News | Geschäftsführung Betriebsrat 11.09.2017

Betriebsrat Bibraer Molkerei kämpferisch

In Bad Bibra wird Milch nicht sauer – es soll dort zu wenig davon geben, um weiter u.a. Käse für Mozzarella herzustellen. Das behauptet die Unternehmensleitung des Deutschen Milchkontors (DMK). Sie will darum die Molkerei schließen. Der Betriebsrat ruft zu einer Kundgebung auf.

Schließung Molkerei Bad Bibra

Alle Mittel gegen Schließung ausschöpfen

Geschäftsführung Betriebsrat. Peter Künne zeigt sich weiter kämpferisch: „Wir werden alle Mittel ausschöpfen, um die Schließung zu verhindern.“ Unterstützung sollen laut einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ der Betriebsratsvorsitzende sowie die über 100 Mitarbeiter der Bad Bibraer Burgenlandkäserei nun auch von der Bevölkerung erhalten. Die Molkerei ist vom Aus bedroht. Ein zweiter Runder Tisch zur Situation des Werkes soll am kommenden Mittwoch in der Aula der Sekundarschule Bad Bibra stattfinden. Davor ist eine Kundgebung geplant.

Eine der größten Molkereigenossenschaften in Europa

Die Molkerei gehört der DMK Group unter Leitung der DMK Deutsches Milchkontor GmbH mit Sitz in Zeven zwischen Bremen und Hamburg. Zu der Gemeinschaft gehören nach eigenen Angaben 8.600 Milcherzeuger und genossenschaftliche Eigentümer. Mit rund 7.200 Mitarbeitern sieht sich die Gesellschaft als eine der größten genossenschaftlich organisierten Molkereien in Europa. Das Einzugsgebiet der Genossenschaft umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz.

Käserei Anfang 2018 schließen

Die Führung des Molkereikonzerns DMK hatte dem Zeitungsbericht zufolge Ende Juni überraschend verkündet, die Käserei Anfang 2018 zu schließen. Als Grund wurden zu geringe Mengen Milch genannt, die in der Region erzeugt würden. Inzwischen jedoch hat das Wirtschaftsamt des Burgenlandkreises mit zehn bäuerlichen Betrieben aus der Saale-Unstrut-Elster-Region gesprochen. Sie sollen bereit sein, mit DMK über die Lieferung von zusätzlich knapp 41 Millionen Litern zu verhandeln. Außerdem liegt dem Betriebsrat nunmehr ein Wirtschaftsgutachten vor, dass dem Werk Rentabilität bescheinigt.

Molkerei wichtig für die gesamte Region

Zur Teilnahme an der Kundgebung am 13. September riefen letzte Woche in Naumburg neben Künne Landrat Götz Ulrich (CDU), Bad Bibras Bürgermeister Frederik Sandner, die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) An der Finne, Monika Ludwig, auf. „Uns geht es nicht darum, das Unternehmen DMK in unangemessener Weise unter Druck zu setzen, jedoch wollen wir zeigen, wie wichtig uns das Bad Bibraer Werk für die gesamte Region ist“, sagte Ulrich. Deshalb hoffe er, dass nicht nur Einwohner aus Bad Bibra an der Kundgebung teilnehmen werden. Beginnen soll die Veranstaltung um 14 Uhr auf dem Hof der Sekundarschule. Außerdem riefen Künne sowie die drei Kommunalpolitiker die Bürger der Region auf, sich dann an der Zufahrtsstraße zur Käserei zu versammeln, um der DMK-Geschäftsführung ihre Verbundenheit mit den Käserei-Mitarbeitern zu demonstrieren.

Mozzarella-Vorstufe für Italien

Künne zufolge soll DMK vorhaben, etwa 70 Prozent der bislang in Bad Bibra hergestellten Produkte von einem anderen Werk herstellen zu lassen. Das sei, so Künne, so einfach nicht möglich. Als Beispiel nannte er Käse, der als Mozzarella-Vorstufe nach Italien geliefert wird, sowie einen Kräuterkäse mit vier Sorten. „Das alles zeigt, dass wir ein leistungsfähiges Unternehmen sind“, so Künne. Die Schließung der Molkerei, so habe Ludwig ermitteln lassen, hätte neben dem Verlust der Arbeitsplätze auch andere beträchtliche Negativ- Auswirkungen auf die Finne- und die Unstrut-Region. Die Molkerei gehört zu den größten Einleitern in die Kläranlage Laucha. Für deren Nutzung müsste der Abwasserzweckverband Unstrut-Finne nach Schließung der Molkerei deutlich höhere Gebühren erheben. Für die Bürger rechnet Ludwig mit mehr als einem Euro pro Kubikmeter.

Millionen Mehrkosten für Gemeinden

„Die Gemeinden müssten sich außerdem mit fünf Millionen Euro beteiligen“, sagte die VG-Chefin. Ähnlich gestalte sich die Situation für den Trinkwasserverband. Auch deshalb wünsche sie sich, dass möglichst viele an der Kundgebung teilnehmen. Als Zeichen der Verbundenheit wertet Ludwig das Käsefest. Es soll am Samstag im VG-Ortsteil Saubach steigen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)