08.02.2017

Betriebsrat Douglas bietet Investor Paroli

Ein Finanzinvestor aus USA macht Druck bei Parfümeriekette Douglas Druck. Schließlich ist es nicht mehr auszuhalten. Die Mitarbeiter merken plötzlich: Da fehlt was. Jetzt gibt es erstmals einen Betriebsrat für alle 10.000 Beschäftigten in Deutschland, doch nicht genug Betriebsräte.

Gesamtbetriebsrat Douglas

Betriebsräte bei Douglas Mangelware

Mitbestimmung. Erstmals erhält die Parfümeriekette Douglas einen Gesamtbetriebsrat. Das berichtet der „Hessische Rundfunk“. Eigentlich überfällig: die Kette beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter in mehr als 400 deutschen Filialen und der Zentrale in Düsseldorf. Vorige Woche wählten die Vertreter von gerade einmal neun örtlichen Betriebsräten Anke Hochstein-Werner, Leiterin der Parfümerie-Filiale in Offenbach, zur ersten Vorsitzenden des neu gegründeten Gremiums. Bis in jeder Douglas-Filiale bundesweit ein Betriebsrat installiert ist, könnte es noch dauern. „In dem Punkt war selbst Schlecker weiter. Da gab es Betriebsräte und einen Tarifvertrag“, zitiert der Sender Katja Deusser von ver.di Hessen die Ausgangssituation.

Größtes Parfümerie-Unternehmens Europas

Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet Hochstein-Werner (51) für Douglas. Hochstein-Werner: „Ich brauche jetzt natürlich auch einiges an Beratung und Weiterbildungen.“ Das braucht die Geschäftsleitung des größten Parfümerie-Unternehmens Europas vielleicht auch. Denn innerbetrieblich betreten beide, Arbeitgeber– und Arbeitnehmerseite von Douglas, damit Neuland.

Schottischer Seifensieder

In 18 Ländern Europas hat Douglas nach eigenen Angaben rund 1.700 Parfümerien und mehr als 20.000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2014/15 betrug der Umsatz demnach rund 2,6 Milliarden Euro. Den Namen hat das Unternehmen vom schottischen Seifensieder John Sharp Douglas, der 1821 in Hamburg eine Fabrik gründete. Seinen Erben kauften die Schwestern Maria und Anna Carstens 1910 das Recht zur Eröffnung der ersten „Parfümerie Douglas“ in der Hansestadt ab.

Einstieg eines US-Investors

Zur früheren Douglas Holding gehörten zwischenzeitlich neben der Parfümerie-Kette unter anderem auch der Juwelier Christ, die Thalia-Buchhandlungen und die Hussel-Süßwarenläden. Lange Zeit gehörte Douglas allein der Unternehmerfamilie Kreke. Dann stieg der Finanzinvestor Advent ein. Er verkaufte seine Anteile im Sommer 2015 an einen Konkurrenten. Seitdem hat der US-Finanzinvestor CVC Capital mit einem Anteil von 85 Prozent das Sagen. Er will Douglas dem Bericht zufolge angesichts des wachsenden Onlinehandels „schneller, flexibler und schlagkräftiger“ machen.

An Tarif angelehnte Löhne

Douglas zahlt an den Tarif angelehnte Löhne. In den Filialen wirkt sich die neue Geschäftspolitik laut Betriebsrat und Gewerkschaft aus als Angst vor Arbeitsplatzverlust und höheren Druck, den Umsatz zu steigern. Im Mittelpunkt der Sorgen stehe bei vielen die schwerer werdende Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Kampferprobte Mitarbeitervertretung

Pionierarbeit bei der Mitarbeitervertretung zu leisten, hat Hochstein-Werner allerdings in kleinerem Rahmen schon geübt. Vor gut zwei Jahren machte ihre Filiale in der Offenbacher Innenstadt bundesweit Schlagzeilen. Als eine Kollegin versetzt werden sollte, gründete die 18-Mitarbeiter-Belegschaft mit Hilfe der Gewerkschaft ver.di dort den ersten örtlichen Douglas-Betriebsrat überhaupt. „Die Kolleginnen haben gesagt: Du musst das machen, Anke“, erinnert sich Hochstein-Werner.

Zeit nicht verschlafen

Hochstein-Werner widerspricht Vermutungen, die Douglas-Beschäftigten hätten bei der Mitbestimmung die Zeit verschlafen. Der Leidensdruck sei einfach lange nicht groß gewesen. „Solange Douglas ein Familienbetrieb war, war es ein schönes Arbeiten. Die Probleme, die wir jetzt haben, hatten wir damals nicht“, erklärt die Betriebsrätin. Ein neues Dienstplansystem fordere den Beschäftigten in den Filialen nun viel mehr Flexibilität ab. Drei Wochen Urlaub am Stück sollten außerdem nicht mehr genommen werden, Samstagsarbeit öfter anstehen. Kein Luxusproblem, wie Hochstein-Werner betont: „In den Douglas-Filialen arbeiten fast nur Frauen.“ Viele seien Mütter, oft auch Alleinerziehende mit Teilzeit. Was da inzwischen verlangt wird, sei oft einfach nicht zu erfüllen – vor allem wenn man Kinder hat.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)