23.10.2017

Betriebsrat Tata Steel Niederlande gegen thyssenkrupp-Fusion

In neun Monaten so viel verdient wie im gesamten letzten Jahr – bei thyssenkrupp Steel scheint es gut zu laufen. Doch der Konzern redet die Sparte krank, meint der Betriebsrat. Er sieht keinen Grund für eine Fusion mit Tata. Und der Betriebsrat dessen niederländischer Tochter auch nicht.

Fusion thyssenkrupp

Steigende Gewinne bei thyssenkrupp Steel

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Betriebsrat der Stahlsparte von thyssenkrupp rechnet für das abgelaufene Geschäftsjahr mit steigenden Gewinnen des Bereichs. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sehen die Arbeitnehmervertreter keinen Grund für eine Fusion mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel. Die Stahlkocher von thyssenkrupp hatten gegen die Pläne protestiert. Nun wächst auch bei den Beschäftigten von Tata Steel in den Niederlanden der Widerstand gegen die geplante Fusion.

Stahlsparte Sanierungsfall?

Im Vorjahr hatte dem Bericht zufolge die Sparte einen operativen Gewinn von 315 Millionen Euro eingefahren – 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis könnte diesmal entsprechend höher ausfallen. Das Geschäftsjahr 2016/17 ging Ende September zu Ende. Die Bilanz will der Konzern Ende November vorlegen. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr ein sehr gutes Ergebnis haben“, zitiert die Zeitung den Vorsitzenden des Stahlbetriebsrates von thyssenkrupp, Günter Back. „Wir gehören zu den besten Stahlunternehmen“, betonte Back. Er warf dem Vorstand vor, die Stahlsparte als Sanierungsfall darzustellen. Er wolle damit die geplante Fusion mit Tata begründen. Das Gegenteil sei der Fall. „Die Geschäftsentwicklung des Stahls kann nicht der Grund für die Fusion sein,“ so Back.

TSN-Betriebsrat befürchtet größeren Stellenabbau

Der Gesamtbetriebsrat von Tata Steel Nederland (TSN) teilte laut „Handelsblatt“ vor dem Wochenende mit, er werde die Fusionspläne nicht unterstützen. Diese würden für die rund 10.000 Tata-Beschäftigten in den Niederlanden nicht gut verlaufen. Es werde wohl kaum bei dem von Thyssen und Tata angekündigten Abbau von insgesamt 4.000 Stellen bleiben. „Es ist vollkommen unklar, wie das neue Unternehmen finanziert wird und bei wem die Schulden untergebracht werden“, hieß es seitens des Betriebsrates von TSN. TSN mit seinem großen Werk in Ijmuiden sei bislang ein gesundes Unternehmen geblieben. Und das bei ständiger Ausschüttung von Dividenden an den Anteilseigner, mit denen die Funktionsfähigkeit des Schwesterunternehmens in Großbritannien sichergestellt worden sei. Tata betreibt in Port Talbot das größte Stahlwerk des Landes, das über Jahre Verluste schrieb. Das geplante Joint Venture schließt alle drei Länder ein.

Auslagerung in Niedriglohnländer

„Das neue Unternehmen wird, den aktuellen Erwartungen zufolge, große Teile der unterstützenden Dienste in Niedriglohnländer auslagern“, kritisierte der Betriebsrat. Zudem verlöre TSN einen Großteil seiner Unabhängigkeit, etwa in Bezug auf den eigenen Cashflow. Das werde große Folgen für die Investitionen haben. Auch die Leitung des Gemeinschaftsunternehmens werde sehr schwierig. Der Widerstand in Deutschland gegen dieses Joint Venture sei mindestens ebenso groß wie in den Niederlanden. „Das verheißt nichts Gutes“, so der niederländische Betriebsratsvorsitzende Frits van Wieringen laut „Handelsblatt“. Er fürchte, dass die niederländische Tochter aufgelöst werden könne.

Hiesinger Pläne umstritten

In Deutschland laufen die Stahlkocher von thyssenkrupp seit Monaten Sturm gegen die Pläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger. Dieser will mit dem Joint Venture den zweitgrößten Stahlkocher Europas nach ArcelorMittal schmieden. Seine Pläne hat eine Arbeitsgruppe von Arbeitnehmervertretern und Vorstand bei einem ersten Treffen diskutiert. Danach hätten sich die Zweifel bei den Betriebsräten noch verstärkt. Die Prüfung der Bücher habe noch gar nicht begonnen. Dies sei erst ab Mitte November geplant. Das Management scheine aber bereits festgelegt. „Der Vorstand setzt sehr auf eine Karte“, so Back.

Streichkonzert ab 2020

Auf das geplante Joint Venture sollen offenbar Schulden von insgesamt 6,5 Milliarden Euro abgewälzt werden. Der Überschuldungsgrad sei immens hoch. Außerdem herrsche große Unruhe in der Belegschaft über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass nach 2020 zahlreiche Jobs gestrichen werden. Dann läuft bei thyssenkrupp der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen aus.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)