News | Mitbestimmung
10.10.2016

Betriebsräte greifen bei zu viel Social Media ein

Ein bisschen wie Facebook – das wünschen sich manche Chefs für ihre Firma. Unternehmen haben soziale Netzwerke für sich entdeckt. Das stößt bei Beschäftigten nicht immer auf Zustimmung. Damit der Einsatz von Social Media im Rahmen bleibt, sind Betriebsräte aufgerufen einzugreifen.

Hand, die Social Media Icons präsentiert© sdecoret /​ fotolia.com

Gemeinsame Plattform

Mitbestimmung. Die Idee: Mitarbeiter kommen über eine gemeinsame Plattform einfacher in Kontakt, tauschen Ideen aus, teilen ihr Wissen, bearbeiten gemeinsam Projekte – nicht nur mit Kollegen in Nachbarbüros, sondern weltweit. Auch über Privates oder das Kantinenessen darf geplaudert werden.

Firmeneigene Netze

Einige deutsche Konzerne haben bereits firmeneigene Netze eingerichtet, beispielsweise die Siemens Blogosphere, das Telekom Social Network, Connect.BASF oder ConNext von Continental. Bei der Einführung solcher Netzwerke stehen betriebswirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund.

Wichtige Fragen ausgeblendet

Ausgeblendet werden dabei häufig Fragen wie:

  • Was bedeutet „Social Collaboration“ oder „Enterprise 2.0“ für die Beschäftigten?
  • Wie wirken sich neue Formen der Kommunikation auf Arbeitsbedingungen und Anforderungen aus?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die betriebliche Mitbestimmung?

Interviews mit Beschäftigten und Betriebsräten

Diese Fragen hat Dr. Tanja Carstensen, Soziologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf Basis einer Online-Befragung mit mehr als 500 Teilnehmern und Interviews mit Beschäftigten und Betriebsräten untersucht. Herauskam eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie. Sie wird auf dem Digitalisierungskongress der Stiftung in Kooperation mit ver.di am 17. und 18. Oktober in Berlin vorgestellt.

Zwischen sinnvoller Vernetzung und Belastung

Danach sind Social Media für die einen das passende Werkzeug, um sich mit Kollegen zu vernetzen. Andere empfinden diese Form der Kommunikation allerdings als Belastung. Wieder andere erkennen nicht unbedingt einen Mehrwert oder fühlen sich nicht gut genug vorbereitet. Einerseits Arbeit erleichtern, andererseits den Beschäftigten aber neue Tätigkeiten aufbürden – für die Forscherin ein Zeichen der Ambivalenz von Technik.

Betriebs- und Personalräte zum Schutz der Mitarbeiter aufgerufen

Auch wenn sich viele Nutzer von sozialen Netzwerken nicht reglementieren lassen wollen, so die Autorin, müssten Betriebs- und Personalräte zum Schutz der Mitarbeiter eingreifen. Für eine Reihe von Fragen biete das Betriebsverfassungsgesetz eine gute Grundlage, etwa bei der Einführung von technischen Einrichtungen zur Überwachung der Beschäftigten.

Umsetzung in der Praxis

Gleichwohl sei die Umsetzung in der Praxis nicht immer ganz einfach. Carstensen: „Auf der einen Seite müssen die Mitbestimmungsgremien diejenigen Mitarbeiter, die Social Media ablehnen – sei es aus Datenschutzgründen, aus Arbeitsüberlastung oder aus Scheu –, bis zu einem gewissen Grad schützen.“

Arbeit mit neuen Medien

Andererseits müsse Mitarbeitern ohne Vorbehalte gegen die neuen Medien, für die sie Arbeitserleichterung, Wertschätzung und motivierende Arbeitsumgebung darstellen, diese Arbeitsweise ermöglicht werden. Alles in allem ein wichtiges Aufgabenfeld und Herausforderung für die Betriebsratspraxis.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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