News | Geschäftsführung Betriebsrat 11.07.2017

Betriebsrat stimmt Sanierungsplan für Commerzbank zu

Vorruhestandsregelungen und Abfindungen – die Commerzbank will ihren Mitarbeitern ab der kommenden Woche ein Paket an Zugeständnissen anbieten. Bereits jetzt können Beschäftigte Altersteilzeitmodelle nutzen. Doch sie seien weniger gefragt. Bis 2021 sollen 8.500 Stellen wegfallen.

Sanierungsplan Commerzbank

Groß angelegter Sanierungsplan der Bank

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hat dem groß angelegten Sanierungsplan der Bank zugestimmt. Diese Woche will man die entsprechende Vereinbarung mit dem Arbeitgeber unterzeichnen. Das will „hr-info“ letzten Mittwoch aus Aufsichtsratskreisen erfahren haben. Demnach hätten die Arbeitnehmervertreter dem Vorschlag bereits zugestimmt.

Kaum Interesse an Altersteilzeitmodellen

Die bereits möglichen Altersteilzeitmodelle seien weniger gefragt, hieß es. Bis Ende Juni hätten nur rund 500 von etwa 3.000 Beschäftigten ein entsprechendes Angebot angenommen, in Altersteilzeit zu gehen und eine fixe Prämie von 30.000 Euro zu kassieren. Im Sanierungsplan habe man sich nun auf die Möglichkeit von Vorruhestandsregelungen und Abfindungen von mindestens 20.000 Euro geeinigt.

Schaffung von 2.300 neuen Arbeitsplätzen?

Bereits Ende September letzten Jahres hatte die Commerzbank den Abbau von 9.600 Stellen bis 2020 angekündigt. Vorstand und Arbeitnehmervertreter hatten damals den Stellenabbau diskutiert. Danach sollte der Stellenabbau vor allem die Beschäftigten in Deutschland treffen, berichtete damals hessenschau.de unter Berufung auf die Gewerkschaft Verdi. In den Geschäftsbereichen Privat- und Firmenkundenbetreuung sowie in administrativen Bereichen außerhalb der Zentrale sollten demnach 4.800 von 11.000 Stellen wegfallen. Viele dieser Mitarbeiter arbeiten in Commerzbank-Filialen. Neben der Streichung von Stellen in Kernbereichen des Konzerns versprach die Commerzbank auch die Schaffung von 2.300 neuen Arbeitsplätzen. Dies werde allerdings vorwiegend in nicht tarifgebundenen Tochtergesellschaften und im Ausland geschehen, kritisierte Verdi im September.

Betriebsbedingte Kündigungen

Damals war auch noch die Rede von betriebsbedingten Kündigungen. An ihnen werde die Bank nicht vorbeikommen, zitierte die Plattform damals Mark Roach, der für Verdi im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt. Durch die normale Fluktuation in erster Linie aufgrund freiwilliger Kündigungen sowie des Übertritts in die Rente würden pro Jahr nur rund 900 Stellen frei. Weitere Abbau-Maßnahmen wie Altersteilzeit seien nach zwei großen Streichungswellen seit 2009 weitgehend ausgereizt, erläuterte damals der Gewerkschafter. Auch der Commerzbank-Vorstand schloss betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Das tut er auch jetzt nicht, plane aber bis 2019 erst einmal nicht damit.

Wegfall von 8.500 Stellen in vier Jahren

Bis 2020 sollen nach jetziger Sprachregelung 8.500 Vollzeitstellen wegfallen, davon allein in Hessen rund 3.000. Davon können deutlich mehr Mitarbeiter betroffen sein, weil ein Teil von ihnen nicht Vollzeit arbeitet. Insgesamt bleiben dann nach Gewerkschaftsangaben rund 34.000 Stellen im Konzern übrig. Die Commerzbank selbst spricht von rund 36.000, weil sie in sogenannten Zukunftsbereichen etwa 2.300 neue Stellen schaffe. Näheres ist dazu noch nicht bekannt.

Streichungen im Back Office

Jobs sollen vor allem in der Sachbearbeitung, dem sogenannten Back Office, abgebaut werden, und zwar in der Frankfurter Zentrale, aber auch in anderen hessischen Filialen. Wegen des Personalabbaus rechnet die Commerzbank im zweiten Quartal mit roten Zahlen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)