21.06.2021

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) kann auch bei Long-Covid-Krankheit helfen

Nach amtlichen Erhebungen (Erwerbstätigenbefragung des BIBB und der BAuA) soll nur 40 Prozent der anspruchsberechtigten Personen seitens der Arbeitgeber ein BEM angeboten worden sein. Die Bundesregierung hatte vor kurzem auf eine Frage einer Bundestagsfraktion zur Umsetzung des BEM zu antworten Danach hat sie sich in dieser Legislaturperiode darauf konzentriert, die operative Umsetzung des BEM zu verbessern.

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Betriebliches Eingliederungsmanagement erfolgreich umsetzen

Seit April 2004 ist der Arbeitgeber verpflichtet, Beschäftigten, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren ein sogenanntes betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. In welchem Maße davon Gebrauch gemacht worden ist, hatte vor kurzem die Bundesregierung auf eine Frage einer Bundestagsfraktion zu beantworten. Aus der Antwort (Drucksachen Nr. 19/29328) ist zu entnehmen, dass das BEM ein ergebnisoffener Suchprozess sein soll, aus dem herauszufinden ist, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden kann. Zugleich soll der Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz ein stärkerer Stellenwert verschafft werden. Wichtig für ein erfolgreiches BEM sei vor allem die Schaffung einer Vertrauensbasis zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten sowie klare Strukturen und Verantwortlichkeiten für das BEM im Betrieb oder der Dienststelle.

Noch immer zu wenige Angebote

Eine Auswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung ergab, dass nur 40 Prozent der anspruchsberechtigten Personen seitens der Arbeitgeber ein BEM angeboten wurde. Das Vorhandensein einer Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung, einer bzw. eines Beauftragten für das BEM sowie die Etablierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements könnten hier förderlich sein. Das bestätigt auch die im November 2020 veröffentlichte Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Umsetzung des BEM.

Unterstützung beim BEM-Verfahren

Mit dem Teilhabestärkungsgesetz werde auch eine Regelung zur Stärkung des BEM umgesetzt. Beschäftigte haben dadurch die Möglichkeit, eine Vertrauensperson eigener Wahl zum BEM-Verfahren hinzuzuziehen. Damit werde das BEM insbesondere in Betrieben ohne Interessensvertretung gestärkt.

Wiedereinstieg nach einer Corona-Erkrankung

Das BEM sei auch ein geeignetes Mittel, um Beschäftigten mit Corona-Spätfolgen den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben zu erleichtern. Es werde jedoch unabhängig von einer speziellen Erkrankung oder Diagnose angewendet, schreibt die Regierung weiter. „Aus der Corona-Pandemie ergeben sich nach derzeitigen Erkenntnissen keine besonderen Handlungsbedarfe. Das BEM stellt einen unverstellten, verlaufs- und ergebnisoffenen Suchprozess dar, der sich unabhängig von einer Erkrankung nach den individuellen Bedürfnissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer richtet“, heißt es in der Antwort.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)