News | Geschäftsführung Betriebsrat 24.07.2017

Besserer Schutz der Arbeitnehmer vor Krebs-Chemikalien

Quarzfeinstaub – ein Teufelszeug. Es ist meistens auf Baustellen verbreitet. Es kann Krebs erregen. Es ist nur ein Beispiel einer Reihe krebserregender chemischer Stoffe, für die strengere Grenzwerte am Arbeitsplatz gelten. Auf sie haben sich jetzt die EU-Institutionen geeinigt.

Grenzwerte krebserzeugende Stoffe

Auswirkungen auf Arbeitnehmer und deren Familien

Geschäftsführung Betriebsrat. Krebs ist die häufigste arbeitsbedingte Todesursache in der Europäischen Union. Es stellt hier das größte Gesundheitsrisiko für Arbeitnehmer dar. Krebserkrankungen haben nach Erkenntnis der für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständigen EU-Kommissarin Marianne Thyssen „erhebliche Auswirkungen auf Arbeitnehmer, ihre Familien sowie Industrie und Gesellschaft“.

Krebs zweithäufigste Todesursache

Nach Angabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in den meisten entwickelten Ländern. In der Europäischen Union sind jährlich 53 Prozent der arbeitsbedingten Todesfälle auf Krebs zurückzuführen, 28 Prozent auf Krankheiten des Kreislaufsystems und sechs Prozent auf Atemwegserkrankungen.

Schutzes der Arbeitnehmer vor krebserzeugenden Chemikalien

Zur Verbesserung des Schutzes der Arbeitnehmer vor krebserzeugenden Chemikalien schlägt die Kommission deswegen Änderungen an der Richtlinie über Karzinogene und Mutagene (2004/37/EG) vor. Dadurch will sie die Gefahr am Arbeitsplatz durch 13 karzinogene chemische Stoffe begrenzen, zum Beispiel den auf Baustellen verbreiteten Quarzfeinstaub. Thyssen: „Mit diesem Vorschlag werden wir in den kommenden 50 Jahren 100.000 Menschenleben retten. Der Arbeitnehmerschutz steht im Mittelpunkt des Engagements der Kommission für ein starkes soziales Europa.“

Thyssen: Meilenstein im Arbeitsschutz

Thyssen: „Die jetzt erzielte Einigung ist ein Meilenstein im Arbeitsschutz, vor allem im Hinblick auf arbeitsplatzbedingte Krebserkrankungen.“ Die Grenzwerte zeigen die Höchstkonzentration an, in der ein chemisches Karzinogen in der Luft am Arbeitsplatz vorhanden sein darf. Der EU-Vorschlag beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auf intensiven Gesprächen mit Wissenschaftlern, Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Vertretern der Mitgliedstaaten und Arbeitsaufsichtsbeamten.

Quarzfeinstaub verfahrensbedingter Stoff

Als Beispiel für einen neu aufzunehmenden chemischen Arbeitsstoff möchte die Kommission Quarzfeinstaub als „verfahrensbedingten Stoff“ in die Richtlinie einführen. Dabei handelt es sich um Staub, der bei Arbeitsverfahren wie Bergbau, Brucharbeiten, Tunnelbohrungen, Schneiden, Zerkleinern oder Mahlen von siliciumdioxidhaltigen Materialien wie Beton, Ziegeln oder Gestein entsteht. Zwar kontrollierten einige Unternehmen erfolgreich die Konzentrationen dieses chemischen Stoffes in der Luft, unterstützt von einer Vereinbarung der Sozialpartner. Dennoch zähle er zu den Hauptursachen für die Lungenkrankheit Silikose und arbeitsbedingten Lungenkrebs. Durch den Vorschlag der Kommission würden Arbeitnehmer in der gesamten EU geschützt, und zwar auch im Bausektor. In ihm sind nahezu 70 Prozent der Quarzfeinstaub ausgesetzten Arbeitnehmer tätig.

Gerechterer Binnenmarkt

Solche Grenzwerte sollen das Auftreten arbeitsbedingter Krebserkrankungen verringern. Außerdem sollen sie durchgängig für alle Beteiligten gleiche Ausgangsbedingungen sowie für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Durchsetzungsbehörden gemeinsame Ziele schaffen. Der Vorschlag führt nach Ansicht der EU-Kommission daher zu einem effizienteren System für den Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmern sowie zu einem gerechteren Binnenmarkt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)