28.08.2017

Betriebsrat Adient einigt sich mit Sozialpartnern

Bereits seit März war klar: der Hersteller von Autositzen Adient verlagert seine Kapazitäten aus dem westfälischen Espelkamp nach Slowenien. Seither kämpfte der Betriebsrat um die Zukunft des Werkes. Jetzt einigte man sich auf einen Kompromiss. Ende 2020 ist in Espelkamp Schluss.

Adient Schließung Werk Espelkamp

Produktportfolio mit Sitz- und Lehnenpolstern

Geschäftsführung Betriebsrat. Im März unterrichtete das Management von Adient Seating die Arbeitnehmervertretung und die Mitarbeiter des Standortes Espelkamp über Planungen, die Produktion am Standort Espelkamp aufzugeben. Das spezielle Produktportfolio mit Sitz- und Lehnenpolstern aus Naturfasern sowie naturfaserverstärkter Lehnenabdeckungen wird ausschließlich in Espelkamp hergestellt und vermarktet. Es sei geplant, Produktionsumfänge nach Slowenien zu verlagern und den Standort abhängig davon, wann einzelne Kundenaufträge auslaufen, bis voraussichtlich Ende Dezember 2020 stillzulegen, hieß es damals vom Unternehmen. Betroffen in Espelkamp waren damals noch 275 Arbeitsplätze.

Aufrechterhaltung des Werkes in Espelkamp

In den Verhandlungen habe man immer wieder die weitere Aufrechterhaltung des Werkes in Espelkamp angesprochen. Aber erfolglos. Die Verhandlungen zwischen dem Autositzehersteller und den Arbeitnehmervertretungen zur Werksschließung sind beendet, meldet das „Westfalen-Blatt“ unter Berufung auf Ursula Beckschebe-Strefling, Betriebsratsvorsitzende des Werkes. „Wir haben einen Abschluss bekommen, Donnerstagnacht um zwei Uhr“, zitiert die Zeitung Beckschebe-Strefling. Sie könne noch keine genauen Details bekannt geben, bevor die Unterschriften nicht unter den Vertrag gesetzt worden seien. Derzeit liege lediglich das Protokoll der Einigungsstelle vor. Aber mit dem Ergebnis könne man gut leben, sagte sie.

IG Metall: Mit dem Ergebnis kann man leben

Lutz Schäffer von der IG Metall Minden bewertete den Abschluss ähnlich. „Es ist ein Ergebnis bei dem wir sagen: Da kann man mit leben.“ Kritik übte er erneut an dem Arbeitgeber. Der hätte sehr wenig Bewegung gezeigt. Die Schließung des Adient-Werkes, vormals Johnson Controls, 2020 wird weiterhin bestehen bleiben. „Es wird über 2020 nicht hinausgehen“, sagte Beckschebe-Strefling. Man habe zwar noch am Mittwoch ein Angebot in der Tasche gehabt. Aber es sei schon klar gewesen, dass sich die Adient-Konzernvertreter darauf nicht einlassen würden. Zu weit seien die Pläne für eine Verlagerung der Produktion, unter anderem nach Slowenien, vorangeschritten.

Sozialplan für 256 Beschäftigte

Schäffer bestätigte dies. Die Verhandlungen der beiden Seiten unter anderem über einen Sozialplan für die derzeit noch 256 Beschäftigten gestalteten sich als schwierig. Noch Mitte des Monats war die IG Metall davon ausgegangen, dass die Verhandlungen länger andauern würden. Die Adient-Vertreter hätten sich „beratungsresistent“ gezeigt. Der Abschluss soll nach Angaben von Beckschebe-Strefling Anfang dieser Woche vertraglich bestätigt werden.

Details der Vereinbarung

Nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden haben IG Metall und Betriebsrat einen guten Abfindungsfaktor für die Arbeitnehmer erstritten. Darüber hinaus soll eine Transfergesellschaft auf die Beine gestellt werden. Ein „paar Leckerli“, so die Betriebsratsvorsitzende, gebe es für diejenigen, die das Unternehmen vorzeitig verlassen, weil sie eine Anschlussbeschäftigung gefunden haben. Das solle garantieren, „dass die Arbeitnehmer sich auch um eine neue Arbeitsstelle kümmern“.

Unternehmensseite bestätigt Abschluss

Ein besonderes Lob sprach Beckschebe-Strefling laut „Westfalen-Blatt“ den Vertretern der IG Metall aus. Sie hätten sich besonders für die Adient-Arbeitnehmer eingesetzt hätten. Auch von Unternehmensseite her wurde der Abschluss bestätigt. „Eine Einigung ist mündlich erzielt worden“, kommt Adient-Pressesprecherin Claudia Steinhoff in dem Zeitungsbericht zu Wort. Weitere Details wollte sie noch nicht bekannt geben. Das Unternehmen Adient ist aus Johnson Controls hervorgegangen. Als großer Arbeitgeber in Espelkamp wurden in den dortigen Werkshallen vor allem Autositze für namhafte Automobilhersteller gefertigt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)