12.03.2018

Berufsausbildung in Teilzeit ist möglich

Seit Jahren ist es nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) möglich, eine Berufsausbildung auch in Teilzeit zu absolvieren. Darauf hat die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion hingewiesen (Drucksache 19/683). Voraussetzung für die Teilzeit-Ausbildung ist der Nachweis eines berechtigten Interesses.

Berufsausbildung

Viele junge Mütter und Väter ohne Berufsabschluss

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass viele junge Mütter und Väter bzw. Menschen mit starker Familienverantwortung keine Berufsausbildung absolvieren können, die es ihnen ermöglicht, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie auskömmlich zu bestreiten. Im Jahr 2014 seien beispielsweise 50,3 Prozent aller jungen Mütter und 37,6 Prozent aller jungen Väter im Alter von 16 bis 25 Jahren ohne Berufsabschluss gewesen.

Ungleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt

Gleichzeitig sei die Anzahl unbesetzter Lehrstellen auf dem Ausbildungsmarkt hoch. Allein im Jahr 2016 seien 43.500 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben, während über 20.000 Personen erfolglos nach einem Ausbildungsplatz suchten.

Teilzeitausbildung im BBiG nicht definiert

Auszubildende und Ausbildende können nach § 8 Abs. 1 Satz 2 BBiG gemeinsam die Kürzung der Ausbildungszeit auch in Form einer Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit beantragen, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt (Teilzeitberufsausbildung). Allerdings sei das erforderliche „berechtigte Interesse“ an einer solchen Ausbildung bzw. die genaue Adressatengruppe einer Teilzeitausbildung im BBiG nicht definiert.

Ausbildungsverträge mit Teilzeitregelung

Die Abgeordneten hatten in der Kleinen Anfrage von der Bundesregierung unter anderem wissen wollen, wie viele Ausbildungsstellen für Teilzeit seit 2005 ausgeschrieben wurden und wie viele Ausbildungsverträge in Voll- und Teilzeit seit 2005 abgeschlossen wurden. Laut Antwort sind im Jahr 2016 rund 0,4 Prozent der Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung in Teilzeit abgeschlossen worden, davon 0,06 Prozent für Männer und 0,95 Prozent für Frauen. 2008 waren insgesamt nur 0,1 Prozent aller Ausbildungsverträge solche mit Teilzeitregelung. Die Zahl der Neuabschlüsse in Teilzeit an allen Neuabschlüssen schwankt im Berichtsjahr 2016 zwischen 0,1 Prozent (Sachsen, Sachsen-Anhalt) und 0,9 Prozent (Berlin, Saarland).

Im Sommer 2017 wurde die bayerische Staatsregierung von einer Landtagsfraktion aufgefordert, Teilzeitausbildungsstellen in allen Landesbehörden und Ministerien anzubieten.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)