstellen“. Zunächst müssten viele rechtliche Dinge geklärt werden, so Jakob. Derzeit versuche man noch, die fehlende Arbeit über die Arbeitszeitkonten der Beschäftigten auszugleichen. Ob das reicht, sei nicht sicher. Darauf hatte der Betriebsrat am Donnerstag noch gehofft. Und hofft weiter. Betriebsrätin Jakob: „Schließlich liegen die Teile bei der Zulieferfirma auf dem Hof und müssen nur ausgeliefert werden.“

Rechtsstreit zwischen VW und Zulieferern

Anlass ist ein Rechtsstreit mit der Zulieferer-Gruppe Prevent, Wolfsburg, und seinen beiden Unternehmen Car Trim GmbH, liefert Textil und Leder für das Fahrzeuginnere, und ES Automobilguss GmbH, Gussteile fürs Getriebe. Sie behaupten, VW habe Lieferverträge fristlos und unberechtigt gekündigt. VW stellt das in Abrede.

Werkssprecher bestätigt Probleme

Auch Werksprecher Heiko Hillwig bestätigt die Probleme im Baunataler VW-Werk. Etwa seit einer Woche gebe es die Auswirkungen auf die Produktion in Baunatal. Hillwig bestätigt die Nutzung der Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter zum Ausgleich. Hillwig: „Da die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar ist, prüfen wir für Teilbereiche der Produktion am Standort Kassel Flexibilisierungen der Arbeitszeit.“

Landgericht erlässt EV

Das Landgericht Braunschweig hat auf Antrag des Automobilkonzerns eine einstweilige Verfügung gegen die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung erlassen. In Baunatal werden die fehlenden Sitzbezüge wie Gussteile für die Getriebefertigung benötigt. Trotz einstweiliger Verfügung komme der Lieferant dieser Verpflichtung bisher nicht nach.

Auswirkungen auf viele Standorte

Die fehlenden Teile könnten Auswirkungen auf viele Modellfamilien sowie Standorte haben, die mit Getrieben aus Kassel beliefert werden. Bei dem Gussteil der ES Automobilguss geht es um ein Gehäuseteil ohne technisches Know-How. Details zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter und die zeitliche Dauer seien noch unklar. Kassel beliefert auch das Stammwerk in Wolfsburg. Dort ist die Produktion der Modelle Golf, Tiguan und Touran betroffen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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