News | Geschäftsführung Betriebsrat
28.09.2015

Betriebsräte: Einsatz von Social Media unklar

Betriebsräte sind bei Digitalisierung innovativ – innovativer noch als Unternehmen. So das „Innovationsbarometer 2015 “. Nicht offenbar beim Einsatz von Social Media. Was der aus Sicht der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen bedeutet, ist deutlich unklarer und ambivalenter. Das förderte eine Umfrage der TU Hamburg-Harburg jetzt zu Tage.

© Askold Romanov /​ iStock /​ thinkstockphotos.com

Social-Media-Anwendungen gewinnen

Geschäftsführung Betriebsrat. E-Mail und World Wide Web gehören für viele Beschäftigte inzwischen fest in den Arbeitsalltag. In den letzten Jahren haben mit Web 2.0 soziale Netzwerke, Weblogs, Wikis und Plattformen an Bedeutung gewonnen – und damit Social-Media- Anwendungen für die unternehmensinterne Nutzung.

Unternehmen kommunizieren über Social Media mit Beschäftigten

Immer mehr Unternehmen führen soziale Netzwerke ein. Immerhin 13 Prozent aller in einer Bitkom-Studie befragten Unternehmen kommunizieren über ein internes soziales Netzwerk mit ihren Beschäftigten. Unternehmen versprechen sich davon einiges:

  • bessere Zusammenarbeit,
  • effektivere Kommunikation,
  • Vernetzung,
  • neue Möglichkeiten für Wissensmanagement,
  • Ideenentwicklung,
  • Projektorganisation und Prozessabläufe,

und dies unternehmensweit und über Abteilungs- und Standortgrenzen hinweg.

Betriebsräte und Social Media – Welten?

Und die Betriebsräte und die Beschäftigten? Was deren Sicht auf den Einsatz von Social Media angeht, so sieht es eher mau aus. So das Ergebnis einer Untersuchung der TU Hamburg-Harburg. Deren Arbeitsgruppe Arbeit-Gender-Technik befragte im Rahmen des Forschungsprojektes „Arbeit 2.0. Neue Anforderungen an Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen im Umgang mit Social Media“ 564 Betriebs- und Personalräte. Von ihnen arbeiten 57 Prozent in Unternehmen, in denen Social Media angewendet werden.

Fallbeispiele verschiedener Branchen

Außerdem wurde in drei Fallbetrieben unterschiedlicher Branchen in 45 Interviews mit Betriebsräten und anderen Beschäftigten unterschiedlicher Berufsgruppen und Hierarchieebenen der interne Social-Media-Einsatz analysiert.

Dabei wurde deutlich:

  • Die Art, wie Social Media eingeführt und Betriebsräte miteinbezogen wurden, ebenso wie deren Verbreitung sind sehr heterogen.
  • Oft werden Einführung und Nutzung von Social Media als „Wildwuchs“ oder „nebulös“ bezeichnet.
  • Eine überwiegende Mehrheit wurde nicht beteiligt  und bei denen, die beteiligt wurden, beschränkte sich die Partizipation zumeist auf bestimmte Phasen des Prozesses.
  • Einige betriebliche Interessenvertreter haben spät Informationen erhalten.
  • Immerhin sind aber auch 25 Prozent insgesamt eher zufrieden,
  • Vier Prozent sogar sehr zufrieden und
  • teilweise Treiber des Prozesses.

 

Frühzeitige Einbeziehung von Betriebsräten durch Social Media

Vor allem große, multilokal agierende Konzerne hätten die Nutzung interner Social Media unter frühzeitiger Beteiligung der Betriebsräte eingeführt, auf hohem Niveau in Betriebsvereinbarungen geregelt und knüpften dabei oftmals an etablierte Regelungen zum Ausschluss von Leistungs- und Verhaltenskontrolle, Regelungen zu Arbeitszeit und Datenschutz an.

Herausforderungen an betriebliche Mitbestimmung

Jedoch gebe es gerade mal bei einem Drittel der befragten Unternehmen Guidelines oder Regelungen, wie Tanja Carstensen, Soziologin an der TU Hamburg-Harburg und Leiterin des zurzeit von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projektes, einschränkt. Sie kommt zu dem Befund: „Auch unter diesen Voraussetzungen stellt die Nutzung von Social Media einige neue Herausforderungen an betriebliche Mitbestimmung und Praxis.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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