News | Mitbestimmung
27.04.2016

„Betriebsrat“ oder „Mitbestimmung“ positiv belegt

Alle reden von Mitbestimmung und Betriebsräten. Doch meinen sie auch das, was sie vorgeben, davon zu halten? Wissenschaftler gingen der Frage auf den Grund. Herauskam dabei: die große Mehrheit von befragten Beschäftigten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sind grundsätzlich positiv dazu eingestellt.

Mitbestimmung und Betriebsrat© Daniel Berkmann /​ fotolia.com

Arbeitnehmer sollten mitbestimmen

Mitbestimmung. Arbeitnehmer sollten im Betrieb mitbestimmen – davon ist die große Mehrheit der Erwerbstätigen überzeugt. Zu diesem Ergebnis jedenfalls gelangt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung von Prof. Dr. Werner Nienhüser, Esther Glück und Dr. Heiko Hoßfeld von der Universität Duisburg-Essen.

Mitsprache am Arbeitsplatz

Sie befragten rund 1.900 Erwerbstätige – Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie wollten wissen, wie deren Einstellungen zur Mitsprache am Arbeitsplatz sind. Neben Antworten auf direkte Fragen erbaten die Forscher auch persönliche Assoziationen wie positiv, neutral oder negativ zu Schlüsselbegriffen der Mitbestimmung. Davon erhofften sie sich Einblick in tiefer liegende Einstellungen zum Thema.

Ergebnis:

  • 65 Prozent der Befragten finden, dass Arbeitnehmer mindestens gleich viel Einfluss haben sollten wie Arbeitgeber.
  • Nur 13 Prozent finden, Mitbestimmung sei falsch, egal ob betriebliche Mitbestimmung oder Mitsprache in Aufsichtsräten.
  • Für gut 67 Prozent bewerten „Mitbestimmung“ positiv,
  • sogar knapp 69 Prozent den Begriff „Betriebsrat“.

Befürworter der Mitbestimmung

Die Befürworter der Mitbestimmung sind der Umfrage zufolge in fast allen untersuchten Gruppen in der Mehrheit, unabhängig von Qualifikation oder Erwerbsposition. Unter Arbeitern und Angestellten liegt die Zustimmung zwischen 76 und 67 Prozent. Auch unter den leitenden Angestellten und selbst bei Selbständigen und Freiberuflern findet eine klare Mehrheit, dass die Arbeitnehmer gleich viel Einfluss haben sollten.

Auch größere Arbeitgeber für Mitbestimmung

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Arbeitgeber mit mindestens fünf Beschäftigten in ihren damit betriebsratsfähigen Betrieben halten wenig davon, ihre Mitarbeiter mitentscheiden zu lassen. Auf die Frage, ob Arbeitnehmer gleich viel Einfluss haben sollten, habe sich in dieser Gruppe „eine deutliche Ablehnung“ gezeigt, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „WSI-Mitteilungen“. Nur ein Drittel wünscht sich demnach gleichberechtigte Beschäftigte.

Arbeitgeber generell dafür

Andererseits äußern die befragten Arbeitgeber überwiegend positive Assoziationen zu den Begriffen Mitbestimmung und Betriebsrat. Nach Lesart der Wissenschaftler könnten sich Arbeitgeber generell durchaus mit Mitbestimmung und Arbeitnehmervertretern arrangieren, nur nicht dann, wenn sie ihre Verfügungsrechte bedroht sehen.

Interessengegensätze zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern

Angesichts der bestehenden Interessengegensätze zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sei es nicht verwunderlich, dass die Meinungen beim Thema Mitbestimmung auseinandergehen. Die Forscher werten dies als „gutes Zeichen“. Schließlich wären „Mitbestimmungsinstitutionen, die von allen akzeptiert oder gar begrüßt würden, vermutlich solche ohne Verteilungswirkung und damit zahnlos“.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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