News | Geschäftsführung Betriebsrat
07.09.2016

Betriebsräte bei Siemens-Uerdingen besorgt um Arbeitsplätze

Ist Siemens zu teuer? Die Frage stellt sich derzeit im Werk Uerdingen bei Krefeld. Die Konkurrenz des Eisenbahnbauers schnappt immer mehr lukrative Aufträge weg. Die Mitarbeiter sorgen sich um die Zukunft. Der Betriebsrat macht interne Schwächen für die Misere verantwortlich.

Arbeitsplätze unsicher© freshidea /​ fotolia.com

Division Mobility auf Holperstrecke

Geschäftsführung Betriebsrat. „Auf einer Holperstrecke“ – da sieht zur Zeit die Arbeitnehmervertretung der Siemens AG am Standort Krefeld die für das Schienengeschäft zuständige Zugsparte „Division Mobility“ des Konzerns. Siemens sei offenbar teurer als die Konkurrenz, bekomme kaum noch Aufträge, gibt „RP Online“ einen Bericht der aktuellen Mitarbeiterzeitung „Vier gewinnt“ wieder. In den vergangenen Monaten sind demnach lukrative Aufträge an die Konkurrenz gegangen. Die Mitarbeiter im Siemens-Werk in Uerdingen machten sich Sorgen um die Zukunft.

2.000 Mitarbeiter bangen

Rund 2.000 Mitarbeiter bauen in Krefeld-Uerdingen Schienenfahrzeuge und elektrische Komponenten. Regionalverkehrszüge wie der „Desiro“ und Hochgeschwindigkeitszüge wie der „Velaro“ werden in Krefeld gebaut. Mobility hat viele Jahre auf der Liste der zehn ergebnisschwächsten Unternehmensbereiche von Siemens gestanden. Seit 2014 geht es allerdings wieder aufwärts. Interne Verbesserungen gewährleisten den Aufwärtskurs. Allerdings wohl nicht endgültig. „Aktuell kämpft die Division Mobility nicht nur mit extremen Turbulenzen auf den internationalen Märkten, sondern auch gegen interne Schwächen“, schreibt der Betriebsrat.

Problemkind Zusammenarbeit

Vor allem im Fokus: die Zusammenarbeit. Eine stete Verbesserung sei nicht zu erkennen – trotz Fortschritten hier und da. Zumal in der Entwicklung, bei Komponenten und Systemen sehen die Arbeitnehmervertreter großes Potenzial. Dazu müssten allerdings Folgekosten wie Vertrieb und Service berücksichtigt werden. Siemens habe zuletzt bei Auftragsvergaben mehrmals den Kürzeren gezogen. Das liege „unbestritten an den großen Preisdifferenzen“, heißt es in dem Beitrag.

International schwieriges Umfeld

Aber nicht nur an hausgemachten Schwächen hakt es. Der Zughersteller muss sich dazu mit „international schwierigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen“ auseinandersetzen. Sie erschwerten das Geschäft erheblich, bilanziert der Krefelder Betriebsrat, wie beispielsweise:

  • der niedrige Ölpreis,
  • der Staatsbankrott Brasiliens,
  • der anstehende EU-Austritt Großbritanniens,
  • die Unruhen in der Türkei oder
  • das Verhältnis zu Russland.

Türkei, Russland, Großbritannien

Das alles belaste das Geschäft. Auftraggeber in der Türkei, Russland und Großbritannien gehörten zu den wichtigsten Kunden der zurückliegenden Geschäftsjahre. „Die Beschäftigungssituation im Werk Uerdingen wird davon nicht unberührt bleiben“, prognostiziert der Betriebsrat in der August-Ausgabe von „Vier gewinnt“.

Erfolglosigkeit bei Auftragsvergaben

Betriebsratsvorsitzender Heinz Spürk hat die Gesamtproblematik im Konzern vorgetragen. Business-Unit-Leiterin Sabrina Soussan zufolge würden die Ursachen für die jüngste Erfolglosigkeit Siemens‘ bei Auftragsvergaben im Schienenfahrzeuggeschäft „genauestens untersucht werden“.

Frist bis 2018

Eine kleine Frist besteht noch bis 2018. Bis dahin sei die aktuelle Auslastungssituation noch zufriedenstellend. „Wenn das so bleiben soll, müssen wieder Aufträge für Siemens gewonnen werden“, so Spürk. Und das „bereits in den nächsten Monaten“ – sonst fährt der Zug ohne Siemens ab.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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