News | Arbeitsrecht
04.11.2015

Betriebsräte können Onsite-Werkverträge eindämmen

Unternehmen lagern Prozesse aus – mit einem Werkvertrag. Das kann gravierende Folgen haben – selbst für die Unternehmensleitungen. Dann nämlich, wenn die Werkverträge rechtlich nicht wasserdicht sind. Das aber sind sie erstaunlich oft nicht, wie eine Studie jetzt belegt.

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Werkverträge nur rechtlich korrekt einsetzen

Arbeitsrecht. Betriebsräte to the front! Sie sind in Sachen Werkverträge besonders gefordert. Sie sollten darauf dringen, dass Werkverträge ausschließlich rechtlich korrekt eingesetzt werden. Das raten die Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Markus Hertwig, Johannes Kirsch und Prof. Dr. Carsten Wirth.

Werkverträge in zentralen Bereichen

Firmen nutzen Werkverträge, um Arbeiten erledigen zu lassen, die sie nicht selbst ausführen können oder wollen. Selbst Arbeiten in zentralen Bereichen wie Produktion oder Forschung und Entwicklung würden bisweilen an Werkvertragsnehmer abgegeben.

Werksvertragler auf Betriebsgelände

Mitunter seien dessen Beschäftigte auch onsite, also auf dem Betriebsgelände des Auftraggebers tätig. Das haben die Forscher aus Chemnitz, Duisburg und Darmstadt im Auftrag der Hans Böckler-Stiftung in Düsseldorf anhand von Befragungen in 1082 Betrieben und in zwölf Fallstudien herausgefunden.

Spekulieren auf Spareffekte

Oft spekulierten Unternehmen auf Spareffekte durch Werkverträge. Die Löhne in Werkunternehmen seien „im Durchschnitt niedriger und die Flexibilitätslasten höher als bei den Stammbeschäftigten“, schreiben Hertwig, Kirsch und Wirth. Zudem würden Werkvertragsarbeiter häufig in besonders belastenden Bereichen eingesetzt und müssten längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen.

Tarifvertrag gilt oft nicht

Für die meisten gelte entweder überhaupt kein Tarifvertrag oder die tariflichen Bestimmungen seien deutlich ungünstiger als diejenigen des Auftraggebers. Aber auch Stammbeschäftigte der Werkbesteller gerieten durch „die Zunahme kostenmotivierter Personalstrategien oder die Androhung von Outsourcing unter Druck“, so die Wissenschaftler.

Pochen auf rechtlich einwandfreie Werkverträge

Indem Betriebsräte auf rechtlich einwandfreie Werkverträge pochen, könnten die häufig unterschätzten Transaktionskosten etwa für Verwaltung und Vertragsgestaltung steigen.

Spareffekte aufheben

Der vermeintliche Spareffekt an Personalkosten wäre damit in vielen Fällen aufgehoben – und die Nutzung von Werkverträgen mithin wirtschaftlich nur noch schwer begründbar. „Insofern kann die Einforderung rechtskonformer Werkvertragspraktiken auch eine Strategie der Interessenvertretung zur Eindämmung von Onsite-Werkverträgen sein“, schreiben die Autoren der Studie.

Onsite-Werkverträge in größeren Betrieben

Die Studie zeigt, dass Onsite-Werkverträge vor allem in größeren Betrieben vorkommen. Von den befragten Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern nutzten 45 Prozent generell Werkverträge, 20 Prozent gaben an, mit Onsite-Werkvertragsbeschäftigten zu arbeiten. In kleineren Unternehmen sind beide Quoten deutlich geringer, heißt es in der Studie.

Oft keine Trennung von Werkbesteller und Werkunternehmen

Das Urteil der Wissenschaftler: Eine sorgsame Trennung von Werkbesteller und Werkunternehmen geschieht oft nicht und es kommt immer wieder zu Eingriffen des Werkbestellers beim Werkunternehmen. Es sei dann außerordentlich zweifelhaft, ob es sich um einen Werkvertrag handelt. Dies müsse vor Gericht geklärt werden – oder aber eben der Betriebsrat schreitet beizeiten ein.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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