16.02.2021

Beschäftigtenquote im öffentlichen Dienst: In Deutschland vergleichsweise gering

Deutschland hat im Jahr 2018 nur rund 7,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Beschäftigtenentgelte des öffentlichen Dienstes aufgewendet. Diesen und eine Reihe weiterer interessanter Aspekte hat der dbb Beamtenbund-Tarifunion in seinem jährlich erscheinenden Monitor „öffentlicher Dienst“ herausgestellt. Der jüngste Monitor erschien Anfang Januar 2021. Er legt eine detaillierte Faktensammlung zu wichtigen Kennzahlen des öffentlichen Sektors in Deutschland vor. Das zusammengetragene statistische Zahlenmaterial erlaubt Rückschlüsse auf drängende Probleme, ohne zu werten. Zum Beispiel fehlen dem öffentlichen Dienst rund 300.000 Beschäftigte. Die Broschüre liefert eine schnelle Orientierung auch über die aktuelle Situation der Auszubildenden im öffentlichen Dienst und informiert über die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen.

Leistungsfähig, wirtschaftlich und transparent

Im europäischen Vergleich schneidet der öffentliche Dienst in Deutschland gut ab, was Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Transparenz betrifft. Das geht aus dem „Monitor öffentlicher Dienst 2021“ hervor, den der dbb beamtenbund und tarifunion regelmäßig zum Jahresbeginn herausgibt.

Nur rund 10,5 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im öffentlichen Dienst

Anhand aktueller Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Statistischen Amtes der Europäischen Union (eurostat) ist erkennbar, dass Deutschland im Jahr 2018 nur rund 7,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Beschäftigtenentgelte des öffentlichen Dienstes aufgewendet hat, während die Spitzenreiter Dänemark 15,2 Prozent, Schweden 12,7 Prozent und Frankreich 12,5 Prozent ausgegeben haben. Das spiegelt sich auch im Personalstand wider: Dänemark beschäftigte im Jahr 2017 rund 28 Prozent aller Erwerbstätigen im öffentlichen Dienst, Schweden rund 29 Prozent und Frankreich rund 23 Prozent. Spitzenreiter ist hier Norwegen mit über 30 Prozent, während in Deutschland nur rund 10,5 Prozent aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst arbeiten. Gleichzeitig gehört Deutschland zu den Top Ten der europäischen Länder, in denen Bürgerinnen und Bürger das größte Vertrauen in die Unparteilichkeit des öffentlichen Dienstes sowie in Regierung und Verwaltung setzen.

Investitionen für die Zukunft

Der Bundesvorsitzende des dbb wies bei der Veröffentlichung des Berichts darauf hin, dass die Zahlen die immer wieder gern vertretene These widerlegten, der öffentliche Dienst sei zu teuer und zu unwirtschaftlich. Im Gegenteil dürfe der hohe Grad an Effizienz nicht dazu führen, die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes in Deutschland zu überschätzen. Es zeige sich nicht erst in der aktuellen Krise, dass „an allen Ecken und Enden“ Personal fehle. Wenn derzeit schon rund 300.000 Beschäftigte zu wenig im öffentlichen Dienst beschäftigt würden und bis zum Jahr 2029 rund 27 Prozent oder 1,27 Millionen der heute 55-Jährigen altersbedingt aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden würden, könne die Devise nur lauten, Fachkräfte zu gewinnen und massiv in Ausbildung zu investieren.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)