News | Geschäftsführung Betriebsrat
05.10.2016

Betriebsräte auch von Edeka-Konkurrenten besorgt

In dem Wirtschaftskrimi um die Lebensmittelkette Kaiser’s Tengelmann geht das Hauen und Stechen weiter: Minister gegen Kartellamt, Oberlandesgericht gegen Minister, Eigentümer gegen Minister, Mitbewerber gegen Eigentümer. Jetzt melden sich auch die Betriebsräte zu Wort.

Angst um Jobs© Robert Kneschke /​ fotolia.com

Arbeitsplätze bei Mitbewerbern

Geschäftsführung Betriebsrat. Wer denkt eigentlich an die Mitarbeiter von Rewe? Diese Frage stellt derzeit der Betriebsratsvorsitzende der Lebensmittelkette Rewe, Andreas Ratzmann. Und wer an die von Kaufland, TeGut oder Norma? Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge warnt Ratzmann davor, bei der Auseinandersetzung um die Zukunft des Konkurrenten Kaiser’s Tengelmann die Arbeitsplätze bei anderen Mitbewerbern aus den Augen zu verlieren.

Einseitige Fokussierung

Ratzmann wirft Bundeswirtschaftsminister Gabriel eine einseitige Fokussierung auf die Rettung von Jobs bei Kaiser’s Tengelmann vor. Die Beschäftigten bei Rewe machten sich Sorgen. Sie fürchten im Falle einer Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann um ihre Jobs. „Darüber haben sich bislang offenbar weder Bundeswirtschaftsminister Gabriel noch die Verantwortlichen bei Edeka und der Eigentümer von Kaiser’s Tengelmann Gedanken gemacht“, kritisiert Ratzmann.

Jobs bei Kaiser’s Tengelmann

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel setzt sich vehement für die Jobs bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann ein. Das mache den Beschäftigten beim Konkurrenten Rewe mittlerweile Angst. Als Betriebsräte würden Ratzmann und seine Betriebsratskollegen täglich angesprochen von den Beschäftigten. Sie wollten wissen, wie es mit Rewe und deren Märkten weitergeht, wenn Edeka nach einer Fusion mit Kaisers Tengelmann eine absolute marktbeherrschende Position erreichen würde. Ratzmann: „Das wäre tatsächlich ein schwerer Schlag für uns.“

Verbot des Kartellamtes

Minister Gabriel hatte sich mit einer Ministererlaubnis über ein Verbot des Kartellamtes für die geplante Fusion von Edeka und Kaiser‘s Tengelmann hinweggesetzt. Zur Begründung hatte er unter anderem angeführt, dass nur so die Arbeitsplätze bei Kaiser‘s Tengelmann gerettet werden könnten.

Kaufland, Real Tegut, Globus, Norma

Der Einkaufsverbund Markant in Vertretung unter anderem der Händler Kaufland, Real Tegut und Globus und der Discounter Norma hatten zusammen mit Rewe das Oberlandesgericht Düsseldorf eingeschaltet. Das zweifelte Gabriels Begründung an und setzte seine Ministererlaubnis außer Kraft.

Spitzentreffen ergebnislos vertagt

Die Chefs von Rewe, Edeka und Tengelmann sowie Vertreter der Gewerkschaft ver.di wollten bei einem Spitzentreffen versuchen, eine Lösung für die von der Zerschlagung bedrohte Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann zu finden. Doch nach drei Stunden Beratung trennte man sich ergebnislos. Die Beteiligten teilten laut „Rundfunk Berlin Brandenburg“ (RBB) nach einem rund dreistündigen Treffen mit, man sei einig, „die Gespräche zeitnah fortzuführen“. Einen Termin oder Ort dafür nannten sie aber nicht. Seither laufen die hoch sensiblen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen.

Bohne: Furcht um Kaiser’s Tengelmann-Filialen

Ziel sei es, „eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser’s Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden“. Bei Kaiser’s Tengelmann fürchte man: „Jetzt ist es vorbei“, wird der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne von „RBB“ zitiert. Komme es nicht zum geplanten Verkauf von Kaiser’s Tengelmann an Edeka, würden die Filialen möglicherweise nach und nach geschlossen. Neue Arbeitsplätze fänden die Beschäftigten allenfalls zu schlechteren Konditionen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen